Übermannshohe Nadelbäume entfernt: Historische Grabstätte in Bechhofen aufgewertet | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.01.2026 14:00

Übermannshohe Nadelbäume entfernt: Historische Grabstätte in Bechhofen aufgewertet

Das aufbereitete Grab der Familie Fettinger mit dem markanten weißen Kreuz auf dem Friedhof in Bechhofen: ein Stück Heimatgeschichte der Gemeinde. (Foto: Johannes Flierl)
Das aufbereitete Grab der Familie Fettinger mit dem markanten weißen Kreuz auf dem Friedhof in Bechhofen: ein Stück Heimatgeschichte der Gemeinde. (Foto: Johannes Flierl)
Das aufbereitete Grab der Familie Fettinger mit dem markanten weißen Kreuz auf dem Friedhof in Bechhofen: ein Stück Heimatgeschichte der Gemeinde. (Foto: Johannes Flierl)

Eine besonders schmucke und auffällige Grabstätte auf dem alten Friedhofsteil zieht die Blicke seit kurzem wieder auf sich. Sie gehört der Familie Fettinger, die sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Gastwirte, Brauereibesitzer und Posthalter in Bechhofen einen Namen machte.

Kürzlich wurde die historische Stätte aufgewertet: Eine örtliche Gärtnerei entfernte übermannshohe Nadelbäume, die zuvor die Sicht verdeckt hatten. Nun prangt das steinerne weiße Kreuz der stattlichen Grabstätte wieder gut sichtbar im Friedhof.

Wirt des Gasthofs war zugleich Posthalter

Die Familiengeschichte der Fettingers ist eng mit dem Postwesen verknüpft. Bereits seit 1690 existierte ein Post-Ritt zwischen Dinkelsbühl und Ansbach. Um diese Zeit wurde auch die Pferdewechselstation Bechhofen der Fürstlich-Taxischen Post eingerichtet. Wie damals üblich, war der Wirt des Gasthofs zur Post zugleich Posthalter und für den reibungslosen Betrieb der Postkutschen zuständig.

Dazu gehörte das Unterhalten von Stallungen; in der Blütezeit standen dort bis zu acht Pferde. Nachdem ab 1853 für kurze Zeit ein Postamt im Schloss an der Wieseth betrieben wurde, übernahm der Gastwirt Andreas Fettinger das Amt des Posthalters. Das frühere „Gasthaus zur Post“ beherbergt heute das Deutsche Pinsel- und Bürstenmuseum.

Würdigung auch im Ortsbild

Von Bechhofen aus wurden in regelmäßigen Routen Städte wie Ansbach und Dinkelsbühl sowie der Bahnhof Triesdorf angefahren. Erst mit der Aufnahme des Bahnbetriebs im Jahr 1903 verloren die Postkutschen nach und nach ihre Bedeutung.

Die historische Rolle der Familie wird bis heute im Ortsbild gewürdigt: Die am früheren Standort der Deutschen Bundespost gelegene Straße wurde nach der Familie benannt. Ebenso trägt die zentrale Bushaltestelle den Namen Fettingerstraße. In der Grabstätte ruhen unter anderem das Posthalter-Ehepaar Philipp (Jahrgang 1849) und Eva Marie (Jahrgang 1848) Fettinger sowie ihre Tochter Maria Babetta, die 1895 mit gerade einmal 19 Jahren als „Jungfrau und Posthalterstochter“ starb.

Ururenkel lebt noch in Nürnberg

Zudem ist an gleicher Stelle der Brauereibesitzer Johann Friedrich Fettinger (Jahrgang 1831) bestattet. Obwohl heute keine Nachfahren der Posthaltersfamilie mehr in Bechhofen leben, gibt es noch einen aktuellen Bezug zu dem Stück Heimatgeschichte: Der 86-jährige Gerhard Rosenlöcher, Ururenkel des Brauereibesitzers, lebt in Nürnberg. Er weiß zu berichten, dass der Familienname einst „Föttinger“ geschrieben wurde. Rosenlöcher verbindet eine persönliche Geschichte mit Bechhofen: Er erlebte das Kriegsende 1945 als sechsjähriger Bub bei seiner Großmutter, die den Geburtsnamen Fettinger trug.


Von JOHANNES FLIERL
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