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Veröffentlicht am 05.06.2023 16:51

Trotz Inflation: Ordentliches Plus bei den VR-Banken in der Region

Der Kreisverband Ansbach des Genossenschaftsverbands hat seine Bilanz für das vergangene Jahr vorgelegt. Trotz des schwierigen Marktumfelds mit hoher Inflation und schnell steigenden Zinssätzen konnte Kreisvorsitzender Hermann Meckler insgesamt positive Entwicklungen vermelden.

Zum Kreisverband Ansbach gehörten im vergangenen Jahr die VR-Bank Mittelfranken Mitte, die VR-Bank Feuchtwangen-Dinkelsbühl, die Raiffeisenbank Heilsbronn-Windsbach und die Raiffeisenbank Bechhofen. Weil die VR-Bank Mittelfranken Mitte vor gut einem Jahr aus der bisherigen VR-Bank Mittelfranken West und der Raiffeisenbank Roth-Schwabach hervorgegangen ist, wurde letztere in die Zahlen von 2021 eingerechnet, damit die Werte vergleichbar sind.

Bilanzsumme von 6,2 Milliarden Euro

Die Bilanzsumme stieg von knapp 5,8 auf gut 6,2 Milliarden Euro um 8,0 Prozent. An bilanziellen Kundengeldern gab es im Kreisverband knapp 4,4 Milliarden Euro (plus 7,3 Prozent), das betreute Kundenvolumen stieg auf 12,9 Milliarden Euro (plus 3,5 Prozent).

An Krediten wurden mehr als 4,4 Milliarden Euro ausgegeben (plus 11,2 Prozent). Hier machte sich aber bereits bemerkbar, dass private Immobilien im zweiten Halbjahr deutlich an Bedeutung verloren, stellte Meckler fest. In Zeiten einer Negativverzinsung war eine Immobilienrendite von zwei bis drei Prozent eine interessante Anlageform. Doch das sieht jetzt anders aus. Aus Sicht des langjährigen Kreisvorsitzenden könnten steuerliche Erleichterungen ein hilfreiches Instrument sein, um hier wieder einen Aufwind zu erzeugen.

Ärgerlich findet er, dass die Bundesanstalt für Finanzen die regulatorischen Auflagen erneut verschärft hat. Für Wohnimmobilienfinanzierungen müssten Banken nun zusätzliches Eigenkapital zur Risikovorsorge bilden. Ohne Grund, wie Meckler findet: „Eine Veränderung der Risikolage lässt sich nicht erkennen.“ Im Kreisverband stieg das Eigenkapital auf 624 Millionen Euro (plus 6,2 Prozent). Die Gesamtkapitalquote liegt mit 15,67 Prozent leicht unter dem Vorjahresniveau.

Ebenfalls nicht erfreulich ist das Betriebsergebnis, das um 0,01 Punkte auf 0,86 Prozent fiel. Eine Auswirkung der wirklich schwierigen Zeiten für das klassische Bankgeschäft. Wertberichtigungen in Höhe von rund 40 Millionen Euro waren erforderlich, weil die Zinsen plötzlich steil nach oben gingen. Dabei handle es sich aber um rein buchhalterische Werte, betonte Meckler. Werden die Anleihen bis zum Fälligkeitstermin gehalten, wird der Nennwert plus Zinsen gezahlt.

„Die Banken haben in einem anspruchsvollen Umfeld solide gewirtschaftet bei gleichzeitig nur moderaten Kostensteigerungen“, beschreibt Meckler die Entwicklung. Die Genossenschaftsbanken hätten einen „stabilisierenden Beitrag zur Finanzierung von Mittelstand, Handwerk und Privatpersonen geleistet“, stellt der Kreisvorsitzende zufrieden fest. Insbesondere der in der Region starke Mittelstand habe bewiesen, dass er sich schnell anpassen könne und auf Herausforderungen gut reagieren könne.

Die Frage nach der eigenen Zukunft

In Europa sind die Genossenschaftsbanken Exoten. Nur in Österreich und zum Teil in Italien ist das Modell mit Mitgliedern, die zusammen eine eigene Bank betreiben, noch verbreitet. Dabei hat sich das Konzept in Jahrzehnten als stabile und verlässliche Konstruktion erwiesen. Die europäische Bankenaufsicht schert die Genossen und die Großbanken anderer Länder dennoch über einen Kamm. „Wir werden mit den gleichen Vorschriften überzogen“, klagte Meckler.

Der Kreisverband Ansbach des Genossenschaftsverbandes selbst hat eine ungewisse Zukunft vor sich. Da Feuchtwangen-Dinkelsbühl und Heilsbronn-Windsbach mit Weißenburg-Gunzenhausen fusionierten und der Hauptsitz der neuen Bank Weißenburg sein wird, bleiben im kommenden Jahr nur noch die VR-Bank Mittelfranken Mitte und die Raiba Bechhofen übrig. Da es anderen Kreisverbänden ähnlich geht, kann sich Meckler durchaus vorstellen, dass die Genossenschaftsbanken künftig eher auf die Bezirksverbände setzen werden. Aber spruchreif ist da noch nichts.

Vorsitzender Hermann Meckler ist mit den Zahlen des Genossenschafts-Kreisverbandes insgesamt zufrieden. (Foto: Robert Maurer)
Vorsitzender Hermann Meckler ist mit den Zahlen des Genossenschafts-Kreisverbandes insgesamt zufrieden. (Foto: Robert Maurer)
Vorsitzender Hermann Meckler ist mit den Zahlen des Genossenschafts-Kreisverbandes insgesamt zufrieden. (Foto: Robert Maurer)
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