Der Ulsenheimer Unternehmer Christian Schwarz spendet drei Transformatoren für die Ukraine. Am Dienstag brachen er und sein Mitarbeiter Christian Bilke im firmeneigenen Lastwagen mit der rund sechs Tonnen schweren Fracht aus dem Markt Nordheimer Teilort in die Region um Lemberg (Lwiw) auf.
Rein zufällig war der Inhaber der Firmen eco:net – sie plant, baut und betreibt Wärmenetze, aktuell ist sie auch in Emskirchen, Weigenheim, Herbolzheim aktiv – und CDE Systems – sie realisiert Regelungs- und Leitsysteme – zu seiner Hilfsaktion gekommen. Schon seit Jahren erhalten seine rund 350 Kundinnen und Kunden in ganz Deutschland keine Weihnachtsgeschenke mehr. Stattdessen wollen sich Schwarz und seine 25 Mitarbeitenden bei sozialen Projekten einbringen, wie er gegenüber der Redaktion erklärte. Der Transport in die Ukraine sei ihm buchstäblich „aufgetischt” worden.
Im Rahmen seiner Verbandsarbeit hatte sich der Betriebsinhaber aus Ulsenheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) Anfang Dezember in Berlin aufgehalten. Bei einem Mittagessen kam der Elektromeister und Softwareentwickler mit einer höheren Beamtin des BMWI (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) ins Gespräch, das sich bald um ein Hilfeersuchen des ukrainischen Energieministeriums an die deutsche Politik drehte. „Die Dame beklagte damals, dass die Ukrainer eine riesige Liste mit hunderten benötigten Dingen übermittelt hätten. Darunter war alles Mögliche an elektrischem Material, Transformatoren, bis hin zu ganzen Umspannwerken”, so Schwarz. Viele der benötigten Güter seien aber aktuell nicht verfügbar oder nur mit langen Wartezeiten zu bekommen. „Ich hab ihr unverbindlich zugesagt, dass ich unser Netzwerk ein bisschen bemühen werde, um vielleicht das eine oder andere gelistete Teil aufzutreiben”, erinnert sich Schwarz.
Eher aus Spaß habe die Frau damals angemerkt, dass die Ulsenheimer die Teile ja gerne auch gleich spenden könnten, weil ihr Budget für die rund 88 Millionen Euro umfassende Liste bei weitem nicht ausreicht. „Wir konnten dann tatsächlich einiges auftreiben. So entstand dann auch die Idee, drei gebrauchte Ortstransformatoren nicht nur zu organisieren, sondern auch zu spenden.” Mittels seines Netzwerkes wurde er schließlich in Niedersachsen fündig. Der Wert der Trafos liege im unteren fünfstelligen Bereich, das schien ihm passabel.
Nachdem die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die die Spenden in die Ukraine organisiert, davon Wind bekommen hatte, dass die Ulsenheimer Firma auch über eigene Lastwagen verfügt, kam prompt die Anfrage, ob Schwarz die Transformatoren nicht gleich selbst per Direktfracht transportieren könne, das würde die Zollformalitäten erheblich vereinfachen.
Besagte Trafos seien etwa so groß, um jeweils ein ukrainisches Dorf mit Strom zu versorgen. Sie wiegen jeweils rund zwei Tonnen – am Montagabend wurden sie im Ulsenheimer Firmenstandort verladen. Wo die gebrauchten und hergerichteten Transformatoren zuvor im Einsatz waren, weiß Schwarz nicht.
Angst vor der Fahrt hatten er und Christian Bilke nicht. Denn jeden Tag gehen Hunderte solcher Lastwagen über die Grenze und man fahre ja nach der etwa 20-stündigen Strecke gleich wieder zurück. Sein Schlusswort: „Wir passen einfach gut zu diesem Programm dazu.”
Das ukrainische Energieministerium (MinEnergo) hat 2022 ein Hilfeersuchen an das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gerichtet. Gesucht werden Sachspenden technischer Güter hauptsächlich für die Reparatur und Wartung der beschädigten Energieinfrastruktur in der Ukraine. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) ermutigt Verbände und Unternehmen der deutschen Energiewirtschaft weiterhin, das Hilfeersuchen zu prüfen und sich mit Spenden zu beteiligen.