Nach der Urauführung ist vor der Uraufführung. Am Landestheater Dinkelsbühl startet die Saison, die neue Intendanz-Ära, mit viel Neuem. Am heutigen Samstag steht die zweite Uraufführung an: „Dann haben sie eben eine andere Weltanschauung”, ein Stück über Liesl Karlstadt und Karl Valentin – und mit Sketchen der beiden.
Karl Valentin, dieser Münchner Komiker, Kabarettist, Volkssänger und Absurditätsvirtuose, ist ein Riese in der deutschen Kleinkunstgeschichte. Am 4. Juni 1882 in der Au geboren, am 9. Februar 1948, einem Rosenmontag, unterernährt an einer Lungenentzündung verstorben. Man hatte ihn aus Versehen nach einem Auftritt in einer kalten Garderobe eingeschlossen. Davon hat er sich nicht mehr erholt.
In der breiten Öffentlichkeit ist er nicht mehr so bekannt, wie er es verdient hätte. Aber er wirkt bis in die Gegenwart. Von ihm aus lässt sich eine Linie zu Loriot, Gerhard Polt und Helge Schneider ziehen. Liesl Karlstadt als Partnerin, das gehört zur Wahrheit dazu, hat daran einen großen, oft unterschätzten Anteil. Gisela Maria Schmitz macht das in ihrem Stück klar. Die Münchner Theatermacherin hat es für Dinkelsbühl geschrieben und inszeniert es auch.
Bestellt hat den Valentin-Karlstadt-Abend bei ihr Jasmin Meindl, die neue Intendantin des Landestheaters. Ihr war wichtig, dass nicht nur originale Sketche des Duos darin vorkommen, sondern auch die Biografien der beiden mit ihrem Glanz und ihren Schattenseiten. Die Aufgabe hat Gisela Maria Schmitz gern angenommen, sich hingesetzt und recherchiert, die Bühnentexte der beiden gesichtet, die biografischen Texte durchgearbeitet. Danach hat sie ihre Funde aneinander gelegt, so wie bei einem Mosaik: Steinchen für Steinchen, damit ein doppeltes Lebensbild entsteht.
Mit dem Ergebnis ist Jasmin Meindl mehr als zufrieden: „Ich finde das Stück sehr schön”, sagt sie. „Gisela Maria Schmitz hat es geschafft, dass einem die beiden Figuren sehr nahe kommen.“
Weil berühmte Menschen auf ihre Art „irgendwie noch lebendig” sind, wie Gisela Maria Schmitz findet, war ihre Grunddiee für ihren Theatertext, dass die beiden, längst tot, nachts im Valentin-Karlstadt-Museum in München herumgeistern, miteinander reden und alte Nummern spielen.
Schmitz hat originale Sketche mit Dialogen verbunden. Dazu gedichtet hat sie nichts. „Dafür habe ich zu viel Respekt vor denen”, sagt sie. „Also egal, worüber die reden, egal. Es ist aus ihrer Lebenswirklichkeit.” Angepasst hat sie manche Passagen, damit sie sich mit den anderen zusammenpassen.
Das Bayerische, das Münchnerische, das zu diesem Komikerpaar untrennbar gehört, ist Gisela Maria Schmitz nicht in die Wiege gelegt worden. Sie stammt aus Aachen. Vor über 40 Jahren, mit Anfang 20 ist sie fürs Studium der Theaterwissenschaft, Philosophie und Germanistik nach München gekommen und dort geblieben.
Mit Karl Valentins Humor hat sie viele Jahre gefremdelt. „Wir Rheinländer brauchen am Ende immer eine Pointe. Valentin hat ja keine Pointen. Der Witz liegt bei ihm in der Mitte.” Das hat sich inzwischen gründlich geändert: „Ich lache jetzt immer noch Tränen bei den Proben bei bestimmten Szenen”, erzählt sie. „Da kann ich mich wegwerfen, weil sie einfach so schön blöd sind.”
Das ist das eine. Schmitz will auch eine andere Seite zeigen. „Gelitten hat der wahnsinnig. Karl Valentin hat an allem gelitten. An Krankheiten, an Hypochondrie, daran, wie die Welt nun mal ist.” Und Liesl Karlstadt hat unter ihm gelitten. Auch das zeigt Schmitz im Stück: „Einmal rechnet sie mit ihm so richtig ab.”
Auf die Bühne bringen will sie den tragikomischen Abend mit einfachen Mitteln. Sie liebt die Reduktion, verwendet nur wenige Requisiten: „Für mich steht im Vordergrund: der Schauspieler. In der Reihenfolge: Schauspieler, Musik, Licht. Das sind meine drei wichtigen Punkte.”
Spielen werden Andreas Peteratzinger und Margret Gilgenreiner. Bühnenbild und Kostüm stammen von Valerie Lutz. Die Musik hat Rudolf Gregor Knabl geschrieben und aufgenommen. Der Münchner Komponist war fast 40 Jahre der musikalische Leiter am Bayerischen Staatsschauspiel und arbeitet oft mit Gisela Maria Schmitz zusammen. Mit diesem Stück verbindet ihn noch etwas Besonderes: Als Kind hat er Liesl Karlstadt noch kennengelernt. Er saß mit ihr in einer Künstlergarderobe. Von ungefähr kam er nicht dorthin, sein Vater war der berühmte Zithervirtuose Rudi Knabl.
Premiere hat der Valentin-Karlstadt-Abend „Dann haben Sie eben eine andere Weltanschauung” am Samstag, 25. Oktober, um 20 Uhr am Landestheater Dinkelsbühl im Theater im Spitalhof.