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Veröffentlicht am 02.02.2025 15:00

Vier Jahrzehnte Aktivsenioren: So arbeiten die drei Berater in Ansbach

Sie haben ein langes, erfolgreiches Berufsleben hinter sich, entweder als Unternehmer oder als Führungskraft. Doch der Ruhestand ist diesen Frauen und Männern zu wenig. Die Aktivsenioren lassen Existenzgründer, aber auch Firmen in Transformation ehrenamtlich von ihren Erfahrungen profitieren. Jetzt hat der Verein seinen 40. Geburtstag gefeiert.

Im Oktober 1984 kamen sieben Senioren in München zusammen, die „Null Bock auf Ruhestand“ hatten und sich zum Verein Aktivsenioren zusammenschlossen. Heute habe der Verein in Bayern 490 Mitglieder, sagte Vereinsvorstand Franz-Josef Herchenbach beim Pressegespräch anlässlich des Jubiläums: „Wir repräsentieren 12.000 Jahre gesammelte Berufserfahrung.“ Die „Herzensthemen“ seien inzwischen die digitale Transformation, die IT-Sicherheit und die Künstliche Intelligenz.

Auch ein „Nein” wird erlaubt

Die Mittelfranken stellten mit 55 aktiven Mitgliedern den zweitgrößten Block, sagte Regionalleiter Karl-Heinz Langner. Er betonte, man sei nicht nur für Unternehmensgründer da: „Das Krönchen ist inzwischen, die Unternehmensnachfolge zu organisieren.“ Man nehme die Unternehmer an die Hand und gehe – falls gewünscht – sogar mit zum Gespräch mit der Bank. Man erlaube sich allerdings auch das „Nein“, wenn eine Geschäftsidee aus Sicht der Aktivsenioren nicht tragfähig sei. Und man gehe in die Schulen, um die Schüler für Wirtschaft zu begeistern. Für die Stadt und den Landkreis Ansbach sieht Langner „ein sehr profundes Team mit sehr vielen attraktiven Aufträgen“.

Das Ansbacher Team, das monatlich zu Beratungsterminen im digitalen Gründerzentrum ANswerk oder ins Landratsamt einlädt, das sind Dieter Hohlheimer, Herbert Dorfner und Paul Walton. Sie bringen aus ihrem Berufsleben ganz unterschiedliche Erfahrungen ein.

Unterschiedliche Berufserfahrungen

Dieter Hohlheimer schaffte mit 48 Jahren als gelernter Kfz-Meister den Umstieg ins Banken- und Versicherungswesen. Herbert Dorfner ging nach einer Schlosserausbildung auf die Hotelfachschule, stieg Ende der 1970er-Jahre in die Gastronomie ein und managte in der Folge zahlreiche Hotel- und Gastro-Projekte. Der Engländer Paul Walton kam vor über 40 Jahren nach Deutschland und baute aus dem Nichts ein eigenes Unternehmen auf, das er inzwischen verkauft hat. Seit sechs Jahren bringt er „alle Höhen und Tiefen aus 25 Jahren Unternehmensführung“ bei den Aktivsenioren ein.

Schon seit 17 Jahren ist Dieter Hohlheimer dabei. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis und den guten Draht zu Arbeitsagentur und Jobcenter. Und wenn man persönlich an seine Grenzen stoße, könne man immer auf das große Netzwerk der Aktivsenioren zurückgreifen. Das Wort des „Vereins Silberlocke“ habe Gewicht, so Hohlheimer, und das Feedback zu der Tätigkeit sei „zu 99 Prozent positiv“.

Leute vorm Geldverbrennen bewahren

Manchmal müsse man auch Leute davor bewahren, Geld zu verbrennen. Hohlheimer schildert den Fall eines Gründers, der „hier auf dem flachen Land“ mit immensem Aufwand Shrimps produzieren wollte: „Der hatte aber keine Idee, an wen er seine Shrimps verkaufen wollte.“

Eine ziemlich klare Idee, was man an den Aktivsenioren hat, hat die Kommunalpolitik. Die Arbeit und Erfahrung der Wirtschaftsexperten sei unendlich wertvoll, sagte Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Auch wenn sie von einer Idee abrieten. Und Ansbachs Bürgermeisterin Elke Homm-Vogel sagte, man sei für den „Blick von außen“, den die Aktivsenioren einbrächten, „unendlich dankbar“.

Nur bei der Öffentlichkeitsarbeit könnten die Aktivsenioren noch mehr tun oder, wie es Vereinsvorstand Herchenbach formulierte: „Wir sind nicht die, die im Stadtpark mit dem Rollator Rennen fahren.“

Geballte Unternehmer-Erfahrung (von links): die Ansbacher Aktivsenioren Herbert Dorfner, Dieter Hohlheimer und Paul Walton (Foto: Winfried Vennemann)
Geballte Unternehmer-Erfahrung (von links): die Ansbacher Aktivsenioren Herbert Dorfner, Dieter Hohlheimer und Paul Walton (Foto: Winfried Vennemann)
Geballte Unternehmer-Erfahrung (von links): die Ansbacher Aktivsenioren Herbert Dorfner, Dieter Hohlheimer und Paul Walton (Foto: Winfried Vennemann)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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