In der Gemeinde Geslau nimmt man die Energiewende ernst. Neben einer Biogasanlage ging nun ganz neu eine Hackschnitzelanlage in Betrieb. Dafür wurde auch das Energienetz ausgebaut.
Der Gedanke zur Erweiterung des eigenen Energienetzes kam den Landwirtsfamilien Ettmeyer und Eberlein im April 2022. Einige Wochen zuvor begann der Ukraine-Krieg, in Folge der Sanktionen explodierten die Energiepreise, wie Walter Ettmeyer erklärte: „Wir wollten auch unabhängig von großen Energiekonzernen werden.”
Schon 2007 war ein erstes Wärmenetz entstanden. Die Biogasanlage wurde bis 2017 dreimal erweitert, 40 Teilnehmende wurden angeschlossen. Das Konzept war Wärme und Strom aus der Heimat für die Heimat zu produzieren und das zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen.
Für die Erweiterung des Energienetzes durch die Hackschnitzelanlage gab es bereits im April 2022 eine erste Info-Veranstaltung. Damals war schon klar: Das Ziel soll ein Wärmenetz für das gesamte Dorf sein. Dafür sollte der Hackschnitzelofen eine Leistung von 1000 Kilowatt haben.
Ein Jahr später begannen die Erdbauarbeiten, im Oktober 2023 der Bau des Heizgebäudes. Schon im November wurde der Ofen eingebaut. Ettmeyer macht die Dimensionen klar: „Dieser wiegt 17 Tonnen.” Die Heizzentrale wurde im Juli 2024 fertiggestellt – Kosten 560.000 Euro.
Um alle Haushalte zu erreichen, musste auch das Netz erweitert werden: Dieses wuchs um 6200 Meter auf nun 8400 Meter Gesamtlänge. Für die Arbeiten waren 41 Lkw-Ladungen Kabelsand und 78 Ladungen Mineralbeton nötig. 73 Häuser sowie die Schule und vier Gewerbetriebe wurden neu angeschlossen. Aktuell sind damit 103 Gebäude an das Wärmenetz angeschlossen, zehn weitere werden demnächst folgen. Die endgültige Fertigstellung planen die Betreiberfamilien Ettmeyer und Eberlein für den April 2026.
Das Netz war bereits im Winter 2025/26 im Betrieb. Trotz einiger frostiger Tage lief es durchgehend mit einer Auslastung von maximal 60 Prozent. Damit hat das Netz genug Kapazität für die gesamte Gemeinde. Ettmeyer rechnet mit einem jährlichen Verbrauch von 800 Kubikmetern Hackschnitzel pro Jahr. Damit werden 120.000 Liter Heizwasser mit 85 Grad durch die fast 8500 Meter langen Fernwärmerohre geschickt.
Bürgermeister Richard Strauß bezeichnete das Wärmenetz als „Glücksfall” für die Gemeinde: „Mit Kindergarten, Feuerwehr, Rathaus und Grundschule sind alle öffentlichen Gebäude angeschlossen.” Alle Kommunen in Bayern müssen bis spätestens bis zum 30. Juni 2028 ein Konzept für eine kommunale Wärmeplanung erstellen. Für Geslau nun kein Problem: „Wir tun uns da jetzt leicht. Und das Wichtigste ist: Die Wertschöpfung bleibt in der Region.”