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Veröffentlicht am 23.12.2023 08:00

Wie Barbarossa Dinkelsbühl zur Königsstadt machte

Das Turmportal des Dinkelsbühler Münsters St. Georg ist ein sichtbares Zeugnis der Stauferzeit. (Foto: Martina Haas)
Das Turmportal des Dinkelsbühler Münsters St. Georg ist ein sichtbares Zeugnis der Stauferzeit. (Foto: Martina Haas)
Das Turmportal des Dinkelsbühler Münsters St. Georg ist ein sichtbares Zeugnis der Stauferzeit. (Foto: Martina Haas)

Es war einmal ein Kaiser: Friedrich I. Barbarossa. Ihm ist die erste urkundliche Erwähnung Dinkelsbühls zu verdanken. 1188 war das, in der Zeit der Stauferdynastie (1027 bis 1268). Vom Aufstieg des Fleckens an der Wörnitz zur Stadt erzählt Gerfrid Arnold im fünften Band seiner Reihe „Geschichte light“.

Arnold sagt über die Stauferzeit, dass sie bis heute fasziniere. In Dinkelsbühl werde das auch visuell deutlich: Vor der St.-Pauls-Kirche steht eine Stele, die an die Bedeutung der Epoche für die Stadt erinnert. Denn die Stauferdynastie sei nicht nur von europäischer Bedeutung. Für das Werden Dinkelsbühls sei sie ganz entscheidend gewesen.

Von Dänemark bis nach Sizilien

Das Geschlecht der Staufer prägte das europäische Mittelalter entscheidend. Vor allem Kaiser Barbarossa und sein Enkel Friedrich II. gründeten Universitäten und Städte, schufen ein neues Rechtssystem und förderten die höfische Kultur. Als Herren des Heiligen Römischen Reiches herrschte die Dynastie über ein Gebiet, das sich von der heutigen dänischen Grenze bis hinunter nach Sizilien erstreckte.

Friedrich I., genannt Barbarossa, war der erste Staufer auf dem Kaiserthron. Doch bald wurde ihm seine schwäbische Heimat zu eng. Immer wieder zog er mit einer großen Armee über die Alpen, um mit wechselndem Erfolg seine politischen Ziele durchzusetzen.

Der frühere Stadtarchivar hat eine, wie er selbst sagt, auf Dinkelsbühl bezogene erste Gesamtdarstellung dieser geschichtlichen Phase geschrieben. Das sei schon alleine deswegen unentbehrlich gewesen, um das Wesen der Stadt in seiner Gesamtheit zu erfassen, ist er überzeugt.

Wie die Stadtmauer zu Dinkelsbühl entstand

Kaiser Friedrich I. Barbarossa versprach 1188 in einem Heiratsvertrag „Tinkelsbuhel“ der kastilischen Königstochter Berengaria als Witwengut.

In der Stauferzeit entstand die erste Ummauerung der Stadt. Die Ansiedlung entwickelte sich zum Marktort und gar zur Königsstadt, hat Arnold in den Quellen gefunden. Damit, aber auch mit ihrem „tragischen Niedergang“, hätten die Staufer die Voraussetzung für die Aufnahme Dinkelsbühls als Reichsstadt geschaffen.

Von der Epoche zeugt heute noch das romanische Kirchenportal des Münsters St. Georg: Um 1228 begann wohl der Bau einer repräsentativen Kirche in der aufstrebenden Stadt Dinkelsbühl. Nach italienischem Vorbild wurde ein Kampanile, ein vom Kirchenschiff abgerückter Glockenturm, errichtet. Ein Rundbogenportal mit dreimal gestuftem Säulengewände führte wohl in eine Turmhalle, die den Durchgang ins Kirchenschiff der Vorgängerkirche des Münsters, St. Ursula, bildete.

Eine ideale Form des Portals

Die klassische Formensprache des Portals, so schreibt Arnold, gleiche der idealisierten Abbildung auf dem 10-Euro-Schein. In dem repräsentativen Portal sieht der frühere Stadtarchivar einen Beleg dafür, dass Dinkelsbühl in dieser Phase ein bedeutender und aufstrebender Ort gewesen sein muss. Allerdings wurde der Kampanile nicht vollendet, „wahrscheinlich wegen des Stadtmauernbaus, der Vorrang hatte“, vermutet Arnold.

Zeugen der Stauferherrschaft sind neben dem romanischen Kirchenportal auch Stadtmauerteile und archäologische Spuren im Dinkelsbühler Stadtboden. Arnolds Buch ermöglicht den Leserinnen und Lesern mit seinen Skizzen und Quellentexten eine Reise mit den Staufern durch rund 250 Jahre Dinkelsbühler Geschichte.

Unterdessen arbeitet Arnold bereits am sechsten Band seiner Reihe, den er der mittelalterlichen Reichsstadtzeit widmen will, in der Dinkelsbühl ein Stadtstaat wird. Die bisherigen Bände haben die Titel „Die Judenschaft“, „Die Stadtgeschichte“, „Der Hexenwahn“ und „Die Kinderzeche“. Zu beziehen sind die Bänchen im Buchhandel.

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