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Veröffentlicht am 15.02.2024 07:00

Wie ein Unglück Ansbachs Stadtwälder klimasicherer macht

Die Ausgangslage ist gut, die Herausforderungen gehen aber nicht aus: Die Stadt Ansbach treibt den Umbau des eigenen Forstes hin zu einem zukunfts- und klimasicheren Wald voran. Gut zwei Drittel des Bestandes sind bereits Laubbäume. Ein Unglück aus dem Jahr 1990 spielt den Verantwortlichen jetzt in die Karten.

Wenn Baureferent Jochen Büschl und Stadtförster Horst Renner auf den Zustand des Stadtwaldes blicken, wird ihnen nicht bange. „Wir sind zufrieden, dass wir den Waldumbau bisher in einer guten Weise vorangebracht haben“, sagt Renner. Über 265,9 Hektar an Waldflächen verfügt die Stadt Ansbach, die auf 15 Distrikte aufgeteilt sind.

In diesen Abteilungen finden sich zu 64 Prozent Laubbäume und nur noch 36 Prozent Nadelbäume wie zum Beispiel die Kiefer. Dominierende Baumart ist die Eiche mit 31 Prozent. Dieser Fakt ist aus Sicht der Stadt ein guter, immerhin gilt die Eiche bei Fachleuten als besonders widerstandsfähig.

Sturm Wiebke hat den Wandel beschleunigt

Dass man in Ansbach mit dem Umbau des Waldes schon so weit ist, hat mit einem Unglück im Jahr 1990 zu tun. Als der Orkan Wiebke Ende Februar über Deutschland wütete, war auch der Stadtwald betroffen. „Wir hatten eine Kahlfläche von 87 Hektar“, blickt Renner zurück. Was an einem Ort gepflanzt werden kann, ist vom Boden abhängig. Flachwurzler wie die Fichte sollten es nicht mehr sein. Am Ende habe man sich für die Eiche entschieden. „Das spielt uns jetzt in die Karten“, ergänzt Büschl, der ein altes Sprichwort bemüht. „In jedem Unglück steckt auch ein Kern Glück.“

Die Aufforstung eines Waldstückes geht freilich nicht von heute auf morgen. Zudem ist ein gewisser Schwund einkalkuliert. Renner erklärt das so: Auf einem Hektar Fläche werden rund 7000 Baumpflanzen eingesetzt. Im Lauf der Jahre gibt es einen gewissen Verlust, wenn Bäume zum Beispiel absterben oder bewusst entnommen werden, um anderen mehr Platz und Licht zu ermöglichen. Sind 120 Jahre vorbei, sind von den 7000 Pflanzen nur noch 200 Bäume übrig.

Wald in Ansbach

Der Stadtforst in Zahlen

  • Gesamtfläche: 265,9 Hektar
  • Baumbestand: 64 Prozent Laubbäume 36 Prozent Nadelbäume
  • Dominierende Baumart: Eiche mit 31 Prozent
  • Altersstruktur: 42 Prozent der Bäume sind zwischen 21 und 40 Jahre alt
  • Hauptnutzung: Rund 40 Prozent der Fläche sind als Erholungswald ausgewiesen

Apropos Alter: Im Stadtwald gibt es keine ausgeglichene Altersklassenbilanz. Soll bedeuten: Es gibt wenig altes, dafür aber relativ viel junges und mittelaltes Holz. Auf etwa 42 Prozent der Fläche stehen Bäume, die zwischen 21 und 40 Jahre alt sind. Bäume mit 100 Jahren oder mehr nehmen dagegen nur 14 Prozent der Fläche ein.

Und wie wird der Stadtforst genutzt? In erster Linie dient er als Erholungswald für die Bevölkerung. Etwa 40 Prozent sind laut Büschl als solcher ausgewiesen. Konflikte bleiben da nicht aus, wenn einerseits die Bürger hier spazieren, radeln oder reiten und andererseits Waldarbeiten erledigt werden müssen. Probleme werden mit Kommunikation gelöst, wie Renner darlegt. Der Großteil der Menschen sei aber sensibilisiert.

Profit ist nicht das oberste Ziel

Die zweite wichtige Funktion ist die des Klimaschutzwaldes. Der Stadtforst soll ein artenreicher und ökologischer Wald sein. Dafür wurden unter anderem Biotope angelegt, Totholz bietet Tieren ein Zuhause, und verschiedenste Baumarten wurden gepflanzt – darunter zum Beispiel Edellaubhölzer. Man müsse experimentieren, um die richtigen Baumarten herauszufinden. Besonders wohl fühlt sich Renner zufolge aktuell die Edelkastanie. Die Bestände an Fichten (14 Prozent) und Kiefern (21 Prozent) sind rückläufig.

Natürlich verkauft die Stadt auch Bäume aus ihrem Bestand – etwa an die Holzindustrie oder an Privatleute, die daraus Brennholz machen. Da es sich beim Stadtforst aber um einen Aufbaubetrieb handelt, werden weniger Bäume entnommen, als hinzukommen. „Es geht nicht darum, mit dem Stadtwald einen Profit zu machen“, betont Büschl. Die beiden anderen Funktionen seien deutlich wichtiger. Deshalb wundert es nicht, dass im vergangenen Jahr ein Defizit von knapp 165.000 Euro ausgeglichen werden musste.

Eine besondere Funktion hat der Wald am Zeilberg, Ansbachs größte zusammenhängende Forstfläche. Der Rest verteilt sich auf die Ortsteile. Der am Zeilberg produzierte Sauerstoff strömt direkt in den Talkessel. „Das ist Ansbachs grüne Lunge“, sind sich Renner und Büschl einig.

Im Ansbacher Westen um den Zeilberg befindet sich die größte zusammenhängende Fläche des Stadtwaldes. Für die Verantwortlichen in der Verwaltung ist dieser Bereich die grüne Lunge Ansbachs. (Foto: Stadt Ansbach/Jürgen Binder)
Im Ansbacher Westen um den Zeilberg befindet sich die größte zusammenhängende Fläche des Stadtwaldes. Für die Verantwortlichen in der Verwaltung ist dieser Bereich die grüne Lunge Ansbachs. (Foto: Stadt Ansbach/Jürgen Binder)
Im Ansbacher Westen um den Zeilberg befindet sich die größte zusammenhängende Fläche des Stadtwaldes. Für die Verantwortlichen in der Verwaltung ist dieser Bereich die grüne Lunge Ansbachs. (Foto: Stadt Ansbach/Jürgen Binder)

Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
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