Sie untersuchen Gepäckstücke, Autos und Gebäude und decken regelmäßig raffinierte Verstecke auf: Die Spürhunde des Zolls. In Neuendettelsau werden sie ausgebildet. Dort ist eine von deutschlandweit zwei Zollhundeschulen. Ein Besuch beim Training.
Das beige Gebäude mit der Aufschrift „Zollhundeschule“ liegt am Ortsrand von Neuendettelsau. Dahinter steht ein grüner Zaun. „Ausbildungsgelände für Diensthunde. Betreten verboten“ steht auf dem Schild am Zauntor. Jenseits des Tors führen kilometerlange Wege in den Wald, vorbei an Bunkern, Hallen, Wiesenflächen. 135 Hektar groß ist das Gelände.
An Halle 13 steigt Heiko Roddies aus dem Kleinbus mit dem Hundeanhänger. Er ist seit 25 Jahren Lehrer an der Zollhundeschule. An diesem Vormittag trainiert er mit den Teilnehmern des Wiederholungslehrgangs Rauschgiftspürhunde. Die vier Hunde sind bereits fertig ausgebildet und tagtäglich mit ihren Hundeführern im Einsatz. Trotzdem sind regelmäßige Wiederholungslehrgänge wichtig, betont Roddies. Um Motivation aufzubauen, das Können zu vertiefen und gegebenenfalls kleine Fehler auszumerzen.
In Halle 13 stehen fünf Autos. In zwei von ihnen ist Haschisch deponiert. Der Reihe nach werden die Hunde Dika, Siri und Riki in die Halle geführt. Ihre Aufgabe ist es nun, die Drogen aufzuspüren und ihren Hundeführern den genauen Fundort zu zeigen. Das tun sie, indem sie an Ort und Stelle bleiben, sekundenlang erstarren. „Verweisen“ heißt dieses erwünschte Verhalten. Ein Klickgeräusch holt die Hunde aus ihrer Starre, gefolgt von einem Leckerli oder einem kurzen Spiel mit dem Ball. Das Geräusch des Clickers – ein kleines Plastikgehäuse mit Knopf – signalisiert dem Hund: alles richtig gemacht.
Die Zollhundeschule Neuendettelsau in der Breslauer Straße wurde im Jahr 1958 gegründet. 21 Bedienstete sind derzeit dort beschäftigt.
Zu dem 135 Hektar großen Gelände, das auch von der Bundespolizei genutzt wird, gehören Wald und Wiesenflächen, Verwaltungsgebäude, Hallen, Gästezimmer und Zwingeranlagen.
In der Zollhundeschule Neuendettelsau werden Spürhunde und Schutzhunde ausgebildet. Leiterin ist Erika Hartmann.
In Deutschland gibt es nur eine weitere Zollhundeschule. Sie liegt in der niedersächsischen Kleinstadt Bleckede.
Das Training läuft gut; Heiko Roddies wirkt zufrieden. Entscheidend sei es, keine Langeweile aufkommen zu lassen: „Es gibt nichts Schlechteres, als dem Hund immer wieder das Gleiche anzubieten.“ Deshalb wird auch an unterschiedlichen Orten trainiert: in den Hallen, auf dem Außenareal der Zollhundeschule und manchmal außerhalb, auf Firmengeländen und in Büros.
Im Arbeitsalltag werden die Rauschgiftspürhunde des Zolls etwa an Flughäfen oder Autobahnen eingesetzt. Sie sind dazu ausgebildet, Cannabis (Haschisch, Marihuana), Kokain, Opiate (zum Beispiel Heroin) und Amphetamine (zum Beispiel Crystal Meth oder Ecstasy) aufzuspüren.
Die Ausbildung umfasst jeweils einen fünfwöchigen Grundlehrgang und einen Aufbaulehrgang. Die Wiederholungslehrgänge dauern zwei Wochen. Während der Lehrgänge sind Hunde und Hundeführer auf dem Areal der Zollhundeschule untergebracht.
Bei Ausbildungsbeginn sind die Hunde meistens ein Jahr alt: ein Alter, in dem der Gesundheitszustand von Tierärzten gut bewertet werden kann. Gesundheit ist eine der Hauptvoraussetzungen für die Eignung als Spürhund. Auch ein ausgeprägter Beutetrieb ist sehr wichtig. Und die Bereitschaft, „eine Arbeitsgemeinschaft“ mit dem Menschen einzugehen, erklärt Roddies. Die Hunde leben bei ihren Hundeführern zuhause. Dort brauchen sie unbedingt eine Rückzugsmöglichkeit, sagt Heiko Roddies. „Das sind keine Plüschhunde, sondern Arbeitsgeräte.“ Um gute Leistungen abzuliefern, ist die zeitweise Distanz zum Hundeführer förderlich.
An der Zollhundeschule Neuendettelsau werden neben Rauschgiftspürhunden auch Spürhunde für die Bereiche Tabak, Bargeld und Artenschutz sowie Schutzhunde ausgebildet. Schutzhunde sind für die Sicherheit der Zollbeamten zuständig. Sie können Überfälle abwehren und fliehende Personen durch Zubeißen aufhalten. Entsprechend braucht es einen gewissen Kampftrieb, wie ihn einige Rassen, darunter Schäferhunde, Boxer und Hovawart, mitbringen.
Insgesamt sind in Deutschland rund 340 Zollhundeteams im Einsatz. Die Zollhundeschule Neuendettelsau dürfte die Hälfte von ihnen schon kennengelernt haben. Denn in die 8000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Ansbach kommen Hundeführer und Hunde aus ganz Süddeutschland zur Ausbildung.