Wolfram von Eschenbach war ein berühmter Dichter des Mittelalters und der Stolz der Stadt. Aus diesem Grund widmete Wolframs-Eschenbach dem Parzival-Vater ein Museum. Jetzt feierte es bereits sein 30-jähriges Bestehen.
Die Geschichte des Museums in Wolframs-Eschenbach reicht noch viel weiter zurück als 30 Jahre, erzählte der Museumsleiter Oskar Geidner. Bereits 1892 entstanden die ersten Ideen für ein Wolfram-Archiv, welches schließlich 1924 eingerichtet wurde.
Einige Veränderungen und Erweiterungen später wurden die Ausstellungsräume Ende der 50er Jahre jedoch geschlossen und den Tauben überlassen. Anfang der 70er Jahre sprang auch Wolframs-Eschenbach auf den Zug der Heimatmuseen auf und der Heimatverein sammelte von der Mistgabel über alte Wannen alles, was sie bekommen konnten, um es 1982 auszustellen.
Auch die Literatur von Wolfram von Eschenbach fand ihren Platz, jedoch lediglich als aufgeschlagene Bücher in Vitrinen, so Geidner. Drei Jahre später mussten die Räume wegen Umbauarbeiten wieder geschlossen werden. In dieser Zeit entstand beim Museumsleiter und den anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern der Wunsch nach einem eigenen Wolfram von Eschenbach-Museum, jedoch ein ganz besonderes. Sechs ganze Jahre nahmen sie sich Zeit, um zu überlegen, wie man Literatur spannend und erfolgreich ausstellen kann.
Von vollgepackten Texttafeln haben sich die Verantwortlichen sofort distanziert und für Inszenierungen entschieden. Für damalige Verhältnisse ein völlig neuer Weg, der das Museum 20 Jahre als „Exoten“ laufen ließ, danach jedoch mit an die Spitze der Konzeptionen katapultierte, so der Museumsleiter.
Der Erfolg gab den Verantwortlichen recht, denn schon die Eröffnung im Januar 1995 brachte eine deutschlandweite Medienresonanz und auch heute erfreut sich das weiterhin ehrenamtlich vom Heimatverein mit Oskar Geidner an der Spitze geführte Museum großer Beliebtheit. Regelmäßige Sonderausstellungen und Museumsgespräche ergänzen die zehn Wolfram-Ausstellungsräume. Im Jahr 2023 kam dann noch die Ausstellung zur Stadtgeschichte dazu.
Gefeiert wurde das Jubiläum im Bürgersaal mit einer musikalischen Umrahmung durch die „Original Wolframs-Eschenbacher“ Blaskapelle, als Teil des ansässigen Musikvereins, vielen Ehrengästen aus Politik und Vereinsleben und vielen lobenden und dankenden Worten.
Bürgermeister Michael Dörr hob das herausragende ehrenamtliche Engagement von Oskar Geidner hervor, der führend an der Entstehung des Museums, wie es heute ist, beteiligt war und es bis heute mit dem Heimatverein weiter entwickelt. Auch der stellvertretende Landrat Stefan Horndasch lobte die Verantwortlichen für den Mut zur Idee sowie die Freude am Gestalten und sprach seinen Respekt für das Wagnis aus.
Die Festrednerin des Abends, die Historikerin Andrea May, gab einen Überblick über die Geschichte und einen Einblick in die heutigen Herausforderungen für Museen. Nachwuchsprobleme, aber auch Generationenkonflikte, beschäftigen besonders die kleinen ehrenamtlichen Museen intensiv und haben auch Schließungen zur Folge. Die Lösung liege in einer durchdachten Digitalisierung, der Erschließung neuer Themen und Besucherkreise sowie einer guten Inventarisierung.
Als Erfolgsbeispiel nannte auch May das Wolframs-Eschenbacher Museum, das sicher noch weitere 30 Jahre überlebe, so die Historikerin und Limesberaterin beim Bezirk. Das Wolfram von Eschenbach-Museum hat von April bis Oktober dienstags bis sonntags geöffnet; im Winter samstags, sonntags und nach Vereinbarung.