Kurhotel, Lazarett, Polizeischule: Das Wildbad hatte schon bewegte Zeiten hinter sich, als es 1977 evangelische Tagungsstätte wurde. 47 Jahre später wechselt das Haus aus der kirchlichen nun zurück in eine weltliche Trägerschaft, ohne dass sich allzu viel ändern soll. Eine Zäsur ist es dennoch, wie bei einer Feier deutlich wurde.
„Dankesfest“ hatten die Verantwortlichen der Landeskirche die Veranstaltung getauft und damit vor allem die Belegschaft würdigen wollen. Für das Team war es ein Schock gewesen, als es vor gut einem Jahr über die Absicht der Landeskirche informiert wurde, den Betrieb des Hauses einstellen und die Immobilie veräußern zu wollen.
Nach Monaten der Ungewissheit sorgte dann im Herbst die Entscheidung der Stadtwerke, das Anwesen zu kaufen und in ähnlicher Form wie bisher von der Schlosshotel Hellen-stein GmbH in Heidenheim weiterführen zu lassen, für große Erleichterung bei den Mitarbeitenden, die auch alle bleiben können.
Mit dem Jahreswechsel wird das evangelische Kapitel im Wildbad enden. Obwohl sie das selber durch ihre Weichenstellungen ausgelöst hatte, war es der kirchlichen Seite ein Anliegen, nun nicht durch die Hintertür zu verschwinden, sondern würdevoll Adieu zu sagen. Den Anfang des dafür organisierten Programms machte ein Gottesdienst im Rokokosaal.
Oberkirchenrat Stefan Blumtritt sprach von einem für den bisherigen Träger „sehr schmerzhaften Prozess“. Die Lösung, die nun habe gefunden werden können, sei aber „ein Glücksfall“. Das Wildbad hätten in den vergangenen Jahrzehnten Tausende von Menschen als wunderbaren Lebens- und Kunstort kennengelernt. Dass das Haus mit seiner Grundausrichtung einer offenen Begegnungsstätte erhalten bleibe, dafür sorge auch die Kontinuität in der Geschäftsführung, so Blumtritt.
In der Tat macht nicht nur der bisherige kaufmännische Leiter Stephan Michels in verantwortlicher Position weiter, sondern auch der Mann, der von der Landeskirche mit der Gesamtleitung des Wildbads betraut gewesen war. Die Rede ist von Pfarrer Dr. Wolfgang Schuhmacher.
Der 66-Jährige hat sich, obwohl bereits im Pensionsalter, entschieden, in einem „weltlichen“ Anstellungsverhältnis die Weiterentwicklung des Wildbads mitzugestalten. Im Gottesdienst wurde er von Stefan Blumtritt und Regionalbischöfin Gisela Bornowski offiziell aus dem Dienst in der Kirche verabschiedet.
Beim anschließenden Empfang im Theatersaal wurden in weiteren Reden der Geist und die Bedeutung des Hauses gewürdigt. Für Erheiterung sorgte Dr. Schuhmacher, indem er ein Bonmot ausplauderte, das seit einigen Wochen hausintern die Runde macht und den Wechsel von der geistlichen in die weltliche Sphäre aufspießt. „Wir gehen von der Landeskirche ins Heidenheim“, laute dieser Gag, verriet Schuhmacher. Der Anspruch der Belegschaft sei es, nun aktiv miteinander den Übergang zu gestalten, „als ganze Menschen mit Körper, Geist und Seele“.
Stellvertretender Landrat Stefan Horndasch bezeichnete die für das Wildbad gefundene Lösung als vielversprechend. Dieses sei „nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern ein lebendiges Schmuckstück“. Dekanin Jutta Holzheuer bezeichnete das Haus als „schönsten kirchlichen Ort weit und breit, der keine Kirche war“. In diesen Räumen habe „jenseits des kirchlichen Mainstreams“ eine ganz besondere offene Atmosphäre geherrscht. „Es hat uns stolz gemacht, dass so etwas uns als Kirche gehört“, betonte die Dekanin.
Für die neuen Eigentümer äußerte sich Stadtwerke-Geschäftsführungsmitglied Erich Weber. Am Konzept eines Ortes der Begegnung werde festgehalten. Das schließe nicht aus, hier und da auch etwas Neues zu wagen, meinte er. Regionalbischöfin Gisela Bornowski richtete abschließend ein dickes Dankeschön an das Team: „Sie haben hier Kirche ein freundliches Gesicht gegeben.“