500 Jahre Fischraub in Großhaslach: Als die Frauen den Klosterteich plünderten | FLZ.de | Stage

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500 Jahre Fischraub in Großhaslach: Als die Frauen den Klosterteich plünderten

Den Fischraub vor 500 Jahren spielte die Dorfgemeinschaft von Großhaslach gekonnt nach. Der blanke Hunger machte die Menschen damals zu Dieben. (Foto: Christina Özbek)
Den Fischraub vor 500 Jahren spielte die Dorfgemeinschaft von Großhaslach gekonnt nach. Der blanke Hunger machte die Menschen damals zu Dieben. (Foto: Christina Özbek)
Den Fischraub vor 500 Jahren spielte die Dorfgemeinschaft von Großhaslach gekonnt nach. Der blanke Hunger machte die Menschen damals zu Dieben. (Foto: Christina Özbek)

Karpfen ist heutzutage eine leckere Fischsorte, die im Herbst gerne genossen wird. Vor 500 Jahren bewahrten Karpfen Frauen und Kinder in Großhaslach vor dem Verhungern. Doch legal war das nicht. Am Wochenende feierte der Petersauracher Ortsteil den 500. Jahrestag des Fischraubes mit einem zweitägigen Fest.

Vor 500 Jahren herrschten Bauernkriege. Die Männer waren an der Front und die Frauen mussten zu Hause sich und ihre Kinder durchbringen. Alle Tiere wurden für die Soldaten geschlachtet und die Frauen und Kinder blieben hungrig, so hungrig, dass „der Magen krachte“, erzählte Elisabeth Doppelhammer in der Rolle einer dieser Frauen.

Um den Hunger ein bisschen zu stillen, machten sich die Frauen damals auf ins benachbarte Kloster Heilsbronn, um die Fischweiher zu plündern. Das blieb nicht ohne Konsequenz, denn auf Diebstahl standen damals harte Strafen.

Zweitägiges Fest zum Jubiläum des Fischraubs

Der Fischraub hat in Großhaslach eine lange Tradition. Sowohl der Dorfbrunnen, der eines der Fischweiber zeigt, als auch der Fisch im Wappen der Gemeinde erinnern an die Geschehnisse von damals. Um die Geschichte wieder aufleben zu lassen, organisierten die Ortsvereine zum 500. Jubiläum gemeinsam ein zweitägiges Fest mit großem Rahmenprogramm. Eröffnet wurde das Fest mit der Darstellung des Fischraubes am nahegelegenen Weiher.

Während Peter Bürkel als Vertreter der Neuzeit und Elisabeth Doppelhammer als Fischweib von damals die Geschehnisse kommentierten, fischten die Frauen und Kinder die Karpfen aus dem Weiher. Mit bloßen Händen holten sie die Tiere aus dem Wasser und sammelten sie in Flechtkörben. Am Abend präsentierte die Theatergruppe der Spielfreunde Großhaslach die Uraufführung des Stückes, welches die Geschichte bis zum Ende erzählt.

Mittelaltermarkt mit 17 Gruppen

Als Rahmenprogramm organisierten die Vereine, unter der Federführung von Jürgen Peipp, einen kleinen aber feinen Mittelaltermarkt mit rund 17 Gruppen. Diese boten Aktivitäten, wie Axtwerfen, Armbrustschießen, Märchenerzählen und Marktleben mit Schmuck, Körben, Delikatessen aus früheren Tagen und vielem mehr an. Auf der Fläche des Festplatzes kochten die Lagerleute über offenem Feuer, bespaßten die Besucherinnen und Besucher und nahmen diese mit auf eine Reise in vergangene Zeiten.

Im großen Festzelt gab es Gegrilltes, Getränke sowie Kaffee und Kuchen. Für die Bewirtung sorgten die Vereine. Unterstützt wurden sie dabei vom Fischhof Hausmann, der auch beim Fischraub tatkräftig mitgeholfen hatte. Mehrere mittelalterliche Live-Bands heizten an beiden Tagen auf der großen Bühne im Zelt ein und am Sonntag fand ein mittelalterlicher Gottesdienst mit einem eigens für den Anlass komponierten Lied, gespielt vom Posaunenchor, statt.

Peipp lobte das große Engagement der Vereinsmitglieder, die sich beim Aufbau und bei den Vorarbeiten, die eineinhalb Jahre in Anspruch nahmen, eingebracht haben. Ohne dieses Engagement wäre das Fest nicht möglich gewesen.


Von CHRISTINA ÖZBEK
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