Das Klinikunternehmen ANregiomed ist am Scheideweg. Die Diskussionen drehen sich immer stärker um den Vorstand Dr. Gerhard M. Sontheimer. Dazu meldet sich jetzt der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Klinikums Ansbach, Klaus Dieter Breitschwert, zu Wort. Er stellt sich vor den Chef des Krankenhausverbunds.
Herr Breitschwert, Sie haben sich in der Debatte um den Klinikverbund ANregiomed in jüngster Zeit eher bedeckt gehalten.
Breitschwert: Die öffentlichen Diskussionen darüber, die aus welchen Gründen auch immer entstehen, dienen der Sache nicht – sei es in Dinkelsbühl, Rothenburg oder Ansbach. Mandatsträger haben das Recht, sich zu äußern. Fördervereine aber sollten in ihren öffentlichen Äußerungen parteipolitisch so neutral wie möglich bleiben. Man möge dabei bedenken, wie so etwas auf das Gesamtklinikum und deren Beschäftigte wirkt. Das ist meine Wahrnehmung aus Gesprächen mit ärztlichen, pflegerischen und weiteren Mitarbeitern.
Viele fordern inzwischen einen Wechsel an der ANregiomed-Spitze: Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU), die Kreis-SPD, der Klinikförderverein Mediroth in Rothenburg und 58 niedergelassene Ärzte aus den Bereichen Dinkelsbühl/Feuchtwangen und Rothenburg.
Unabhängig davon, wie man den Vorstand beurteilen mag, ist Dr. Sontheimer in seiner zweiten Amtsperiode. Wie er sich äußert und vorgeht, ist nicht neu. Der Verwaltungsrat hat bei seiner zweiten Wahl nach meiner Kenntnis einstimmig für ihn votiert. Seine Aufgabenstellung ist relativ klar.
Sie reihen sich nicht in die Reihe derer ein, die ihn von seinen Aufgaben entbinden wollen?
Ich bin nicht davon überzeugt, dass ein personeller Wechsel jetzt, der natürlich mit nicht unerheblichen Kosten verbunden wäre, eine Lösung darstellt. Außerdem sehe ich im Augenblick keine Alternative und erkenne nicht, dass die Situation sich damit verbessern würde.
Ohne Ansbach geht auch in Dinkelsbühl und Rothenburg nichts mehr.
Wie kommen Sie darauf?
Ich kenne auch Klinikverbünde anderswo, die öffentlichen Äußerungen darüber und Persönlichkeiten, die dort Verantwortung übernehmen. Man kann sagen: Es gibt kein oder fast kein Klinikum, das kein Defizit erwirtschaftet.
Wie sehen Sie also die Kliniklandschaft der Zukunft in Ansbach und dem Kreis?
Bei künftigen Lösungen muss man die Krankenhausreform berücksichtigen – und damit die Frage, was man an welchem Standort noch machen kann. Das wird sich an dem orientieren müssen, was gesetzlich und abrechnungstechnisch und in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit möglich ist. Ich halte eine schwarze Null für die Kliniken in Stadt und Landkreis für nicht realistisch. Die Träger müssen sich darüber im Klaren werden, was sie aus ihren eigenen Möglichkeiten finanzieren können.
Sie als Vorsitzender des Ansbacher Klinikfördervereins stehen natürlich fürs eigene Haus...
... alles andere wäre in der Bevölkerung inakzeptabel. Ohne Ansbach geht auch in Dinkelsbühl und Rothenburg nichts mehr. Alle Standorte hängen zusammen.
Indirekt lässt sich aus Ihrer Aussage jedoch ableiten, dass Sie die weitere Existenz der Standorte Dinkelsbühl und Rothenburg für realistisch halten.
Wenn man sich an dem realistisch Möglichen orientiert, was finanziell und gesetzlich zulässig ist. Dann kann ich mir das vorstellen, in welcher Form auch immer. Für das Interesse eines Flächenlandkreises ist das wichtig. Die Anliegen der Krankenhäuser und der Bevölkerung in Dinkelsbühl und Rothenburg kann ich schon nachvollziehen.
Welche Sofortmaßnahmen fallen Ihnen für ANregiomed ein?
Wichtig ist eine gute Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten, damit sie ihre Patienten an den Klinikverbund weiterempfehlen. Da besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. Alle Beteiligten müssen sehen: Wenn die Kliniklandschaft in Zukunft nicht mehr besteht wie jetzt, dann ist das für den Gesundheitsstandort Westmittelfranken, auch für die ambulante Gesundheitsversorgung, ein riesiger Nachteil.
Klaus Dieter Breitschwert (81) war von 1992 bis 2013 CSU-Landtagsabgeordneter. Von 1972 bis 2013 gehörte er dem Stadtrat an. Von 1978 bis 1990 und von 1996 bis 2008 wirkte er als Bürgermeister. Heute ist der Autohaus-Unternehmer weiter ehrenamtlich aktiv: So steht der Ehrenbürger Ansbachs und der französischen Partnerstadt Anglet zum Beispiel dem Verein der Freunde und Förderer des Klinikums Ansbach vor.