Ansbach: Mit Moritz Winkelmann in Beethovens Sonaten-Kosmos | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 02.02.2026 19:56

Ansbach: Mit Moritz Winkelmann in Beethovens Sonaten-Kosmos

Moritz Winkelmann hat sich viel vorgenommen. Der Stuttgarter Klavierprofessor arbeitet an einem Großprojekt. Bis 2027 will er Beethovens Klaviersonaten eingespielt haben, alle 32. Am Samstag gab er einen Einblick in diesen Sonaten-Kosmos. Er tat dies hoch über Ansbachs Dächern: im Großen Musiksaal des Gymnasium Carolinum.

An Gesamteinspielungen der Beethoven-Sonaten besteht wahrlich kein Mangel. Wenn jemand dennoch wagt, eine eigene hinzuzufügen, hat dies allemal Neugier und Respekt verdient. Die Herausforderungen der 32 Sonaten sind ja immens, die Fallhöhe ist groß. Spannend also, dass es im Carolinum ein Beethoven-Privatissimum mit einem angesehenen Pianisten gab.

Frühe Sonate und ein legendäres Spätwerk

Moritz Winkelmann schlug in einer guten Stunde einen Bogen von Beethovens früher Schaffensphase zur späten. Die dritte und die neunte Sonate waren jeweils mit dem ersten Satz präsent, die achte, die „Pathétique”, mit dem langsamen. Die 32. Sonate, die an letzte Dinge rührt, die längst mystifizierte Sonate Opus 111, spielte Winkelmann ganz. Bei einem regulären Programm wären Verkürzungen natürlich verpönt, hier dienten sie einem pädagogischen Zweck.

Adam Szmidt, Musiklehrer am Carolinum, hatte das ungewöhnliche Konzert vermittelt. Er kennt Moritz Winkelmann seit Langem und gewann ihn für den Auftritt. Die Hilterhaus-Stiftung half, den Beethovenabend zu finanzieren. Gedacht war er für Schülerinnen, Schüler, Eltern und alle, die Interesse daran hatten.

Mit kurzen, adressatengerechten Erläuterungen zu den Werken ebnete der Pianist den Zugang zu seiner Sonaten-Auswahl. Seine Interpretationskunst führte einen dann unmittelbar hinein in Beethovens Ausdruckswelt. Der Klavierton, den Moritz Winkelmann dem Bechstein-Flügel des Gymnasiums entlockte, war ausnehmend schön und nuanciert, rund und glänzend.

Der erste Satz der C-Dur-Sonate op. 2/3 zum Beispiel hatte Esprit, da trafen sich mozartnaher Witz und Beethovens Freudenseruptionen und fanden in ihrer Gegensätzlichkeit doch zusammen. Überhaupt: Beethoven'schen Ingrimm hatte Winkelmann verbannt. Bei ihm lächelte Beethoven. Der erste Satz der E-Dur-Sonate op. 14/1 besaß zudem Grazie, verstrahlte Glück.

Kantable Schönheit

Die allzu feierlichen Weihe-Tempi sind Winkelsmanns Sache auch nicht. Das Adagio cantabile der c-Moll-Sonate durfte sich, wie es die Vortragsanweisung nahelegt, natürlich aussingen und war agogisch fein modelliert. Die kantable Schönheit, die Moritz Winkelmann wie selbstverständlich herstellen kann, ließ schließlich den Variationensatz von Opus 111 zum Ereignis werden.

Nach der Dramatik des ersten Satzes, die Winkelmann mit Klangkraft und kontrapunktischer Energie auflud, wurde die Arietta samt ihren Verwandlungen zu einer pianistischen Himmelfahrt. Selten hört man die langen Trillerstrecken so ätherisch schimmernd. Musik, die aus der Zeit tritt – und einen dabei mitnimmt.

Gab Einblicke in Beethovens Sonaten-Kosmos: der Pianist Moritz Winkelmann. (Foto: Thomas Wirth)
Gab Einblicke in Beethovens Sonaten-Kosmos: der Pianist Moritz Winkelmann. (Foto: Thomas Wirth)
Gab Einblicke in Beethovens Sonaten-Kosmos: der Pianist Moritz Winkelmann. (Foto: Thomas Wirth)

Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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