In der Woche ab Montag, 15. März 1926, feiert der ehemalige Ansbacher Oberbürgermeister Ernst Rohmeder seinen 60. Geburtstag. Der am 15. März 1866 in Weinberg, Gemeinde Hennenbach, geborene Jurist leitete die Geschicke der Stadt von 1905 bis 1919.
Der Ansbacher Stadtrat gratuliert dem früheren Stadtoberhaupt mit einem Glückwunschschreiben, dass sein Nachfolger Dr. Wilhelm Borkholder verfasst hat. Rohmeder hatte die Stadt durch die schweren Kriegsjahre geführt. Der bürgerlich-konservative Oberbürgermeister tritt im Herbst 1919 zurück, weil der Stadtrat den SPD-Mann Emil Pörschmann zum dritten Bürgermeister wählt. Mit einem Sozialdemokraten als Stellvertreter wollte Rohmeder nicht zusammenarbeiten.
Am 2. November 1919 wird sein bisheriger Stellvertreter Dr. Wilhelm Borkholder zum Oberbürgermeister gewählt. Ernst Rohmeder stirbt im Jahr 1950. In Ansbach ist der Rohmederweg nach ihm benannt. Die Straße befindet sich südlich der Berliner Straße und verbindet die Zocha- mit der Steingruberstraße.
Beim Umbau der Hofapotheke zum Stadthaus als Sitz von Oberbürgermeister und Stadtrat wird es ernst. Die Schreinerarbeiten in der zweiten Etage werden öffentlich ausgeschrieben. Die Pläne für den Umbau können sich die Bewerber im Stadtbauamt in der Pfarrstraße ansehen, dort müssen auch die Angebote bis zum 18. März um 18 Uhr abgegeben werden: „Ueber die Annehmbarkeit der eingelaufenen Angebote und über Erteilung des Zuschlages, ohne Rücksicht auf das Mindestangebot, wird ausdrücklich die freie Entscheidung des Stadtrats vorbehalten.”
Mit einem Gedicht wirbt die Molkerei Walther für ihre gesunde Joghurtmilch: „Jetzt, wo alle Knospen springen, Da mußt Du Dich auch verjüngen. Joghurt gibt Dir frische Kräfte, Deinem Körper neue Säfte. Drum holt alle Joghurt fleißig in der Neustadt Nr. 37.” Die Annonce schließt mit dem Hinweis, dass wegen des regelmäßigen Joghurt-Genusses in Rumänien 3500 Menschen leben, die über 100 Jahre alt sind.
In der Städtischen Handelsschule für Mädchen finden die Aufnahmeprüfungen statt. Viele Eltern zögerten, ihre Tochter auf die Handelsschule zu schicken, schreibt die Fränkische Zeitung. Wegen der Wirtschaftskrise hätten es die Mädchen schwer, nach dem Abschluss eine Stellung zu finden. „Aber nach jedem Abwärts gibt es auch wieder eine Besserung”, schreibt die Redaktion, „und auf die hoffen wir doch alle.” Außerdem seien die Erkenntnisse, die die Mädchen auf der Handelsschule erwürben, „eine erstrebenswerte Ergänzung zu der hauswirtschaftlichen Ausbildung der Tochter”.
In den Schloßlichtspielen läuft der Film „Die Biene Maja und ihre Abenteuer” an. Er basiert auf dem 1912 erschienenen gleichnamigen Roman des deutschen Schriftstellers Waldemar Bonsels. Anders als in der Ende der 1970er Jahre entstandenen deutsch-japanischen Trickfilm-Serie arbeitet der Stummfilm des Biologen Wolfram Junghans mit lebenden Insekten – was die lange Produktionszeit von zwei Jahren erklärt. Zur damaligen Zeit „ein Wunderwerk der künstlerischen Regie, der Filmtechnik und der naturwissenschaftlichen Forschung”, wie die Fränkische Zeitung schreibt. Am Mittwochnachmittag gibt es Sondervorstellungen für die Mädchenfortbildungsschule und die Mittelschule.
Die „Restauration Reichsapfel” in der Büttenstraße 2, jahrelang von der Familie Rauenbusch betrieben, hat einen neuen Besitzer: Fritz Ebert nebst Frau lässt „einer geehrten Einwohnerschaft von Ansbach und Umgebung die ergebenste Mitteilung” zukommen, dass er den „Reichsapfel” käuflich erworben hat. Am Samstag lädt der neue Wirt zur Gasthaus-Einweihung mit musikalischer Unterhaltung ein: „Für beste Speisen und feinsten Hürnerbräu-Stoff ist bestens gesorgt.”
Der Gewerbeverein der Gastwirte veröffentlicht ein „Ersuchen” in der Fränkischen Zeitung. Bisher sei es selbstverständlich gewesen, dass „für Benützung von Spielkarten, Schachspielen usw. eine kleine Gebühr erhoben wurde”, die den Wirt für die Abnutzung der Spiele, aber auch für die längere Beleuchtung und Beheizung entschädigte. „In jüngster Zeit scheint man von dieser alten wohlbegründeten Sitte Abstand nehmen zu wollen, indem die Herren Stammgäste ihre eigenen Karten und Spiele mitbringen. Wir bitten um Abstellung dieser Neuerung!”
Erstmals erscheint in der Fränkischen Zeitung eine wöchentliche Sportbeilage. Die Nachkriegsjahre hätten dem gesamten deutschen Sportleben einen „gewaltigen Aufschwung” gebracht, heißt es im Editorial des Verlages. Man habe befürchtet, dass durch den Wegfall der militärischen Ausbildung die „körperliche Ertüchtigung unserer Jugend, unseres Volkes aufs Äußerste gefährdet sei”, heißt es dort weiter. Deshalb setze man auf die systematische Körpererziehung in den Schulen, Verbänden und Vereinen.
Ganz besonders fiebert man den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam entgegen, an denen Deutschland erstmals seit dem Ersten Weltkrieg wieder teilnehmen darf. Tatsächlich belegt die deutsche Mannschaft mit 31 Podestplätzen den zweiten Platz im Medaillenspiegel hinter den USA.