In der Woche ab Montag, 30. November 1925, sind in der Fränkischen Zeitung etliche Aufrufe zur Weihnachsspende zu lesen. Ganz besonders sticht die „Weihnachtsbitte der Rettungsanstalt” hervor.
Der Vorstand der Rettungsdanstalt, Konsistorialdirektor Ludwig Castner, schreibt: „Wir möchten gerne unseren Pfleglingen, die wie alle Kinder sehnsüchtig dem Weihnachtsfeste entgegensehen, auch heuer eine Weihnachtsbescherung bereiten, sind aber hierzu aus eigenen Mitteln nicht in der Lage.” Im Vertrauen auf die oft bewiesene Gebefreudigkeit der Ansbacher „wagen wir auch heuer wieder die herzliche Bitte, uns mit Gaben an Geld, Kleidungsstücken, Büchern, Spielzeug usw. freundlichst unterstützen zu wollen”.
Die Rettungsanstalt, ein Erziehungsheim für Jugendliche, befand sich anfangs ab 1853 im Landgut Weinberg. Dort wirtschaftete man so erfolgreich, dass man 1912 in der Humboldtstraße ein neues Erziehungsheim beziehen konnte. Später wird aus der Einrichtung das Kinderheim. Heute hat dort die Kinder-Jugend-Familienhilfe „Kastanienhof” ihren Sitz.
In einer Amtlichen Bekanntmachung regelt der Stadtrat die Modalitäten der jüngst eingeführten „Abfuhr des Hausunrats”. Jeder Inhaber einer Wohnung ist ab sofort verpflichtet, seinen Müll in „festen, mit gut schließenden Deckeln versehenen Gefäßen am Anwesenseingang zur Abholung bereitzustellen”. Die Gebühren für einen Normalhaushalt betragen 60 Pfennige pro Monat und werden zu Monatsbeginn vom Abfuhrunternehmer kassiert. Geleert wird zweimal wöchentlich.
Kaum zu glauben, aber eine geregelte „Kehrichtabfuhr” war erst 1923 eingeführt worden. Zuvor hatte jeder Haushalt seinen Abfall nach Gutdünken entsorgt. Auch nach Einführung der Müllabfuhr war der Widerstand in der Bevölkerung groß, sodass sich der Stadtrat genötigt sah, die Ansbacher per Anordnung zum geordneten Entsorgen ihres Abfalls zu verpflichten.
Großes kündigt sich für Mitte Dezember an: Der Ansbacher Verlag C. Brügel & Sohn wird nach jahrelangen Bemühungen ein „Gedächtnisbuch” für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt herausbringen. Der etwa 160 Seiten umfassende Band wird die Biografien von rund 600 Gefallenen, rund 240 Bilder von Grabstätten sowie Tagebuchblätter und letzte Briefe enthalten. Die Ansbacher Bürger, die für das Buch Fotos ihrer gefallenen Angehörigen zur Verfügung gestellt haben, werden gebeten, die Bildnisse bei der Redaktion in der Pfarrstraße 29 abzuholen.
Die Spielwaren-Ausstellung der Geschwister Baumann in der Uzstraße 18 findet auch das Interesse der Lokalredaktion. Es sei festzustellen, „daß in den letzten Jahren die Sehnsucht von Knaben und Mädchen nach Spielwaren ganz andere Formen angenommen hat”. Die deutsche Spielwaren-Industrie habe sich deshalb vollständig umgestellt, so die Fränkische Zeitung. Vollständig verschwunden sei die Armee der Bleisoldaten, schreibt die Fränkische Zeitung, stark nachgefragt seien dagegen Radio-Apparate, Dampfmaschinen und allerlei Modelle der deutschen Autoindustrie „vom simplen Lastwagen bis zum großen Reise-Omnibus”.
Nicht ganz so krass habe sich der Wandel beim Spielzeug für die Mädchen vollzogen, heißt es. Hier stünden nach wie vor die Puppe „und das Baby” an erster Stelle. Stark begehrt würden aber moderne Ausgaben des Kaufladens, der Puppenstube und der Spielküche.
Auch bei der Freiwilligen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes Ansbach kehrt die Moderne ein. Seit dieser Woche verfügen die Sanitäter über ein eigenes „Rettungs-Automobil”. Das Fahrgestell stammt von den Frankfurter Adler-Werken, den Wagenaufbau hat die Ansbacher Karosseriefabrik Gebrüder Maurer erledigt.
Das Fahrzeug sei mit allen Errungenschaften der Technik ausgestattet, schreibt die Lokalredaktion und erwähnt eine verstellbare Windschutzscheibe, eine „Signalvorrichtung für Hand- und elektrischen Betrieb”, Kilometerzähler und Geschwindigkeitsmesser. Die Außen- und Innenbeleuchtung ist elektrisch „und wird von der eigenen Lichtanlage gespeist”. Im Inneren haben zwei Krankentragen Platz, „und die Heizvorrichtung kann vom Führersitz eingeschaltet werden, sodaß auch für die kalte Jahreszeit für eine angenehme Temperatur im Wageninnern bestens gesorgt ist”.
Schwerer Unfall am Bahnübergang zwischen den Stationen Rosenbach und Oberdachstetten: Das mit zwei Pferden bespannte Bier-Fuhrwerk der Oberdachstettener Brauerei Haag wird von drei Lokomotiven erfasst und vollständig zerstört. Beide Pferde werden getötet, der Fuhrknecht kommt mit dem Schrecken davon.
Zu den angenehmeren Dingen des Lebens, so man sich die auch leisten kann: Während der Norddeutsche Lloyd Bremen noch immer für seine Auswanderer-Fahrten über den Großen Teich nach Amerika wirbt, preist er auch luxuriöse Kreuzfahrten an. Auskünfte erteilt der Ansbacher Lloyd-Vertreter Gustav Oppel, der sein Büro am Unteren Markt 5 hat, dem heutigen Johann-Sebastian-Bach-Platz.
Aktuell ist zum Beispiel eine Kreuzfahrt mit dem Doppelschrauben-Salondampfer „Stuttgart” nach Teneriffa und Madeira im Angebot. Auch Cadiz und Malaga sowie die portugiesische Hauptstadt Lissabon werden besucht. Kostenpunkt für die Schifffahrt, die vom 2. bis 30. März 1926 stattfinden soll: 1200 Mark und höher. Vor 100 Jahren ein Vermögen für den Normalverdiener.