Welche Themen beschäftigen Arbeitnehmer vor der Landtagswahl im Herbst? Dieser Frage wollten Gewerkschaftsbund (DGB), Katholische Betriebsseelsorge und Evangelischer Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt nachgehen. Ergebnis: Es sind viele sehr unterschiedliche Felder, doch es gibt auch ein allgegenwärtiges Problem.
Oliver Kremer (FDP), Kathrin Pollack (SPD), Andreas Schalk (CSU) und Martin Stümpfig (Grüne) bekamen in Herrieden-Schernberg eineinhalb Stunden geballten Input von den gut zwei Dutzend Vertretern der Arbeitnehmerschaft serviert. Alle vier bewerben sich am 8. Oktober um das Landtags-Direktmandat im Stimmkreis Ansbach-Nord. Angefragt waren auch Johannes Besenecker (Die Linke) und Bernhard Meyer (Freie Wähler), wie DGB-Vertreter Norbert Feulner berichtete. Von den Linken habe er keine Antwort bekommen, Meyer habe am Tag der Veranstaltung aus beruflichen Gründen absagen müssen, so Feulner.
Kommen solche politischen Diskussionen sonst oft schwer in Gang, war das hier anders. Kaum hatten Betriebsseelsorgerin Barbara März, Arbeitsseelsorger René Steigner und DGB-Regionssekretär Norbert Feulner die Runde eröffnet, prasselten die Themen auf die vier Kandidaten ein. Betriebs- und Personalräte nutzten die Gelegenheit, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Die vier Kandidaten saßen auch nicht fernab auf einem Podium, sondern waren quer durch die Teilnehmerreihen verteilt.
Der Nachteil des Formats: Die Kandidaten hatten wenig Möglichkeit, auf die Themen einzugehen und ihre Sicht dazu darzustellen. Denn ihre Redezeit war in den beiden Runden auf jeweils zwei Minuten beschränkt – auch wenn das nicht von allen ganz eingehalten wurde. Da blieb nur die Möglichkeit, sich auf einen Aspekt zu fokussieren oder sich schlaglichtartig durchzuhangeln.
Angeschnitten wurden unter anderem die Krankenhausfinanzierung, die Barrierefreiheit, verschiedene Arbeitszeitmodelle, eine leistungsgerechte Entlohnung, der öffentliche Dienst und seine fehlende Attraktivität, die Zunahme psychischer Erkrankungen durch die wachsende Arbeitsverdichtung, Fortbildungsmöglichkeiten im Beruf, die fehlende Tariftreuebindung bei öffentlichen Vergaben in Bayern und die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt.
Doch das zentrale Thema, das immer wieder auftauchte, war der Fachkräftemangel. Weil Stellen nicht mehr besetzt werden können, wächst der Druck auf jene, die noch da sind.
Für FDP-Mann Oliver Kremer spielen die Themen direkt ineinander. Wenn ein Roboter im Restaurant das Kochen übernimmt, ist der Unternehmer erleichtert, weil er keine neue Arbeitskraft suchen muss. Doch das bisherige System der Besteuerung von Arbeit gerät dadurch ins Wanken und schon in wenigen Jahren wird sich ein neues Phänomen der Arbeitslosigkeit entwickeln, weil die meisten Jobs von Maschinen gemacht werden.
SPD-Kandidatin Kathrin Pollack griff sich das Beispiel Kinderbetreuung heraus. Wenn diese deutlich teurer werde, so wie es in Ansbach derzeit im Raum steht, würde manche Familie die Buchungszeit in der Kita reduzieren, um zu sparen.
Das bedeute in der Regel für die Frau, dass sie die eigene Arbeitszeit zurückfahren müsse. Das gehe dem Arbeitsmarkt insgesamt verloren und setze eine Abwärtsspirale in Gang. Hier könne der Freistaat leicht gegensteuern, wenn er die Kosten für die Kinderbetreuung komplett übernehmen würde, so Pollack.
Das wollte Landtagsabgeordneter Andreas Schalk natürlich so nicht stehen lassen. Bayern zahle bereits 100 Euro je Kind im Monat und helfe damit „den Familien sehr“, verteidigte er die Linie der Staatsregierung.
Wegen dieser immensen Ausgaben könnten andere ebenfalls sinnvolle Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Bei einem Treffen von Arbeitnehmervertretern kam dem CSU-Politiker fast automatisch die Rolle zu, die Linie der Landesregierung zu erklären.
Den Fachkräftemangel könne man auch durch Zuwanderung nicht lösen, gab Schalk zu bedenken und reagierte damit auf den Beitrag von Martin Stümpfig. Der Grünen-Abgeordnete hatte das neue Chancen-Aufenthaltsrecht der Bundesregierung „als einen Baustein“ für eine gewisse Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt bezeichnet. Dadurch sei es nun leichter möglich, ausländische Arbeitskräfte hier halten zu können.
Eine Problemlösung für den überall herrschenden Fachkräftemangel konnte an dem Abend niemand erwarten.
Doch immerhin haben die Arbeitnehmervertreter gegenüber den vier Kandidaten deutlich gemacht, dass auch ihnen die derzeitige Situation unter den Nägeln brennt. Die vier Landtagsbewerber dürften jetzt auf jeden Fall etwas klarer sehen, welche Themen sie im Wahlkampf in den nächsten Monaten beackern müssen, um bei Arbeitnehmern zu punkten.