Die Sanierung des Klosterchores und der historischen Stadtbibliothek in Bad Windsheim hat die nächste Hürde genommen. Am Mittwoch wurden die Pläne vorgestellt, ehe Bürgermeister Jürgen Heckel zum Stift griff und auf zahlreiche Dokumente des Bauantrages seine Unterschrift setzte.
Sehr viele gute und engagierte Leute zur richtigen Zeit trieben das Projekt weiter voran, sagte Jürgen Heckel. Zu ihnen zählt er Stadtarchivarin Stella Bartels-Wu, Jennifer Münch vom städtischen Bauamt, Architekt Hermann Keim aber auch Sabine Detsch, Vorsitzende des „Fördervereins Klosterchor und historische Stadtbibliothek“. Eigentümerin des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes ist die Hospitalstiftung.
Keim erläuterte die Probleme, anhand derer klar geworden war, „dass man etwas tun muss“. Der Keuper-Sandstein am Außenbau des Klosters war am Bröseln, Ziegel waren heruntergefallen. Zwei Gewölbe drückten das Gebäude zudem oben auseinander, so dass es sich zum Teil gesetzt habe.
An der Fassade muss also Hand angelegt werden. Die Dachsanierung sollte ursprünglich längst angegangen werden. Sie ließ sich nach Prüfung von Hermann Keim aber noch einmal abwenden, erklärte Heckel. Bei Gefahr in Vollzug hätte man aber freilich sofort gehandelt. „Man muss dem Gebäude neue Füße geben“, erläuterte Keim weiter. Um die Strebepfeiler herum sollen Sockel betoniert werden, in die Bohrpfähle gesteckt werden, die in den Untergrund hinabreichen. Schwierig sei das, da besagter Untergrund aus Gips besteht. Verwendet man bei den Pfählen das falsche Material, könne er also anfangen zu treiben. Versuche sind deshalb vorher nötig. Außerdem liegen in dem Bereich unterirdische Gänge, durch die früher Wasser geflossen ist. Diese gilt es, bei den Arbeiten ebenfalls zu berücksichtigen.
Und dann ist da noch das Gebäude der Husarengasse 1, das Haus der Begegnung (H1), das direkt an das Kloster angebaut ist und bis vor einigen Jahren in Privatbesitz war. 2022 erwarb es die Stadt, weshalb es nun auch in die Planung mit einbezogen werden konnte. „Das hat ganz neue Möglichkeiten eröffnet“, betonte Keim. Wichtig sei das, da bei der Sanierung ein Teil des H1 abgerissen werden muss und später wieder aufgebaut wird. Derzeit stehen die Räumlichkeiten Vereinen zur Verfügung. Wie die künftige Nutzung aussehen wird, muss der Stadtrat entscheiden, sagte Heckel.
Schon seit 2012 nutzt der Förderverein den Klosterchor, aber auch den -garten und -platz für Veranstaltungen, so Sabine Detsch. Ein Nutzungskonzept sieht vor, ihn auch künftig für Events verschiedener Art oder auch Trauungen zur Verfügung zu stellen. Geplant sei nun, in dem Veranstaltungsraum einen Ausgang in den Klostergarten zu öffnen, erklärte Hermann Keim. Ein zweiter Ausgang soll in das H1 führen.
Eine kleine Bühne wünscht sich Jürgen Heckel nach wie vor im Klostergarten. Dieser Bereich müsste dann abgesperrt werden, um vorzubeugen, dass dort ein abendlicher Treffpunkt entsteht. Das liege auch den Anwohnern am Herzen.
Und die Bibliothek, die ein Denkmal von nationaler Bedeutung ist? Aktuell sind die rund 5400 Bücher ausgelagert bei einem Restaurator. 2022 hatte Stella Bartels-Wu in einer Stadtratssitzung bereits ein Nutzungskonzept vorgestellt. Das wird auch weiterhin verfolgt, sagt sie. Ziel sei es, die Bibliothek zugänglicher und den Zugriff auf digitalisierte Bücher über Tablets oder Stelen möglich zu machen. Führungen in Kleingruppen sind angedacht. Wichtig zu betonen sei es, so Stella Bartels-Wu, „dass wir hier kein Museum haben, sondern eine Bibliothek“, die auch Forschungsstätte ist.
Große Sorgen hatte den Verantwortlichen zuletzt die Feuchtigkeit in den Bibliotheksräumen bereitet. Sabine Detschs und Christa Schlossers unermüdlicher Einsatz für die Bestände, aber auch die Erhaltungsmaßnahmen des ehemaligen, bereits verstorbenen Stadtarchivars Michael Schlosser sei es zu verdanken, dass die Bücher ohne größeren Schaden davongekommen sind. Das Klima ändere sich – über Jahrhunderte war das nicht problematisch, weil die Schwankungen nicht so groß waren, meinte Jürgen Heckel. Heute aber sei das extremer, weshalb zu prüfen sei, wie man die Bibliothek zukunftsfähig aufstellt.
Rund 5,2 Millionen Euro sind für das Gesamtprojekt angesetzt. Um die zu stemmen, sind Fördermittel unabdingbar. Bisher sei man auf große Zuschusswilligkeit gestoßen. Aber: „Wir dürfen keine Überschneidungen bei den Teilbereichen von Fördergeldgebern haben“, erklärt Jennifer Münch. Für das Kloster kommen rund 1,25 Millionen Euro seitens des Bundes. Etwa die gleiche Summe könnte vom Landesamt für Denkmalpflege aus dem Entschädigungsfonds Denkmalpflege kommen. Städtebauförderungs-Mittel seien für den Klostergarten und das H1 bewilligt, so Jennifer Münch. Weitere Fördergeldgeber und Stiften sollen noch angezapft werden.
Und die nächsten Schritte? Sobald es das Wetter zulässt sollen Archäologen den Bereich prüfen, dann starten die Testarbeiten für die Bohrpfähle, schätzt Hermann Keim.
Bis zur Landesgartenschau im Jahr 2027 sollen die Buchbestände zurückkehren. Dann soll auch die gesamte Restaurierung des Komplexes abgeschlossen sein. „Das ist das große Ziel. Das ist sportlich, wie alles in Bad Windsheim“, betonte Jürgen Heckel. „Das müssen wir schaffen.“ Unvorhergesehenes könne natürlich immer dazwischen kommen.