Levent Özdil, Nicole Paskow und Christian Glowatzki vom „Theater in der Stadt“ ist es gelungen, ein Gesamtkunstwerk aus Rainer Maria Rilkes Werken, anlässlich des 150. Geburtstags des Dichters, und dazu passenden Klavierstücken auf die Bühne im Ochsenhof zu bringen. Das Publikum dankte mit Bravo-Rufen und lang anhaltendem Applaus.
Die erste Zeile seines Gedichts „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“, zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Özdil, Paskow und Glowatzki lösten sich ab, um aus dem Leben des am 4. Dezember 1875 in Prag geborenen und am 29. Dezember 1926 bei Montreux an Leukämie verstorbenen Lyrikers zu erzählen, sowie Passagen aus seinen Werken zu rezitieren.
Sie hatten 13 Klavierstücke aus Kompositionen herausgesucht, die zu Rilkes Texten passten, und Christian Glowatzki setzte diese kongenial um – darunter Johann Sebastian Bachs Präludium C-Dur aus „Wohltemperiertes Klavier 1“, Alexander Skrijabins Präludium e-Moll, Claude Debussys „Premiere Arabesque” und Ludwig van Beethovens zweiter Satz aus der „Pathetique“.
Ein wenig geheimnisumwoben war dieser Abend, weil es kein Programm gab. Die Musikstücke hatte das Trio so gewählt, dass sie zur Stimmung der jeweils vorausgegangenen Gedichte passten, bis auf eine Ausnahme: die „Bagatelle VIII“ von Béla Bartok. „Das war ja ganz schön schräg. Aber hier wollten wir genau diesen Bruch in der Stimmung. Dieses spröde Stück Musik sollte ein wenig dokumentieren, wie Rilke möglicherweise selbst die Musik seiner Zeit zum Teil erfahren hatte“, erklärte Glowatzki im Gespräch mit unserer Redaktion. Vorausgegangen war das Gedicht „Die Stille“, einem Gedicht an die Geliebte.
Komplettiert wurde der Abend durch Zitate aus den bekanntesten Gedichten des Dichters, wie „Der Panther“, „Herbsttag“, „Das Karussell“ oder „Das Liebeslied“, sowie dem Hinweis auf eine neue Biographie von Sandra Richter, die zu dem Ergebnis kommt, dass Rilke nicht nur ein weltabgewandter Dichter gewesen st, sondern ein heiterer und selbstironischer Mensch, der lange um seine Kunst ringen musste.
Das Publikum war restlos begeistert. „Ich habe mich so gefreut, dass der Abend in dieser Konzentration in Bad Windsheim stattgefunden hat, so ein Gesamtkunstwerk ist hier eine Rarität“, lobte ein Zuhörer den Vortrag.