Der Gottesdienst am Sonntag in Burgbernheim wird ein bisschen anders klingen als sonst. „Im Nooma vo Godd unserm Vadder, im Nooma vo seim Sohn Jesus Grisdus und im Nooma vom Heilichn Geisd”, wird Pfarrer Claus Ebeling sagen. Auf dem Kapellenberg wird ein großer Mundartgottesdienst gefeiert.
Lieder, Musik, Chor, Evangelium, alles ist dabei. Natürlich auch ein Glaubensbekenntnis und das Vaterunser in einer brandneuen Übersetzung ins Fränkische. „Die Mundart spielt in dem Gottesdienst eine eigene Rolle”, sagt Claus Ebeling. Der Pfarrer aus Lichtenau ist Vorsitzender des Vereins MundArt in der Kirche und wird den Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr mit seinem Burgbernheimer Kollegen Rainer Schmidt gestalten. „Wir bieten immer unsere Kooperation an, wenn ein Gottesdienst auf Fränkisch gehalten werden soll”, sagt Ebeling.
Er gehört zu den Theologen, Autoren und Übersetzern, die sich seit Jahrzehnten bemühen, in guter Lutherischer Tradition ihre Religion leicht zugänglich zu machen. Luther übersetzte vor gut 500 Jahren vom Lateinischen ins Deutsche, die Aktiven des Vereins übertragen vom Deutschen ins Fränkische. Zwei Psalter mit Liedern und Psalmen sind schon erschienen. Jüngstes Werk ist ein Buch mit fränkischen Geschichten, Gedichten und Liedern mit dem Titel „Des häddi fei ned denkd”. Eine Übertragung der Bibel ist fast fertig und wird im Oktober präsentiert.
Der Gottesdienst am Sonntag findet in dem Zelt statt, das für das Mundartfestival Edzerdla auf dem Kapellenberg hinter Kirche und Friedhof steht. Für ihn braucht man keinen Eintritt zu bezahlen, erst anschließend braucht man ein Ticket. Claus Ebeling hofft auf viele Besucher. „Ein Mundartgottesdienst lockt immer überregional Leute an”, sagt er. Vor allem, wenn er nicht in einer Kirche, sondern im Freien oder wie am Sonntag bei einer besonderen Veranstaltung in einem ungewöhnlichen Rahmen stattfindet. Besucher schätzen die Möglichkeit, in ihrer ureigensten Sprache zu beten, zu singen, Gebete und Lieder zu hören, so der Theologe.
Die Liturgie folgt dem üblichen Ablauf. Die Predigt wird sich - wie an diesem Sonntag überall in deutschen Kirchen - um eine Passage aus dem Epheserbrief und die Friedensbotschaft von Christus drehen. Im Zelt fehlen die üblichen Liederanschlagstafeln, dafür gibt es ein Programmblatt mit dem Ablauf. Die Fränkischen Psalter liegen zum kräftigen Mitsingen aus. Wer will, kann sie am Ende zum Sonderpreis mit nach Hause nehmen.
Der Verein „MundArt in der Kirche” hat auf dem Festivalgelände zudem einen eigenen Stand. Dort gibt es nicht nur Informationen, Gespräche und Bücher. Jeder Besucher, verspricht Claus Ebeling, bekommt ein Poster mit 23 verschiedenen Dialekten. Einen besseren Rahmen als Edzerdla könne es für den Verein nicht geben, um die Bedeutung des Dialekts in der Religion deutlich zu machen, sagt der Pfarrer. „Wir freuen uns, dass wir willkommen sind.”