Mit 23 Millionen Euro Umsatz hat der Blechverarbeiter Burkholz in Burgbernheim 2023 einen neuen Rekord erzielt. Im Jahr zuvor hatte dieser Corona-bedingt noch geringer gelegen. Mit innovativen Ideen, wie dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), soll die Größenordnung nun bleiben.
„Erfreulicherweise sind wir mit einem guten Auftragspolster schon ins neue Jahr gestartet“, erklärt Geschäftsführer Thomas Reisgies. Dazu zählt etwa der Auftrag eines deutschen Premiumherstellers im Wert von zwei Millionen Euro, für den die Franken Ladungsträger herstellen – also Gestelle, in denen Karosserieteile transportiert werden. Oder die Bestellungen eines Neukunden vom Bodensee, der Großkühlanlagen herstellt, die zum Beispiel in Rechenzentren eingesetzt werden. Für diesen produziert die 1946 gegründete Burkholz-GmbH unter anderem die Maschinenfüße, auf denen die tonnenschweren Anlagen stehen.
Der Zuschlag dieses Kunden vorigen Sommer gab wiederum bei dem Blechverarbeiter den Ausschlag, für mehrere hunderttausend Euro in Fertigungstechnik zu investieren, die aktuell in der 2016 neu erbauten Halle eingerichtet wird. Betriebsleiter Stefan Heß erklärt, „dass viele Hersteller oft einen zweiten oder dritten Lieferanten mit einem strategischen Ansatz suchen, um in keine Abhängigkeit zu kommen und um ihre Innovation zu fördern“. In dieses Segment möchte das Unternehmen einschlagen.
Um dies zu schaffen, wird auf Digitalität gesetzt. „Um mit der Automobilindustrie im Geschäft zu bleiben, mussten wir bereits 2008 an Online-Ausschreibungen teilnehmen können“, so Heß. Schon in den frühen 1990er Jahren machte Burkholz die Buchhaltung an PCs, die Arbeitsplätze in der Produktion wurden 2010 mit Laptops ausgestattet, die im Moment durch Tablets ersetzt werden. Aktuell experimentiert Heß mit Künstlicher Intelligenz, die Aufträge eigenständig in eine möglichst effiziente Reihenfolge bringen soll und dabei die Maschinenrüstzeiten, Lieferfristen, Materialbestände und Lagerkapazitäten mit berücksichtigt.
1994 hatte der Geschäftsführer in den Betrieb eingeheiratet und lange mit Heß ein Innovations-Duo gebildet, das mittlerweile von den 26- und 30-jährigen Inhaber-Söhnen – die beide als Maschinenbau-Techniker mitarbeiten – ergänzt wird. Dabei liegt die Historie des Betriebs, der einst mitten im Dorf Halterungen für Christbaumkerzen herstellte, im kleinteiligen Endkundengeschäft.
Drei Viertel des Umsatzes entfallen auf die Automobilindustrie, davon vor allem Sonderladungsträger und Spezialtransportsysteme, die in Burgbernheim entwickelt und konstruiert werden und die Phasen Konzept, Muster und Freigabe durchlaufen. Vorserien und Entwicklungsprozesse, die der Kunde noch erprobt, werden dort ebenfalls produziert. Großserien von mehreren hundert Teilen verantworten Partnerbetriebe, die zu 80 Prozent in Osteuropa oder neuerdings der Türkei sitzen. So hängen an Burkholz indirekt nochmals 500 Arbeitsplätze.
Ein Viertel macht die Blechbearbeitung aus, die nur noch zu einem geringen Teil aus manuellem Einlegen von Teilen besteht, die gestanzt, gepresst, tiefgezogen oder geprägt werden. Das Gros erfolgt auf derzeit sechs Hightech-Maschinen, die vollautomatisch im Zwei-Schicht-Betrieb laufen. Typische Produkte sind etwa Blechverkleidungen für Schweißmaschinen oder Röntgengeräte, Eurolochwände für Werkbänke, Blenden für Beleuchtungen und brandsichere Kabelschächte sowie Stahlschränke oder Industrie-Regale.
Aktuell beschäftigt das Unternehmen, das auch ausbildet, 15 Mitarbeiter in Vertrieb, Einkauf und Verwaltung, zudem vier Konstrukteure, drei Meister, zehn Gesellen und knapp 30 Produktionshelfer, deren Einarbeitung zwischen Wochen und Monaten schwankt. Das ist auch abhängig von deren erlernten Berufen. Demnach brauchen Köche oder Fliesenleger meist länger als etwa Kfz-Mechaniker. Auch mit der Vier-Tage-Woche experimentiert Reisgies seit Kurzem.
Eines wollen Reisgies und Heß auch verändern: Um die Identifikation mit ihren Jobs und dem Betrieb zu verbessern oder zu erhalten, wollen sie die Beschäftigten besser über die Produkte und deren Verwendung beim Kunden informieren sowie über betriebliche und kaufmännische Zusammenhänge.