Christoph Maul in Mosbach: Auch Markus Söder bekam sein Fett weg | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.07.2025 16:23

Christoph Maul in Mosbach: Auch Markus Söder bekam sein Fett weg

Bei seinem Auftritt auf dem Sportgelände des SV Mosbach: der Kabarettist Christoph Maul. (Foto: Wolfgang Hauf)
Bei seinem Auftritt auf dem Sportgelände des SV Mosbach: der Kabarettist Christoph Maul. (Foto: Wolfgang Hauf)
Bei seinem Auftritt auf dem Sportgelände des SV Mosbach: der Kabarettist Christoph Maul. (Foto: Wolfgang Hauf)

Die richtige Wahl hat der SV Mosbach bei seinem Sommerfest getroffen: Der Sitzungspräsident der Fastnacht in Franken, Christoph Maul, gastierte vor 200 Gästen auf dem Sportgelände. Martin Rohn aus Gailnau, der auf der Steirischen sowie mit Gitarre und Mundharmonika fränkische Mundartlieder zum Schmunzeln und Mitsingen einstreute, begleitete den Kabarettisten.

Passend zum Wetter eröffnete Rohn den Abend unter dem Motto „Live und ungeProbt“ mit einem aktuellen Liedchen zu Hitze und Schwitzen. „Lachen ist gesund, deswegen sollte es Kabarett auf Rezept geben“, stimmte Christoph Maul anschließend die erwartungsfrohen Zuschauer ein. Und heimatnahes Auftreten sei sowieso super, da gebe es keine Verständnisschwierigkeiten. In Hohenhameln bei Hannover habe das Publikum schon Probleme mit seinem Dialekt gehabt.

Kindergartenkinder werden „zamgfahrn“

Als er dort erklären wollte, dass hier die Mädchen und Jungen für den Kindergarten Leuzendorf aus allen Höfen und Weilern „zamgfahrn“ werden, sei aus dem Publikum die Anmerkung gekommen, dass dann am nächsten Tag wohl keine Kinder mehr übrig wären. Auch stoße in Norddeutschland die Zeitangabe Dreiviertelsieben auf absolutes Kopfschütteln.

Auch Landesvater Markus Söder bekam sein Fett weg: „Beim Fasching in Veitshöchheim sitzt beziehungsweise liegt er ja immer am selben Platz – ohne Haltung und Rückgrat, aber das ist ja bekannt. Und was der immer für ein Gschiss wegen seinem Kostüm macht.“ Alleine der Bart – mit so einem dreckigen Rasierer würde Maul ja nicht einmal seinen rumänischen Straßenhund bearbeiten: Denn der würde sonst freiwillig bis Bukarest zurücklaufen.

Frauensuche per T-Shirt: „250 Ha + Mähdrescher“

Im Übrigen sei er als Paartherapeut 2.0 erfolgreich, erzählte Maul, weil er immer für eine gute Trennung sorge. Ebenso nahm der Kabarettist die Partnerfindung im westlichen Mittelfranken aufs Korn. Erfolgreich sei dabei ein T-Shirt mit der Aufschrift „250 Ha + Mähdrescher“ in Dautenwinden gewesen. Und dass das Leben auf dem Land doch richtig schön sei, bekräftigte Martin Rohn mit einem Lied. Auf dem Land seien alle Kleinigkeiten interessant.

Kabarettisten können sich ja über Blödes und Politik gleichermaßen auslassen. Wo liegt dabei der Unterschied? Manchmal gibt’s keinen: Olaf Scholz habe nicht gemerkt, dass er kein Kanzler mehr ist. Drei Jahre habe er nicht bemerkt, dass er’s ist. Zudem zog Maul die Kompetenz mehrerer Minister in Zweifel. So darf jetzt der Maut-Desaster-Verursacher Alexander Dobrindt das Innenministerium leiten, Jens Spahn über Atombomben schwadronieren und Dorothee Bär könne sich demnächst ins All schießen lassen.

Autobahnbaustellen, Schilderwald, Regulierungswahn, die Kondensmilchdose, Digitalisierung, Urlaub mit Kindern, die Schwierigkeiten des Mannes beim Einkaufen, Schwangerschaftskurse – nichts war vor humoristischen Übertreibungen sicher. Influencer, zu denen sich ja auch der Ministerpräsident zähle, bedachte Maul mit folgendem Spruch: „Denkst du, es geht nicht blöder, kommt der Chef vom Aiwanger.“

Wirtschaftsflüchtlinge: Millionen in Steueroasen

Zum Schluss sinnierte er nachdenklich über die Welt, die Auswirkungen des Klimawandels und über Asyl. Die eigentlichen Wirtschaftsflüchtlinge kämen nicht in seeuntauglichen Booten und unter Lebensgefahr übers Mittelmeer – nein, die versteckten ihre Millionen in Steueroasen vor dem Staat. Und man dürfe sich Deutschland nicht kaputtreden lassen von jenen, die behaupten, „dass man ja nix mehr sagen darf“.

Ein kurzweiliger Abend, der die Lachmuskeln erheblich strapaziert hatte, ging nicht ohne Zugabe zu Ende. Bis zum Schluss hatten Maul und Rohn ihr Publikum gefesselt. Der „Live und ungeProbt“-Mix aus Humor, derben Krachern und nachdenklichen Sequenzen konnte sich sehen lassen.


Von Wolfgang Hauf
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