„Frauen sind keine Menschen“, sagt der Kindermund, in dem angeblich die Wahrheit kund getan wird. So es denn stimmen sollte, bliebe die Frage: Was aber sind Frauen dann? In ihrem gleichnamigen Kabarettprogramm versuchte Christl Sittenauer am Mittwoch in den Kammerspielen dieser Problematik auf den Grund zu gehen.
Immerhin ist diese Frau Wissenschaftlerin. Sie hat Mathematik studiert, dazu noch Architektur und ist heute Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität in München. Aber auch in künstlerischem Bereich ist sie tätig: als Schauspielerin in einem Impro-Theater, als Ensemblemitglied bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, als Sängerin und Kabarettistin.
Sittenauer ist wahrlich breit aufgestellt und wirkt wie eine Frau, die mitten im Leben steht. Oder vielleicht doch etwas daneben, denn sie hat einen kleinen Sohn. Und dieser bringt ihr Weltbild mitunter arg ins Wanken. Von ihm stammt denn auch die steile These, dass die Welt in Frauen und Menschen eingeteilt sei.
Wie dem Kerlchen klarmachen, dass sich da ein winziger Wahrnehmungsfehler eingeschlichen hat, der „lediglich“ 50 Prozent der Menschheit kleinredet. Also schreibt man sich den Kummer von der Seele, am besten in Form eines Kabarettprogrammes, das einem die Möglichkeit gibt, seine Sorgen mit anderen zu teilen. Und das tut Christl Sittenauer mit viel Wortwitz, mit griffigen Beispielen und subtilem Humor.
Als eine Art Feldstudie in acht Teilen angelegt, umkreist sie das Problem wie der Haifisch sein Opfer, allerdings ohne wirklich zuzubeißen. Am Ende bleiben die 50 Prozent ungerächt, aber als Gruppe weit greifbarer und definierter. Frauen haben es wahrlich nicht leicht bei einer Zielgeschwindigkeit in Richtung Gleichstellung, die mit etwa acht Stundenkilometern in etwa 300 Jahren erreicht werden könnte.
So lange heißt es für Frauen weiterhin nachts angsterfüllt über dunkle Parkplätze schleichen. Den miterziehenden Ehemann beim Arbeitgeber glaubhaft zu machen, beim Friseur den teureren Frauenhaarschnitt zu bezahlen und viele Schikanen mehr. Das ist alles nicht ganz neu, aber Sittenauer verzichtet auf einen allzu anklagenden Ton und kann sich auch über so manche weibliche Eigenheit lustig machen.
Zwar lässt sie das Thema Schuhe aus, aber Handtaschen sind durchaus einer Betrachtung wert. Frauen und ihr Chaos, das sie wohl verpackt in der Gegend herumtragen, scheinen ebenso spezifisch wie manche Männereigenheit. Letztere allerdings doch weit weniger komplex, äußert sie sich doch weitgehend in einer sehr ausdauernden Beziehung zu einem gewissen Örtchen, das in der Regel als still bezeichnet wird.
Nun ja, wie wissenschaftlich solcherlei Feldstudien denn nun wirklich sind, bleibt ein wenig im Vagen. Unterhaltsam sind sie, entlarvend und dem Leben abgeschaut. Manches lässt sich auch in Liedform pressen und in flotte, kecke Texte fassen. Dabei erweist sich Sittenauer als durchaus begabte Sängerin mit ausdrucksvoller Stimme. Auch wenn bei dieser Performance ihr Begleiter Lukas Maier am Klavier fehlt, haben ihre Songs nicht wenig Hit-Potenzial.
Selbst wenn am Ende ungeklärt bleibt, ob es Christl Sittenauer gelungen ist, ihren Sohn vom Menschsein der Frauen zu überzeugen, bietet ihr kurzweiliges Programm doch viele interessante Gedankenanstöße.