Die Chancen stehen gut: Kommt Neustadts Schatz noch im Jubiläumsjahr heim? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.03.2025 09:00

Die Chancen stehen gut: Kommt Neustadts Schatz noch im Jubiläumsjahr heim?

Den Dreck von Jahrhunderten kratzten, schrubbten und scheuerten die Freiwilligen unter der Anleitung von Profi-Restaurator Stefan Achternkamp (Foto) aus und von den Regalen der Kirchenbibliothek. (Foto: Dr. Wolfgang Mück)
Den Dreck von Jahrhunderten kratzten, schrubbten und scheuerten die Freiwilligen unter der Anleitung von Profi-Restaurator Stefan Achternkamp (Foto) aus und von den Regalen der Kirchenbibliothek. (Foto: Dr. Wolfgang Mück)
Den Dreck von Jahrhunderten kratzten, schrubbten und scheuerten die Freiwilligen unter der Anleitung von Profi-Restaurator Stefan Achternkamp (Foto) aus und von den Regalen der Kirchenbibliothek. (Foto: Dr. Wolfgang Mück)

Wer am Freitag die evangelische Stadtkirche St. Johannes der Täufer in Neustadt aufsuchte, rieb sich verwundert die Augen. Die Vorstandsmitglieder des Förderkreises Neustädter Kirchenbibliothek schleppten Wassereimer auf die Empore hinauf.

Dann verschwanden die „Wasserträger“ im Receptaculum, dem mit einem Kreuzrippengewölbe ausgestatteten Bibliotheksraum der Neustädter Kirchenbibliothek und blieben eine ganze Weile verschwunden.

Des Rätsels Lösung? Die verstaubten Regalbretter mussten vom Staub und den festen Ablagerungen vergangener Jahrhunderte befreit werden. Um Kosten zu sparen, hatte der Vorstand sich entschlossen, diese restauratorisch sensible Maßnahme nach vorausgegangenen Arbeiten nun unter Anleitung eines Restaurators in Eigenregie durchzuführen.

Harte Arbeit mit überraschenden Entdeckungen: Mitarbeiter der beauftragten Zimmerei stießen bei der Sanierung der Kirchenbibliothek auf spannende Schriften. (Foto: Wolfgang Mück)
Harte Arbeit mit überraschenden Entdeckungen: Mitarbeiter der beauftragten Zimmerei stießen bei der Sanierung der Kirchenbibliothek auf spannende Schriften. (Foto: Wolfgang Mück)

Neustädter Geheim-Liste: Sensationeller Fund aus der NS-Zeit hinter Fußleiste

Arbeiter stießen in der Kirchenbibliothek auf Unterlagen aus der Nazizeit. Die Unterzeichner lebten gefährlich. Zugleich tauchten uralte Schätze auf.

Verein benötigt noch weitere Spenden

In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege in München, dem Staatlichen Bauamt in Ansbach und der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis war nach einer Untersuchung des Bibliothekraumes auf eventuelle Schad-stoffe als erste Maßnahme die Restaurierung des Regalsystems durch eine Fachfirma erfolgt, die auch am benachbarten Kärnter die dort nötigen Renovierungsarbeiten vornimmt.

Als nächster Schritt hatte der ebenfalls im Kärnter tätige Restaurator Stefan Achternkamp damit begonnen, die Wandflächen der Raumschale zu reinigen und mit einem Spezialstaubsauger den groben Staub von den Regalen abzusaugen. Unter seiner Anleitung erfolgte nun die ebenfalls vorgesehene Säuberung der Jahrhunderte alten Regale mit Spezialschwämmen. Dies geschah in vier Doppelschichten durch die Vorstandsmitglieder des Förderkreises der Neustädter Kirchenbibliothek.

Nach Ausgleich des Bodens und einer Absicherung der beiden gotischen Fenster durch Vorblendung von Schutzgittern sowie dem Einbau einer zusätzlichen feuerhemmenden Stahltüre steht dann der Rückkehr der Bücher im Jubiläumsjahr der Bibliothek hoffentlich nichts mehr im Wege.

Voraussetzungen zur Rückkehr geschaffen

Wie seinerzeit berichtet, war vor Jahren der Neustädter Bücherschatz in das Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern nach Nürnberg ausgelagert worden, um die notwendigen Restaurierungs- und Sicherungsmaßnahmen unbehelligt durchzuführen zu können.

Nach Ansammlung der nötigen Finanzmittel durch den Förderverein und unterstützt durch großzügige Spenden konnte nun mit den notwendigen Arbeiten begonnen werden, um die Voraussetzungen zur Rückkehr des Bücherschatzes zu schaffen. Für die darüber hinaus noch notwendigen Maßnahmen hofft der Verein auf weitere Spenden.

Das Ziel: Den Schatz im Jubiläumsjahr zurückholen

Die Neustädter Bibliothek hat eine lange und spannende Geschichte, die im Jubiläumsjahr erarbeitet und publiziert werden wird. So viel schon mal vorweg: Vor exakt 500 Jahren, im Frühjahr 1525, hatten die Riedfelder Franziskanermönche in weiser Voraussicht ihre wertvolle Bibliothek in die Neustädter Stadtkirche gebracht, da sie die Zerstörung ihres Klosters im Bauernkrieg befürchtet hatten.

Dass diese Sorge nicht unbegründet war, zeigte die weitere Entwicklung: Das Kloster wurde ebenso wie das Zisterzienser-Nonnenkloster Birkenfeld prompt ein Raub der Flammen und wurde nach Einführung der Reformation auch nicht wieder aufgebaut. Die Handschriften und Bücher blieben somit in ihrem Asyl in der Stadtkirche und bildeten den Grundstock der bedeutenden Neustädter Kirchenbibliothek.

Diesen Schatz noch im Jubiläumsjahr 2025 nach Neustadt zurückzuholen, ist erklärtes Ziel des Förderkreises Neustädter Kirchenbibliothek. Die Chancen dazu sind nach Ansicht des Vorstandes recht gut.


Von Dr. Wolfgang Mück
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