Im kleinen Tierheim in Neustadt-Unternesselbach ist immer etwas los. Ob Fundhunde, streunende Katzen oder Pensionstiere: Leiterin Ulrike Vogel und ihr Team haben viel zu tun, um allen die nötige Hilfe zukommen zu lassen. Auch in Bad Windsheim suchen Tiere ein neues Zuhause.
Aktuell leben in der Unternesselbacher Einrichtung elf Hunde. Einer von ihnen heißt Dylan. Zumindest wird er so genannt, da sein wahrer Name nicht bekannt ist. Dylan wurde am 6. August in Dachsbach gefunden. Er hört und sieht altersbedingt nur noch wenig und hat keinen Chip, durch den die Kontaktdaten des Besitzers auslesbar wären. Trotzdem ist er noch munter und lebte sich gut in seiner neuen Umgebung ein, sagt Vogel. Allerdings würde er sich freuen, wenn sich sein Herrchen oder Frauchen im Tierheim meldet und ihn wieder abholt.
Von den anderen Hunden sind neun zu vermitteln. Interessierte sollen sich jedoch nach der vorherigen Vereinbarung eines Termins unter der Telefonnummer 0 91 64/3 17 die Zeit nehmen, den Vierbeiner intensiv kennenzulernen. Da einige Hunde in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hatten, ist es wichtig, viel Erfahrung und Zeit mitzubringen. Und: „Man kann einen Hund nicht acht Stunden allein lassen. Fünf bis sechs Stunden sind das Optimum“, betont die Tierheimleiterin.
Probleme mit den Haltern sorgen oft dafür, dass Lebewesen im Heim landen. „Je mehr man trainiert und die Tiere erzieht, desto besser beugt man Problemen vor.“ Und noch eines dürfe man nicht vergessen: Hunde und Katzen kosten Geld. Futter, Tierarztkosten – all das muss bedacht werden. Etliche tun es nicht: Deshalb landen gerade in den großen Tierheimen vermehrt Tiere – und die Vermittlungsquote sinkt. Das merkt man auch in Bad Windsheim, wie die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Dr. Annette Volkamer, erklärt: „Wir sind voll.“ Viele, die sich in Zeiten von Corona einen Hund zulegten, wurden mit ihm nicht fertig, setzten ihm etwa keine Grenzen und besuchten auch keine Hundeschulen. Das macht sich jetzt bemerkbar.
Zehn Hunde sind in Bad Windsheim zu vermitteln. „Für Pensionshunde haben wir derzeit keinen Platz“, bedauert Volkamer. Sie hofft nun, dass sich für die Tiere schnell ein neues Zuhause findet – das Hundehaus ist unter der Telefonnummer 01 51/50 88 01 21 erreichbar.
27 Katzen leben im Katzenhaus in Unternesselbach. Im Vergleich zu den Vorjahren sind es weniger, sagt der Neustädter Tierschutzvereinsvorsitzende Wolfgang Bläsing. In Bad Windsheim sind es 20 Samtpfoten, wobei einige von Ehrenamtlichen außerhäuslich betreut werden.
Dies sei nötig, da die Kleinen alle vier bis fünf Stunden ihr Fläschchen brauchen. Dass manche Menschen vor nichts zurückschrecken, um Tiere loszuwerden, schildert die Veterinärin anhand eines Falls: Über den Zaun einer Katzenbetreuerin wurde ein vier Wochen altes Katzenbaby geworfen. Zum Glück schrie es so laut, dass es gleich gefunden wurde. Wegen seines lauten Organs wurde es denn auch „Puccini“ getauft. Wer sich für eine Katze aus dem Bad Windsheimer Heim interessiert, kann unter Telefon 01 74/8 23 64 93 Kontakt aufnehmen. Ansprechpartner rund ums Tierheim ist zudem die Bad Windsheimer Praxis Dr. Volkamer, Telefonnummer 0 98 41/28 30.
Apropos Katzen: Dank des „Projekts Kitty“ werden immer weniger Junge von Streunerkatzen gefunden, sagen Vogel und Bläsing. Das vom Tierschutz finanzierte Konzept umfasst die tiermedizinische Versorgung und betreute Futterstellen für Streuner sowie deren Kastration.
Vor allem die Kastration sei sehr wichtig. Seit 15 Jahren gibt es das Kitty-Projekt in Neustadt und der Umgebung – und es zeigt dank der Hilfe zahlreicher Tierfreunde Wirkung, so Bläsing. Generell ist das Tierheim auf die Unterstützung hilfsbereiter Menschen angewiesen. Sowohl die Futterspendenboxen in Supermärkten und Heimtierbedarfsgeschäften als auch Finanzspritzen sind überlebenswichtig. Geld in die Kasse spült auch die Unterbringung von Pensionstieren, von denen etliche regelmäßig nach Unternesselbach kommen, wenn ihre Besitzer verreisen. 15 Gasthunde und neun Pensionskatzen betreute man auf Zeit – und zwei Kaninchen.
Eingeladen sind alle Interessierten zum Tag der offenen Tür im Unternesselbacher Tierheim – am Sonntag, 10. September, von 13 bis 18 Uhr. Geboten wird ein buntes Programm. Zudem bekommt man einen guten Eindruck von der Arbeit, die im Tierheim Jahr für Jahr geleistet wird.