Kunst aus rosafarbenen Hartschaumplatten aus dem Baumarkt? Klingt ungewöhnlich: Der Ansbacher Graffitikünstler Marco Holzinger stellt ab dem heutigen Freitag seine speziellen dreidimensionalen Arbeiten im Kunsthaus Reitbahn 3 unter dem Motto „ReliGraff“ vor. Sie beginnt um 19 Uhr. Die Ausstellung selbst geht bis 8. Februar.
Das Interesse an Graffiti hatte Marco Holzinger, Jahrgang 1983, bereits mit 14 Jahren gepackt. Nach Graffiti-Workshops bei den Brüdern Carlos und Manuel Lorente, in Ansbach schon lange für ihre Arbeiten bekannt, nahm seine Begeisterung für die besondere Kreativtechnik erst richtig Fahrt auf.
Selbst etwas zu erschaffen, kreativ zu sein, habe ihn gereizt, erinnert er sich. Der urbane, ganz und gar nicht elitäre Street-Charakter habe ihm gefallen. „In der Schule“, sagt er, „hatte mich mein Lehrer im Kunstunterricht motiviert, künstlerisch aktiv zu sein.“ Zeichentechniken zu lernen, eine ruhige Hand fürs Sprühen zu entwickeln sowie auch der Austausch mit anderen Graffiti-Künstlern, hätten ihm sehr geholfen. Er selbst arbeitet unter dem Künstlernamen ERAS.
Holzingers Arbeiten gehen innerhalb der Graffiti-Szene einen eigenen Weg, sie erheben sich in Art eines Reliefs plastisch aus der Grundfläche. An sich werden Graffitis auf Flächen per Sprühdosen aufgetragen, sie zeichnen sich durch eine erkennbare Bildersprache aus. Irgendwann, so der Ansbacher Künstler, sei die Idee aufgekommen, die Bilder, die auch flächig oft einen dreidimensionalen Eindruck erwecken, wirklich aus der Fläche herauszuholen. Aber mit was für einem Material?
Holzinger hatte Werkzeugmechaniker gelernt, das war hilfreich für die technische Umsetzung seines Plans. Als Material für die neuen Arbeiten hat er im Baumarkt Hartschaumplatten entdeckt, aus denen er mit einem erhitzten Draht die entsprechenden Details ausschneidet. „Die Rohlinge der angefertigten Relief-Bilder“, beschreibt Holzinger das weitere Vorgehen, „gestalte ich dann unter anderem mit Sprühfarben entsprechend der Graffititechnik.“
Im Kunsthaus zeigt Holzinger ausgewählte Arbeiten, darunter, neben vielen anderen, auch drei Werke, die auf die Ansbacher Rokoko-Festspiele anspielen – was bei Graffiti-Motiven eher ungewöhnlich ist, aber hier einen persönlichen Grund hat. Marco Holzinger hat als Kind und Jugendlicher bei den Rokoko-Festspielen mitgewirkt. Das wollte er nun mit seiner Kunst inhaltlich verbinden.
Mit „Le Roi Du Yard“ etwa spielt er auf Sprayer an, die ihre Kunst in den Yards, also in Zugdepots oder auf Abstellgleisen, angefertigt haben. Den erfolgreichsten nannten sie „King of the Yard“. „In Verbindung mit Rokoko“, sagt der Künstler lachend, „sind das jetzt keine Züge, sondern Kutschen, und das Outfit habe ich entsprechend angepasst.“ Seine Verbindung zum Heimatverein hat er gehalten und sich für seine Arbeiten an dessen Kostümen orientiert. Bei der Vernissage, verrät er, wird ein Paar in Kostümen auch Tänze vorführen. Als Gastkünstler werden Gökhan Tuncyürek und Jan Hofacker einige Arbeiten zeigen.
„ReliGraff“: bis 8. Februar, geöffnet Mittwoch bis Sonntag, jeweils 14 bis 17 Uhr, Mittwoch, Freitag und Samstag zusätzlich jeweils 10 bis 13 Uhr.