Fachleute zu Gast in Ohrenbach: Grüner Strom braucht bessere Netze | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 20.10.2025 10:35

Fachleute zu Gast in Ohrenbach: Grüner Strom braucht bessere Netze

Es sollen zahlreiche neue Windkraftanlagen in der Region entstehen. Dafür fehlt aber eine angemessene Netzinfrastruktur. Über das Thema wurde in Ohrenbach informiert. (Foto: Jim Albright)
Es sollen zahlreiche neue Windkraftanlagen in der Region entstehen. Dafür fehlt aber eine angemessene Netzinfrastruktur. Über das Thema wurde in Ohrenbach informiert. (Foto: Jim Albright)
Es sollen zahlreiche neue Windkraftanlagen in der Region entstehen. Dafür fehlt aber eine angemessene Netzinfrastruktur. Über das Thema wurde in Ohrenbach informiert. (Foto: Jim Albright)

Es gibt immer mehr Windräder und Photovoltaik-Anlagen. Weil die Netze die zusätzliche Strommenge nicht packen, sind Abschaltungen die Folge. Die Frage, wie der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien dennoch sichergestellt werden kann, stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung in Ohrenbach.

Eingladen hatten dazu die Genossenschaften „Regional Versorgt eG“ und „Regionalstrom Mittelfranken eG“. Gerd Düll, Vorstandsvorsitzender der Überlandzentrale (ÜZ) Mainfranken, nahm aus Versorgersicht Stellung. In der Gemeinde Brünnstadt würden die beiden vorhandenen Trafos an ihre Grenzen kommen. Deshalb wolle die Bayernwerk-Netz GmbH dort ein großes Umspannwerk bauen, um die Kapazitäten aufzurüsten.

Zahl der privaten Hausspeicher steigt

Die Zahl der privaten Hausspeicher gehe stark nach oben, so Düll. Doch mit der Absicht, den privaten Speicher möglichst schnell voll zu bekommen, würde man den großen Effekt der Netzentlastung nicht erreichen. „Das ist zwar sinnvoll, aber nicht der große Wurf.“ Im Blick auf den Bau von Großspeichern herrsche zurzeit Goldgräberstimmung. Doch was bringe es, wenn neue Umspannwerke entstünden, aber die erforderlichen Leitungen nicht vorhanden seien.

Vor allem gegen Windkraft nehme der Widerstand zu. Viele Bürgerinitiativen machten Stimmung. Projektierer hielten dagegen, dass überall dort, wo richtige Bürgerprojekte umgesetzt würden und die Wertschöpfung vor Ort bleibe, eine sehr hohe Akzeptanz vorhanden sei. Bei fairer, transparenter Umsetzung mit den Menschen vor Ort habe man überwiegend positive Erfahrungen machen können, erklärte Düll.

Grüner Strom als Wirtschaftsfaktor

Katrin Held, Geschäftsführerin eines 2007 gegründeten familiengeführten Planungsunternehmens, das sich auf kommunale und bürgernahe Energieprojekte spezialisiert hat, verwies auf die von der Firma geplante größte PV-Anlage im Landkreis Ansbach in der Gemeinde Flachslanden, die eine Strommenge produziere, die für 7000 Haushalte reiche.

Grüner Strom sei nicht nur klimafreundlich, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, meinte sie. Bürgerinnen und Bürger profitieren direkt von der Wertschöpfung vor Ort. Dafür bedürfe es aber leistungsfähiger Netze. Der konsequente Ausbau bleibe unverzichtbar, damit Bürgerenergie-Projekte sicher integriert werden könnten.

Katrin Held fasste die rechtlichen Grundlagen zusammen und berichtete, dass die Ausweisung von Windkraft-Vorranggebieten gesetzlich gesteuert und damit Wildwuchs vermieden werden solle. Ziel seien verträgliche Planungen mit größtmöglichem Abstand zur Wohnbebauung. Der Regionale Planungsverband habe dies vorbildlich umgesetzt.

Windanlagen müssen ins Netz integriert werden

Gleichzeitig sei der Ausbau entscheidend, um günstigen Strom vor Ort zu produzieren und die Resilienz unserer Versorgungssicherheit zu erhöhen. Windanlagen müssten aber auch ins Netz integriert werden. „Wind produziert vor allem dann, wenn die Sonne nicht scheint: im Herbst, Winter und Frühjahr, genau dann, wenn die Netze leer sind.“

Der Netzbedarf werde häufig so berechnet, als müssten alle Energieformen gleichzeitig einspeisen. Das sei wie die Vorstellung von einer Autobahn, die ständig auf fünf Spuren komplett befahren sei, und der daraus folgende Schluss, dass sie keine neuen Autos aufnehmen könne. In der Realität rollten aber nur ein oder zwei Autos.

So blieben Kapazitäten frei, während Projekte mit Hinweis auf Engpässe abgelehnt oder verzögert würden. Genau hier blockieren einige Netzbetreiber Bürgerprojekte vor Ort – politisch gewollt – statt ihre Hausaufgaben zu machen. „Das lässt Bürgerenergie scheitern“, so Kathrin Held. Mit kluger Steuerung und Netzausbau ließe sich nach ihrer Überzeugung deutlich mehr grüner Strom vor Ort nutzen: „Eines ist klar: Energiewende gelingt nur dort, wo Netzbetreiber Partner sind und nicht Bremsklotz.“ Vieles sei in der Vergangenheit versäumt worden. Um so wichtiger sei es, jetzt mit gutem Beispiel voranzugehen.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete und Kreisrat Martin Stümpfig zählte verschiedene Gründe auf, weshalb die Stromnetze voll sind: „Unser Netz ist im Blindflug unterwegs“, meinte er. Die Wertschätzung vor Ort setze voraus, „dass alle an einem Strang ziehen“. Der fehlende Netzausbau sei ein großes Problem. PV-Anlagen auf Dächern, E-Autos und Wärmepumpen müssten doch für die Netzbetreiber von Interesse sein.

Stümpfig: Alle hätten Anschlussprobleme

„In Mittelfranken hätten alle 432 geplanten Windkraftanlagen Anschlussprobleme“, führte er weiter aus. Der Bestand an Biogasanlagen solle erhalten und der Ausbau gefördert werden. „Was im Biogas alles drinsteckt, ist enorm.“ Was angesichts des fehlenden Netzausbaus getan werden müsse und welche Rolle Stromspeicher jetzt und zukünftig spielen würden, habe höchste Priorität.

„Wir müssen Projekte umsetzen und ganz dringend nach Netzkopplern suchen“, so Martin Stümpfig. Um deutlich mehr Strom transportieren zu können, seien kurzfristige Maßnahmen erforderlich. Es gebe viele Punkte, wo man etwas machen könnte: „Wenn man nur will, geht einfach viel mehr.“


Von Karl-Heinz Gisbertz
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