Freilichtspaß in Dinkelsbühl: Die „Ladies Night“ ist zurück | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 28.05.2025 17:55

Freilichtspaß in Dinkelsbühl: Die „Ladies Night“ ist zurück

Wollen sich mit einer Stripshow aus ihrer Misere retten. Aber erst einmal muss geprobt werden (von links): die fünf Männer in „Ladies Night“, gespielt von Jan Fritz Meier, Marcel Kaiser, Andreas Peteratzinger, Yannik Dirksen und Mario Brutschin. (Foto: Landestheater/Hans von Draminski)
Wollen sich mit einer Stripshow aus ihrer Misere retten. Aber erst einmal muss geprobt werden (von links): die fünf Männer in „Ladies Night“, gespielt von Jan Fritz Meier, Marcel Kaiser, Andreas Peteratzinger, Yannik Dirksen und Mario Brutschin. (Foto: Landestheater/Hans von Draminski)
Wollen sich mit einer Stripshow aus ihrer Misere retten. Aber erst einmal muss geprobt werden (von links): die fünf Männer in „Ladies Night“, gespielt von Jan Fritz Meier, Marcel Kaiser, Andreas Peteratzinger, Yannik Dirksen und Mario Brutschin. (Foto: Landestheater/Hans von Draminski)

Notlagen machen erfinderisch, so auch die fünf arbeitslosen Männer, die für ihre missliche Lage eine ungewöhnliche Lösung auf den Weg bringen wollen, um an Geld zu kommen. Am Dienstag hatte „Ladies Night“ Premiere auf der Freilichtbühne des Landestheaters Dinkelsbühl.

Nach 2008, damals führte Intendant Peter Cahn Regie, steht der Komödienklassiker um den illustren Männerfünfer in diesem Sommer zum zweiten Mal auf dem Dinkelsbühler Spielplan. Geschrieben haben ihn Stephen Sinclair und Anthony McCarten. Die Fassung stammt von Frank Piotraschke. Regisseur René Oltmanns, am Landestheater kein Unbekannter, hat die Story nun neu aufgewickelt.

Fünf unter Druck

Die fünf Protagonisten stehen mächtig unter Druck, haben den Job verloren und zudem private Probleme, etwa Gary (Andreas Peteratzinger), dessen Ex Mandy (Maike Frank) das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Nathan (Emil Cahn) wegen ausständiger Unterhaltszahlungen für sich alleine beantragen will.

Alle fünf: Das sind außer Gary noch Dave (Yannik Dirksen), der ehemalige Firmenwachmann Lomper (Marcel Kaiser), Gerald (Jan Fritz Meier), der nach sechsmonatigem Schweigen über seine Arbeitslosigkeit von seiner Frau rausgeworfen wird, sowie Guy (Mario Rolf Brutschin), der als „Schnittchen“ dazu gebucht, die Runde vervollständigen soll.

Die Stripshow als Rettung

Das Schicksal verbindet die Männer, die Aussichten sind so trist wie die ziegelroten Klinkerfassaden der Gebäude, die zwischen Fabrikhalle und Wohnhaus wechseln. Alle übrigen Rollen, von der Job-Center-Beamtin über Polizei und Personalchef, Ehefrau und Barbesitzer, haben Maike Frank, Charlotte Schiffler und Knut Fleischmann in fließendem Wechsel übernommen, ebenso die kleinen Umbauten.

Als eine erfolgreiche Männer-Stripshow in der Stadt gastiert, hat Gary die zündende Idee, mit den Jungs selbst eine Stripshow auf die Beine zu stellen. Schnelles Geld für ein wenig mit dem Hintern wackeln, sich auszuziehen und Haut zu zeigen, dürfte doch nicht allzu schwer sein, glaubt er.

Dass das allerdings so einfach nicht sein würde, arbeitete der Regisseur mit seinem Ensemble fein heraus. Die Inszenierung zeichnet die fünf als ganz normale Typen, mit Ecken und Kanten sowie reichlich Selbstzweifeln. Der eine schmächtig mit Hühnerbrüstchen, der andere eher unsportlich mit Bäuchlein. Wer will denn so was schon sehen? Sollten sie die Hüllen wirklich fallen lassen? So viel sei verraten, ein wenig Haut zu sehen gab es dann schon.

Unbeholfen und schüchtern zu Beginn, ängstlich, was die Reaktionen im künftigen Publikum auslösen könnten, machten sich die fünf an die Proben. Alle Darsteller näherten sich ihren Protagonisten mit viel Respekt vor deren Lage. Sie umrissen sie in all ihren Nöten und Schwächen, ließen sie leiden, zweifeln, auch einmal die Haltung verlieren, ohne sie klamaukig wirken zu lassen. Da trafen derbe Männersprüche auf irgendwie doch zartbesaitete Herren der Schöpfung, denen das Wasser bis zum Hals stand.

Kneifen ist nicht möglich

Kneifen war letztlich auch nicht möglich, da der Vorverkauf schon sehr gut gelaufen war. Das war berührend, mitunter auch nachdenklich, zudem mit viel Witz und leichtem Sarkasmus auf die Spitze gedreht, ehe die fünf am Ende zum großen Showdown antraten.

Ein großer Spaß für das Publikum, das vor Begeisterung johlte und applaudierte. Und das waren nicht nur die Frauen. Überhaupt hatten die fünf Möchtegern-Stripper das Publikum gleich auf ihrer Seite, kokettierten charmant mit den Zuschauerinnen und Zuschauern, forderten zum Mitklatschen auf.


Von Elke Walter
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