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Veröffentlicht am 24.02.2025 07:00

Gedenken auf dem Ansbacher Bahnhofsplatz an die Opfer der Luftangriffe

Es war sonnig und kühl, doch es lag schon ein Hauch von Frühling in der Luft am Samstagmittag bei der Gedenkfeier am Bahnhofsplatz. Sonnig und kühl, aber doch schon beinah frühlingshaft war es wohl auch am 22. Februar 1945. Damals schauten viele Ansbacher zunächst allzu sorglos nach oben in den blauen Himmel, als die Bomber kamen.

Die Menschen glaubten, dass Ansbach kein Ziel der Luftangriffe der Alliierten werden würde. Denn in den Wochen zuvor hatten die Bomberverbände die kleine Stadt an der Rezat immer überflogen, um ihre zerstörerische Fracht dann über Nürnberg abzuladen. Kaum jemand rechnete damit, dass es Ansbach treffen könnte. Zahlreiche Menschen flüchteten daher zu spät in die Luftschutzkeller.

Zur Gedenkstunde am Samstag vor dem Bahnhof, am Fuße des Luitpoldbrunnen-Fragments, hatten sich etliche Bürgerinnen und Bürger eingefunden – darunter Angehörige von Menschen, die bei den Bombenangriffen vor 80 Jahren ums Leben gekommen sind. Auch Vertreter der US-Armee nahmen an der Gedenkfeier teil.

Erinnerungen des Vaters verlesen

Oberbürgermeister Thomas Deffner verlas zu Beginn die eindringlichen Erinnerungen seines Vaters an jenen 22. Februar 1945. Zudem listete er einige Zahlen aus einem Einsatzbericht der U.S. Air Force zu den Angriffen auf: 1680 Bomben fielen demnach am 22. Februar zwischen 12.13 und 13.15 Uhr, 1236 Bomben am 23. Februar in einer nur wenige Minuten dauernden Attacke.

Mehr als 450 Menschen kamen damals ums Leben, vielleicht sogar über 500. Das Bahnhofsareal und weitere Straßenzüge wurden verwüstet.

„Auch 80 Jahre danach mahnen uns die Toten und Verletzten, uns für Frieden und Versöhnung in unserer Stadt, unserem Land und der gesamten Welt einzusetzen“, erklärte Deffner. „Gerade jetzt, in diesen Tagen, mit scheinbar nicht endenden schlechten Nachrichten.“

Schilder gegen Krieg und Gewalt

Neben dem Torso des Luitpoldbrunnens, der an die Zerstörungen erinnert, stehen am Bahnhofsplatz im Rahmen einer Kunstaktion seit Freitag „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“. Sie setzen mit einfacher Formensprache Zeichen gegen Krieg und Gewalt und für Respekt und Toleranz, wie der Oberbürgermeister erläuterte. Dazu zitierte er einige hasserfüllte Äußerungen in sozialen Medien zu dem Kunstprojekt.

„Gerade diese Kommentare zeigen, wie wichtig es ist, dass wir uns mit den Themen, die auf den Schildern zu sehen sind, beschäftigen“, betonte Deffner. „Die Werte, die nach dem Krieg auch als Reaktion auf den Horror des NS-Regimes in unserem Grundgesetz festgeschrieben wurden, gilt es zu verteidigen.“

Pfarrer: „Der Krieg kennt nur Verlierer.“

Kränze wurden niedergelegt, Gebete gesprochen, und die tiefen Glocken der Stadtkirchen läuteten genau um 12.13 Uhr. „Unsere Erinnerung ist auch eine Mahnung, denn der Krieg kennt nur Verlierer“, sagte Pfarrer Oliver Englert. Nach einer langen Friedenszeit „stehen wir heute vor der Frage, wie wir den Frieden erhalten“.

Im Anschluss an die Gedenkstunde lud der Historiker Alexander Biernoth zu einer Stadtführung mit dem Thema Bombenangriffe und Nationalsozialismus in Ansbach ein. An verschiedenen Stationen in der einst weitgehend zerstörten Bahnhofstraße, im Hofgarten und in der Karolinenstraße las er Aufzeichnungen aus dem Jahr 1945 vor – außerdem Zeitzeugen-Berichte zu den Luftangriffen, die in der Fränkischen Landeszeitung erschienen sind.

Nicht alle Leichen geborgen

Biernoth schilderte, dass neben den im Bombenhagel umgekommenen Ansbachern auch eine unbekannte Zahl an Zwangsarbeitern getötet wurde. Bei ihnen habe man sich teils nicht die Mühe gemacht, die Leichen aus den Trümmern zu bergen. Sie tauchen deshalb in keinem Verzeichnis der Opfer auf.

Zu den Gedenkveranstaltungen am Wochenende gehörten auch ein Requiem in St. Gumbertus am frühen Samstagabend sowie ein Gedenkgottesdienst am Sonntag in der Johanniskirche.

Der Luitpoldbrunnen wurde von den Bomben zerstört, nun erinnern die zusammengefügten Bruchstücke an den Krieg: Oberbürgermeister Thomas Deffner (rechts) las bei der Gedenkstunde vor, was sein Vater am 22. Februar 1945 erlebt und später niedergeschrieben hat. (Foto: Lara Hausleitner)
Der Luitpoldbrunnen wurde von den Bomben zerstört, nun erinnern die zusammengefügten Bruchstücke an den Krieg: Oberbürgermeister Thomas Deffner (rechts) las bei der Gedenkstunde vor, was sein Vater am 22. Februar 1945 erlebt und später niedergeschrieben hat. (Foto: Lara Hausleitner)
Der Luitpoldbrunnen wurde von den Bomben zerstört, nun erinnern die zusammengefügten Bruchstücke an den Krieg: Oberbürgermeister Thomas Deffner (rechts) las bei der Gedenkstunde vor, was sein Vater am 22. Februar 1945 erlebt und später niedergeschrieben hat. (Foto: Lara Hausleitner)
Die „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“ am Bahnhofsplatz sind Teil eines Kunstprojekts. (Foto: Hausleitner)
Die „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“ am Bahnhofsplatz sind Teil eines Kunstprojekts. (Foto: Hausleitner)
Die „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“ am Bahnhofsplatz sind Teil eines Kunstprojekts. (Foto: Hausleitner)

Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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