Im hiesigen Landkreis gibt es nur ein Lichtspielhaus, das historische KinoNEA in Neustadt, das über 100 Jahre alt ist. Doch wer besucht es eigentlich? Wie finanziert es sich? Und wie läuft der geplante Umbau? Kinobesitzer Oliver Rögner hat viel zu erzählen – nicht alles ist eitel Sonnenschein.
„Im Jahr 2024 haben knapp 18.000 Besucher und Besucherinnen ein Kinoticket gekauft”, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Jahr 2019 waren es noch knapp über 29.000. „Obwohl die Kinobesuche wieder steigen, haben wir leider das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht. 2025 liegen die Besucherzahlen jedoch im Vergleich zum Vorjahr bereits über den des Vorjahreszeitraums”, so Rögner weiter.
Der wichtigste Faktor dafür sind die Filme – je attraktiver der Streifen, je populärer die Schauspieler, desto mehr Besucher lautet die Milchmädchenrechnung. Aktuell läuft „Das Kanu des Manitu”, der Nachfolger des einstigen Hits „Der Schuh des Manitu”, einer der erfolgreichsten deutschen Filme jemals. Laut Rögner kamen zu ihm bereits ungefähr 1250 Menschen für diesen Film. „Die Vorstellungen waren meist nahezu ausverkauft.” Unter anderem dadurch wurde der August zum besucherstärksten Monat im bisherigen Jahr.
Doch wer geht eigentlich ins Kino? Laut Rögner kommen am Nachmittag vor allem die Kinder und ihre Familien, sowie die Besucher des „Kinos für Junggebliebene“. Am Abend sind dann die Teenager, die Erwachsenen sowie die Blockbuster- und Arthousekinofans dran.
Natürlich weiß Rögner nicht genau, woher seine Besucher kommen, doch seiner Einschätzung nach sind die meisten aus Neustadt und dem Landkreis. Darunter sind auch etliche Stammgäste, „die mehrmals im Monat kommen, andere eher einmal im Monat”. Doch gerade „Das Kanu des Manitu” sorge momentan dafür, dass zahlreiche Personen das Kino wieder- und neu für sich entdecken.
Um neue Besucherschichten zu erschließen, organisiert Rögner auch zahlreiche Sonderveranstaltungen. Darunter sind zum Beispiel das „Kino für Junggebliebene”, das „After Work Kino“ in Kooperation mit verschiedenen Firmen sowie Dokufilme mit anschließenden Gesprächsrunden. Gerade zu solchen Veranstaltungen kommen häufig Gäste, die lange nicht mehr im Kino waren und sich erneut begeistern lassen. Deshalb würde er auch die Kooperationen und Sonderveranstaltungen gerne ausweiten, sagt Rögner
Und auch wenn das Kino von außen klein wirken mag, ist der Arbeitsaufwand enorm. „Ein Team von knapp zehn Personen kümmert sich an sieben Tagen der Woche um unsere Gäste, die Eventplanung, die IT-/Technikinfrastruktur, die Gastronomie, Filmplanung, Verwaltung, Buchhaltung, Sauberkeit und vieles mehr”, sagt Rögner.
Auch er selbst hat eher eine Siebentage-, statt Fünftagewoche – von Vormittags bis Abends. „Aber es ist auch ein besonderer Job, wenn man dort tätig ist, wo andere gerne ihre Freizeit verbringen.” Trotzdem würde er sich vor allem eines wünschen: Unterstützung, da durch den aktuellen Personalmangel teilweise weniger Spieltage möglich sind, als dies wünschenswert wäre.
Bleibt die Frage, wie sich das Kino eigentlich finanziert? Natürlich zunächst über die Ticketkäufer, doch von diesen Einnahmen geht ein großer prozentualer Anteil an die Filmverleiher, die GEMA, die Filmförderungsabgabe, Ticketingpartner sowie an den Staat in Form der Mehrwertsteuer.
Nur ein kleiner Teil bleibt beim Kino, um damit Investitionen in Technik, Gebäude, Personal und laufende Kosten zu bezahlen. „Alleine aus den Ticketeinnahmen wäre es nicht möglich, den Kinobetrieb zu finanzieren.”, so Rögner. Deswegen ist der gastronomische Verkauf – unter anderem das typische Kinopopcorn und die Softdrinks – elementar, für den wirtschaftlichen Betrieb.
Doch laut Rögner haben kleine Kinos einen entscheidenden Nachteil: „Kleinere Kinos brauchen zwar wie die Großen heutzutage modernste Technik und Sitze. Den Kosten stehen jedoch weniger Kinobesucher und damit Einnahmen gegenüber als in einer Großstadt.” Gerade deshalb sei jeder Besucher wichtig.
Aus diesem Grund trägt sich Rögner auch schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, das Kino umzubauen und zu erweitern. Es stand im Raum, die angrenzende Gaststätte an der Ecke Wilhelmstraße umzubauen und dem Kino als Lounge anzugliedern. „Das steht noch in den Sternen. Wir würden dieses Projekt und weitere gerne umsetzen, haben aber bisher noch keine Baugenehmigung erteilt bekommen und es gibt noch viele ungeklärte Fragen. Leider haben wir hier schon größere Summen an Fördergeldern nicht nutzen können, da die Zeitpläne der Fördergeber nicht eingehalten werden konnten. Aktuell sind die Fördertöpfe leider ziemlich leer und damit auch die Möglichkeiten eines größeren Umbaus im neuen Foyer wieder in die Ferne gerückt”, so der Kinobesitzer ein wenig frustriert
Doch andere Projekte laufen dafür gut: Im vergangenen Monat ist der vorerst letzte Bauabschnitt der neuen Photovoltaikanlage auf dem sanierten Gebäudedach in Betrieb gegangen. Die Anlage liefert knapp 21.000 kWh Strom im Jahr. Durch das „Zukunftsprogramm Kino” und weitere Kinoförderung war es möglich, auch Speichersysteme mit 45 kWh Kapazität zu installieren. „Je nach Sonnenschein am Tag kann der Betrieb des Kinos damit bis zu 100 Prozent aus der selbst erzeugten Energie erfolgen”, so Rögner.
Darüber hinaus soll bald der Saal 1 modernisiert werden und eine neue Lüftungsanlage mit nachhaltiger Wärmepumpentechnologie erhalten. Die Förderung ist laut Rögner schon in trockenen Tüchern.