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Veröffentlicht am 22.06.2024 12:00

Hoch die Krüge: Trinkkultur im Raum Feuchtwangen

Etliche Trinkgefäße aus vergangenen Zeiten wurden im Fränkischen Museum in Feuchtwangen (von links) von Herta Schöllmann, Helga Deininger, Dr. Uta Karrer, Peter Schlecht und Wolfgang Kern begutachtet. Die Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte will die ehemalige Wirtshauskultur in Feuchtwangen in einer Dokumentation aufarbeiten. (Foto: Erich Herrmann)
Etliche Trinkgefäße aus vergangenen Zeiten wurden im Fränkischen Museum in Feuchtwangen (von links) von Herta Schöllmann, Helga Deininger, Dr. Uta Karrer, Peter Schlecht und Wolfgang Kern begutachtet. Die Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte will die ehemalige Wirtshauskultur in Feuchtwangen in einer Dokumentation aufarbeiten. (Foto: Erich Herrmann)
Etliche Trinkgefäße aus vergangenen Zeiten wurden im Fränkischen Museum in Feuchtwangen (von links) von Herta Schöllmann, Helga Deininger, Dr. Uta Karrer, Peter Schlecht und Wolfgang Kern begutachtet. Die Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte will die ehemalige Wirtshauskultur in Feuchtwangen in einer Dokumentation aufarbeiten. (Foto: Erich Herrmann)

Die Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte Feuchtwangen plant ein Buch über die hiesige Bier-, Brau- und Gaststättengeschichte. Die Trinkkultur früherer Zeiten soll anhand von Objekten wie alten Bierkrügen, Brauutensilien, Bierdeckeln, Speisekarten oder Bildern dargestellt werden.

Deshalb bat die Arbeitsgemeinschaft die Bevölkerung um Unterstützung bei dem Projekt und startete einen Aufruf. Diesem folgten Gastwirte, ehemalige Wirtshausbesitzer sowie Sammler.

Rund 40 Krüge zeitlich eingeordnet

Sie brachten ihre „Schätze“ zur Begutachtung ins Fränkische Museum. In dessen Vogelscheune nahmen Museumsleiterin Dr. Uta Karrer und der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Peter Schlecht, die „Relikte“ aus vergangenen Zeiten unter die Lupe, fotografierten sie ab und katalogisierten sie. Rund 40 Krüge aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert galt es dabei zeitlich einzuordnen.

Im „Feuchtwanger Häuserbuch“ von Willi Hörber sind seit dem 14. Jahrhundert 33 Wirtshäuser – etwa ein Drittel davon besaß Braurecht – verzeichnet. Davon sind heute noch zehn erhalten, die allerdings nur noch zum Teil als Gaststätten betrieben werden. Die Wirtshäuser wurden vererbt, verkauft oder unter neuem Namen weitergeführt. Das müsse aufgearbeitet werden, bevor es dafür zu spät sei, sagte Schlecht.

Anekdoten gab es gratis dazu

Zu den mitgebrachten „Schätzen“ gab es dann auch gleich die ein oder andere Anekdote. So berichtete Wolfgang Kern, dass sein Urgroßvater die Zinngießerei Grün in Feuchtwangen geführt habe. Kern hatte vier kostbare Krüge – der älteste trug die Jahreszahl 1831 – mit Zinndeckeln aus der damaligen Familienwerkstatt dabei. Besonders interessant waren zwei Feuchtwanger Kinderkrüge, aus denen wohl aber kein Bier getrunken wurde. Sie waren eher als Sammelobjekte gedacht.

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Heiner Ruck brachte drei historische Krüge mit. Darunter ein Drei-Liter-Steinkrug versehen mit dem Trinkspruch „Freund ich rate Dir, Trink’ stets gutes Bier, iß gesalzene Wurst, das giebt immer Durst“, derundefinedeinst am Stammtisch der Bahnhofsrestauration der Familie Rögner seine Runde machte.

Für Damen der feinen Gesellschaft

Ebenso fiel ein Krug, der nur 0,3 Liter fasste, ins Auge. Ein solcher wurde von Damen der feinen Gesellschaft zum Picknick in die Feuchtwanger Sommerwirtschaften mitgebracht. Ein blauer Krug mit zwei abgebildeten Turteltäubchen fand ebenso Anklang. Diesen hatte einst der Feuchtwanger Orgelbauer Georg Holländer anlässlich der Hochzeit seiner Schwester entworfen.

Helga Deininger präsentierte drei über 100 Jahre alte Bleikristallkrüge der Greifen-Bräu. Ihr Großvater Oskar Lorenz hatte 1905 das Hotel Greifen samt Braurecht erworben. Er war der erste Wirt, der in Feuchtwangen ein „helles Bier“ braute. Er ließ auch Glaskrüge mit Zinndeckeln – diese trugen einen Brauerstern – für seine Gäste anfertigen.

Ein weiterer prächtiger Pokalkrug samt Widmung aus den Handwerkerstuben erinnerte an das Mooswiesenfest 1921 und wurde als Ehrenpreis dem Schützenkönig gewidmet.

Paragraph 11 besagt, dass „bis zum Umfallen weiter gesoffen wird“

Georg Fiedel hatte etliche Kuriositäten dabei. Darunter auch ein Seidel aus dem Jahr 1880, dessen Porzellandeckel mit einer Jagdszene versehen ist, gestiftet einem Feuchtwanger Waidmann. Ein weiterer mundgeblasener Glaskrug trägt einen Zinndeckel mit dem Emblem des „Paragraphen 11“, der besagte, dass „bis zum Umfallen weiter gesoffen wird“.

Auch ein Porzellankrug aus dem Jahr 1914 mit der farbigen Abbildung des ehemaligen Kriegerdenkmals wurde begutachtet. Der Krug stammte aus dem Besitz der Familie Neidenberger und wurde vermutlich einem in den Krieg ziehenden Soldaten gewidmet.

Gastwirtin Herta Schöllmann hatte gleich ein ganzes Ensemble unterschiedlicher Glaskrüge – oftmals auch mit Widmungen versehen – im Gepäck. Zu entdecken gab es außerdem Steinkrüge vom Turnverein Feuchtwangen, von der Kronen-Brauerei und der Adler-Bräu von August Port. Ein Konvolut mit 200 Jahre alten Punzen der Zinngießer Grün und Wolff aus den Handwerkerstuben rundeten die Mitbringsel ab.

Mit „Ausbeute“ zufrieden

Peter Schlecht war zufrieden mit der „Ausbeute“. Im Oktober will die Arbeitsgemeinschaft nochmals einen Aufruf starten. Geplant ist, das Buch über die Feuchtwanger Bier-, Brau- und Gaststättengeschichte zum 100. Geburtstag des Fränkischen Museums herauszubringen.


Von Erich Herrmann
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