Der Tagungs- und Hotelbetrieb im Wildbad Rothenburg geht weiter: Die bayerische Landeskirche verkauft die Immobilie an die Stadtwerke Rothenburg ob der Tauber. Bereits zum 1. Januar 2025 wird der Betrieb von einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Heidenheim, die auch für die Rothenburger Stadtwerke die Geschäftsführung stellen, übernommen.
Die Mitarbeiter wurden am Dienstag in einer Betriebsversammlung informiert. Landeskirche und Stadtwerke bezeichneten die Neuigkeit in einer gemeinsamen Pressemitteilung als „bedeutenden Schritt für die Zukunft des Wildbads”.
Die von den Beteiligten entwickelte „gemeinsame Lösung” sieht konkret vor, dass die Stadtwerke Rothenburg von der Landeskirche das 56.000 Quadratmeter große Grundstück samt aller Gebäude kaufen. Über die genaue Kaufpreishöhe wurde Stillschweigen vereinbart. Kenner der Materie sagten dem Evangelischen Pressedienst (epd), es handle sich um einen «fairen Kaufpreis», der alle Aspekte berücksichtige. Dazu gehört beispielsweise, dass der Tagungs- und Hotelbetrieb derzeit Verluste schreibt, dass die Gebäude in den kommenden Jahren teils saniert und modernisiert werden müssen - aber auch, dass man die Belegschaft übernehmen kann.
Die Stadtwerke Rothenburg wiederum werden die Immobilie an die Schlosshotel Hellenstein GmbH verpachten, die dann den eigentlichen Hotel- und Tagungsbetrieb übernehmen wird. Das Schlosshotel gehört zu den Stadtwerken Heidenheim. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Rothenburg, Erich Weber, spricht von einer Win-win-Situation. Man sei zuversichtlich, gemeinsam mit dem Schlosshotel und anderen Betrieben der Stadtwerke „Synergien” heben und den Betrieb wirtschaftlich gestalten zu können: „Es ist uns eine Ehre, diese traditionsreiche Einrichtung mit dem aktuellen Personal in eine neue Ära zu führen.”
Die evangelische Landeskirche hatte Ende November 2023 beschlossen, den Betrieb des Tagungshauses spätestens Ende 2025 aufzugeben. Zwar sei es seit Ende der Corona-Pandemie wieder gut ausgelastet gewesen, es schrieb aber wie eh und je rote Zahlen. Die Entscheidung, die Zuschüsse fürs Wildbad ab 2025 einzustellen, hatte sich die Kirchenleitung nicht leicht gemacht. Jahrelang wurde um ein Konzept für die landeskirchlichen Gäste- und Tagungshäuser gerungen. Als Gutachter nach einem von der Kirche festgelegten Kriterienkatalog alle Häuser bewertet hatten, war klar: Unter anderem das Wildbad hat keine kirchliche Zukunft mehr.
Zahlreiche Ideen wurden in den vergangenen neun Monaten in die öffentliche Debatte geworfen. Allein: Ein tragfähiges Konzept für den Weiterbetrieb als kirchliches Haus fand sich nicht. Zuletzt legte die Landeskirche nach epd-Informationen für jede getätigte Übernachtung im Wildbad Geld obendrauf. Pro Jahr ist so eine sechsstellige Summe zusammengekommen.
Angesichts der sinkenden Finanzmittel der Landeskirche war damit das Aus für das Wildbad in landeskirchlicher Trägerschaft besiegelt worden.
Der bayerische Landesbischof Christian Kopp sagte, es erfülle ihn mit Zuversicht, „dass das Wildbad in neuer Form weiterbestehen wird und auch in Zukunft vielen Menschen eine Heimat bieten kann”. Und auch Rothenburgs Oberbürgermeister Dr. Markus Naser ist mit der neuen Entwicklung zufrieden: „Es freut uns sehr, hier einen gemeinsamen Weg gefunden zu haben. Das Wildbad ist ein historisches Juwel, dessen Fortbestand uns am Herzen liegt. Auch die Öffentlichkeit in Rothenburg wünschte sich sehr, dass der Weiterbetrieb des Wildbads unter neuer Trägerschaft gelingt.“