Weil das Wildbad der evangelischen Landeskirche Verluste beschert, will sie den Betrieb dort Ende 2025 einstellen und die Immobilie verkaufen. Genau beziffert wurde das Defizit bisher nicht. Eine konkrete Zahl steht aber seit gestern im Raum. Sie lautet 6720 und soll bei den Entscheidern in München als starkes Signal ankommen.
6720, das ist die Zahl der Unterschriften, die in Stadt und Umland innerhalb weniger Wochen für die Fortführung des Hauses in der bisherigen Form gesammelt wurden. Die Listen mit den Namen der Menschen, die das Anliegen unterstützen, übergab gestern Christine Birmann, die die Aktion mit Camilla Ebert initiiert hatte, zusammen mit weiteren Unterstützern an Dekanin Jutta Holzheuer.
Der Kirchenvertreterin war die Situation keineswegs unangenehm, denn sie gehört selber zu denen, die sich für das Wildbad eine Zukunftslösung wünschen, welche es ermöglichen würde, das Haus so weiter zu nutzen wie bisher. Die Dekanin kündigte bei der Entgegennahme der Listen in ihrem Büro an, diese nach Möglichkeit noch in dieser Woche persönlich an Regionalbischöfin Gisela Bornowski weiterzureichen. Geplant sei, dass die Regionalbischöfin die gesammelten Unterschriften dann in München an Landesbischof Christian Kopp übergibt.
Es sei zu hoffen, dass dieses beeindruckende Zeichen der Solidarität aus der Bürgerschaft in den Entscheidungsgremien in München etwas bewirke, meinte Christine Birmann. Viele der Unterschriften seien über eine Online-Petition eingegangen. Andere Bürgerinnen und Bürger hätten sich auf Unterstützungslisten eingetragen, die in der Stadt auslagen. Hierfür gelte den beteiligten Geschäften ein besonderer Dank, so Christine Birmann.
Mit der Abgabe der Unterschriftenlisten werde die Aktion nun aber nicht enden. Jetzt gehe es ans inhaltliche Ausgestalten der Bemühungen, den Verlust des Wildbads als wichtiges geistiges und kulturelles Zentrum zu verhindern. Zahlreiche Unterzeichnerinnen und Unterzeichner seien bereit, in eine entsprechende Ideenschmiede ihr Fachwissen einzubringen, um das Wildbad mit seiner engagierten Belegschaft „auf ein tragfähiges, zukunftsfähiges Gerüst zu stellen.“ Im Vorgriff darauf sei bereits bei Stiftungen, Unternehmen, Vereinen und anderen Institutionen angefragt worden, ob es für sie vorstellbar wäre, sich an der Weiterführung des Wildbades finanziell zu beteiligen.
Auch öffentlich-rechtliche Stellen seien aufgerufen, am Finden neuer Wege für das Wildbad mitzuwirken, allen voran die Stadt Rothenburg, für die das Wildbad eine wichtige Funktion als Anziehungspunkt habe. Es gebe im Übrigen erste positive Signale vonseiten der Landeskirche, wonach zwar die getroffene Entscheidung nicht rückgängig zu machen sei, es aber „durchaus Offenheit gegenüber neuen Konzeptionen unter Beteiligung der Kirche gibt“, meinte Christine Birmann weiter.
Diese Einschätzung bestätigte Dekanin Jutta Holzheuer. „Fix ist da noch nichts in München“, formulierte sie. Nach ihrer Kenntnis habe es bisher noch keine Gespräche mit möglichen Investoren gegeben und auch noch keine konkreten Schritte, die Immobilie zu vermarkten. Klar sei aber schon, dass bis Ende 2025 eine andere Trägerschaft gefunden werden müsse, und zwar mit einer Finanzausstattung, die die Fortführung des Betriebs und das Bezahlen anfallender Rechnungen sicherstellt.
„Schön wäre ein Investor, der nicht nur an einem Hotelbetrieb Interesse hätte, sondern offen wäre für alles andere, was das Wildbad bisher ausmacht“, so die Dekanin. Das Negativ-Szenario wollte sie aber auch nicht unterschlagen: „Der Worst Case wäre, dass sich keine Lösung findet und das Wildbad leer steht.“