Es war kalt und klar am 22. Februar 1945 – am Tag, als die Bomber kamen. Damals starteten die alliierten Truppen unter dem Kennwort „Clarion“ ihre gewaltige Luftoffensive gegen das deutsche Verkehrsnetz. Ziel war es, die wichtigsten Straßen- und Eisenbahnknotenpunkte in ganz Deutschland zu zerstören. Dazu gehörte der Ansbacher Bahnhof mit den Gleisanlagen.
Bei den Luftangriffen warfen amerikanische Flieger insgesamt etwa 3000 Sprengbomben über Ansbach ab. In der ersten Angriffswelle am 22. Februar attackierten 143 Bomber über eine Stunde lang den Güterbahnhof, Fabriken und die vier wichtigen Bahnlinien in Richtung Nürnberg, München, Stuttgart und Würzburg. 1680 Sprengkörper detonierten zur Mittagszeit, rissen tiefe Krater in die Straßen und entfachten Brände auch in Wohngebieten – etwa an der Feuchtwanger Straße am damaligen Krankenhaus.
Nur wenige Menschen waren zuvor in die Luftschutzkeller geflüchtet, denn kaum jemand hatte mit einem Angriff auf Ansbach gerechnet. Der Grund für die verhängnisvolle Sorglosigkeit war, dass schon seit Anfang 1945 fast täglich Bomberpulks der US-Streitkräfte über der Stadt zu beobachten waren: Flugzeuge auf dem Weg nach Nürnberg oder München, deren Piloten die tödliche Fracht dort abluden. Die kleinere Stadt Ansbach hatten sie bis dato ignoriert und verschont.
Am 23. Februar 1945 formierten sich nochmals 109 Flugzeuge über Ansbach. Sie vollendeten mit mehr als 1200 Sprengkörpern während eines halbstündigen Angriffs das Zerstörungswerk, indem sie nun gezielt den Bahnhof für Personenverkehr attackierten.
Dort standen noch etliche Züge, die durch die Bombardierungen vom Vortag am Weiterfahren gehindert worden waren. Manche Waggons waren mit Munition und Versorgungsnachschub gefüllt, in anderen lagen verwundete Soldaten, die auf der Heimreise waren. Am Nachmittag des 23. Februar war das gesamte Bahnhofsviertel ein Trümmerfeld.
Mehr als 450 Menschen starben im Bombenhagel, mindestens ebenso viele erlitten Verletzungen. Getötet wurden vor allem Frauen und Kinder sowie Alte und Kranke, denn die gesunden jungen Männer waren an der Front. Keine Chance hatten zum Beispiel die Krankenschwestern des im Bahnhof eingerichteten Lazaretts, die in den Splittergräben am Bahnhofsvorplatz Schutz gesucht hatten.
Während die Namen der getöteten Ansbacherinnen und Ansbacher bekannt sind, wissen wir wenig über die Auswärtigen, die bei den Luftangriffen ums Leben kamen. Die Kriegsgefangenen, die in Ansbacher Fabriken zum Arbeiten eingesetzt waren und dort Opfer der Bomben wurden, sind in den Todesanzeigen der Zeitung nicht zu finden. Auch die verletzten Soldaten auf Durchreise, die in den Zügen starben, tauchen in der nach dem Krieg erstellten offiziellen Liste der Ansbacher Opfer nicht auf.
Ein Drittel der Bewohner Ansbachs war obdachlos nach dem 22. und 23. Februar 1945. Von den knapp 3000 Wohnhäusern im Stadtgebiet wurden mehr als 800 beschädigt oder total zerstört.
Die Stadt Ansbach erinnert dieses Wochenende mit mehreren Veranstaltungen an die Luftangriffe vor 80 Jahren. Am Samstag findet um 11.45 Uhr eine Gedenkfeier am Bahnhofsplatz statt. Im Anschluss ist eine Stadtführung zum Thema Nationalsozialismus und Kriegsende in Ansbach geplant. Um 18 Uhr ist in der Gumbertuskirche ein Requiem des britischen Komponisten John Rutter zu hören.
Am Sonntag wird um 11 Uhr ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in St. Johannis gefeiert und ein Kranz am dortigen Ehrenmal niedergelegt. An beiden Tagen werden zur Mittagszeit die Glocken läuten.