Millionen für sauberes Wasser: Was hinter den Investitionen in Wilhermsdorf steckt | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 11.08.2025 12:56

Millionen für sauberes Wasser: Was hinter den Investitionen in Wilhermsdorf steckt

Klärwerksleiter Julian Scheuenstuhl führte die Interessierten durch die Anlage.<br> (Foto: Heinz Wraneschitz )
Klärwerksleiter Julian Scheuenstuhl führte die Interessierten durch die Anlage.
(Foto: Heinz Wraneschitz )
Klärwerksleiter Julian Scheuenstuhl führte die Interessierten durch die Anlage.
(Foto: Heinz Wraneschitz )

Fast sechs Millionen Euro hat der Zweckverband Abwasserbeseitigung Oberes Zenntal (ZOZ) in den vergangenen vier Jahren in seine Kanäle und die verbandseigene Kläranlage gesteckt. Bei einem Ortstermin in Wilhermsdorf informierte die Verbandsvorsitzende Dr. Birgit Kreß aber über mehr als nur die jüngere Vergangenheit.

Zu diesem Treffen im Zenngrund an der Wilhermsdorfer Wiesenstraße hatte die Markt Erlbacher Bürgermeisterin nicht nur ihre beiden Vertreter, Bürgermeisterin Claudia Wust aus Neuhof und Bürgermeister Uwe Emmert aus Wilhermsdorf, sowie die Verbandsbeiräte und Ratsmitglieder der drei Gemeinden eingeladen. Das Klärwerkspersonal mit Familien war ebenfalls anwesend. Viele interessierte Bürgerinnen und Bürger aus den drei Kommunen nutzten ebenfalls die Gelegenheit, sich auf dem Klärwerksgelände umzusehen. Für viele war es der erste Besuch.

Von den insgesamt 5,78 Millionen Euro teuren Investitionen konnten die Gäste aber nur wenig in Augenschein nehmen. Da gab es etwa die Klärschlammpresse, die etwa Ende 2021 für 680.000 Euro angeschafft wurde. Zu sehen waren ferner die Photovoltaik-Anlagen – auf mehreren Betriebsgebäuden angebracht, decken sie zusammen etwa ein Sechstel des Strombedarfs des Klärwerks ab.

Das meiste Geld wurde aber für unterirdische Bauwerke verwendet. Kreß listete den Regenüberlauf mit Stauraumkanal bei Eschenbach für 1,05 Millionen, zwei Überläufe in Wilhermsdorf für 1,5 Millionen sowie den aktuellen Regenüberlauf an Weingartenweg und Neuer Straße in Markt Erlbach für 2,1 Millionen Euro auf.

Monatelange Sperren und Behinderungen

Von den Baumaßnahmen haben die Nutzenden der Straßen in den Kommunen allein schon deshalb viel mitbekommen, weil diese teils monatelange Sperren oder Behinderungen mit sich brachten.

Fast alles sei aber passiert, weil in der im Jahre 2017 erteilten neuen Betriebserlaubnis für weitere 20 Jahre entsprechende Auflagen gemacht worden waren, erläuterte die Verbandsvorsitzende. Weil die drei Gemeinden in zwei Landkreisen liegen, seien auch zwei Wasserwirtschaftsämter – Nürnberg und Ansbach – und zwei Landratsämter für die Genehmigungen zuständig. Das wiederum sei auf die Geschichte des ZOZ zurückzuführen

Bei der Gründung waren der heutige Erlbacher Ortsteil Eschenbach sowie Wilhermsdorf und Neuhof Partner – damals gehörten noch alle zum Altlandkreis Neustadt. Mit der Kreisreform 1972 wechselte Wilhermsdorf jedoch nach Fürth-Land.

Kapazität des Klärwerks reicht aus

Doch trotz der späteren Erweiterung des Verbandsgebiets um das Markt Erlbacher Kern-Ortsgebiet und die in allen drei Gemeinden entstandenen und noch geplanten Gewerbe- oder Wohngebiete müsse niemand Angst haben, die Kapazität des Klärwerks reiche nicht aus. Kreß sprach von einem ausreichenden „Puffer“, den die aktuellen 10.699 „Einwohnerwerte“ der Anlage böten.

Auch die Gefahr, die hohen Investitionen der vergangenen Jahre könnten stark steigende Abwassergebühren nach sich ziehen, stellte die Verbandsvorsitzende in Abrede. Zwar sei die Gebühr von 2,50 Euro pro Kubikmeter schon seit 2009 nicht mehr erhöht worden, doch wegen einer aufgebauten Drei-Millionen-Euro-Rücklage hätte zuletzt nur ein Kredit über anderthalb Millionen Euro aufgenommen werden müssen. Dessen Kosten fielen nur mit Abschreibungen und Zinsen bei der notwendigen Neukalkulation des Abwasserpreises ins Gewicht, so Kreß. Einen genauen Betrag nannte sie jedoch nicht.

Dass „im Zweckverband alles gut und geräuschlos“ laufe, liege vor allem „am Wichtigsten, dem Personal”. Das komme aus den drei Verbandsgemeinden; selbst Julian Scheuenstuhl, der neue Chef des Werks, habe hier seine Ausbildung durchlaufen, erwähnte Birgit Kreß.

So lag es auch an Scheuenstuhl, den Gästen die Anlage bei einem Rundgang nahezubringen: Zulauf, Sandfang, Vorklärung, zwei Biologie-Systeme für Nitrat- und Ammonium-Abbau, Nachklärung, Auslauf zum „Vorfluter“ Zenn, Klärschlammpresse, Klärgas-Produktion und Verstromung über Motoren sowie nicht zuletzt das Betriebsgebäude mit Labor und Technik-Warte wurden erläutert.

Klärschlamm wird zu Brennstoff

Zwischen 1200 und 1300 Kubikmeter Abwasser werden an normalen Tagen dem Klärwerk über eine Strecke von inzwischen 85 Kilometer zugeführt und dann gereinigt an die Zenn abgegeben. Etwa zwölf Stunden dauert allein die Reinigung in den beiden Biologie-Stufen für Nitrat und Ammonium. Von den insgesamt etwa 620.000 Kubikmetern Abwasser im Jahr bleiben am Ende zirka 500 Tonnen ausgepresster Klärschlamm mit rund 25 Prozent Trockensubstanz übrig.

Diese werden meist in der Biogasanlage in Mausdorf getrocknet und dann an Kraftwerke als Brennstoff oder für die Betonproduktion abgegeben. Der Klärschlamm wird in einem Faulturm vergoren. Das entstehende Faulgas verarbeiten Motoren zu etwa 260.000 Kilowattstunden Strom, der den Klärwerksbedarf von 385.000 Kilowattstunden pro Jahr zu zwei Dritteln deckt.


Von HEINZ WRANESCHITZ
north