Am Samstag, 8. März, wird der Internationale Frauentag gefeiert. Ist der Termin auch für die Region ein wichtiger? Und wie sehen die Frauen hier ihre Rolle in der Gesellschaft? Fünf Protagonistinnen haben ihre Gedanken mit der FLZ geteilt.
Tanja Simon (47) arbeitet als Buchhalterin in Neustadt. Die Obernesselbacherin (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) ist unter anderem aktiv im Bündnis gegen Rechts NEA und im Posaunenchor Unternesselbach.
Bis vor ein paar Jahren ist der Internationale Frauentag eher an mir vorbeigegangen. Doch dann kam meine erwachsene Tochter von einem Auslandaufenthalt in Chile zurück. Sie meinte: „Dort ist das ein Riesending, die Frauen feiern dort und gehen auf die Straße.“ Das hat mir zu Denken gegeben.
Mag sein, dass dieser Tag in anderen Ländern wichtiger ist, weil dort die Frauen weniger Freiheiten haben als wir. Doch in Zeiten, in denen Parteien auf dem Vormarsch sind, die wieder Verhältnisse einführen wollen wie vor 100 Jahren, müssen wir aufpassen, dass wir unsere Rechte nicht wieder verlieren. Aktuell finde ich, dass es uns als Frauen in der Gesellschaft gut geht. Doch wir könnten uns gerne weiter vorne zeigen.
In Parteien oder in Unternehmen zum Beispiel, da sitzen auf den höheren Positionen zu oft noch Männer. Jede Frau, die es möchte, sollte Vollzeit arbeiten dürfen.
Simone Machalett (51) wohnt in Ickelheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) und arbeitet als Bauzeichnerin und Bürokauffrau. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. In ihrer Freizeit engagiert sie sich als Vorsitzende im Bläserchor Reusch.
Ich fühle mich mittlerweile im Beruf gleichberechtigt, ernstgenommen und geschätzt. Ich weiß, was ich kann. Aber früher war das anders. Da musste ich mich schon auf die Hinterbeine stellen und mich als Frau in dem Beruf als Bauzeichnerin beweisen. Es wird nämlich immer direkt davon ausgegangen, dass man kein technisches Verständnis hat.
In der Männerwelt müssen wir Frauen immer wieder unseren Platz erkämpfen. Wir werden oft belächelt und in die Ecke gestellt. Wir müssen mehr geben, mehr investieren, uns mehr weiterbilden, um das Gleiche zu bekommen.
Den Weltfrauentag feiere ich in dem Sinne nicht, aber ich finde ihn sehr wichtig als Wertschätzung. Wir Frauen leisten sehr viel in Familie und Beruf. Das bedeutet: Doppelbelastung!
Ich weiß es sehr zu schätzen, dass wir in einem Land leben, in dem wir doch viele Rechte genießen, die viele Frauen in anderen Ländern nicht haben. Ich finde, dass wir Frauen auf der ganzen Welt die selben Rechte haben sollten. Und finde es sehr wichtig, dass Organisationen darum kämpfen.
Anorthe Münz (28) kommt aus Elpersdorf bei Ansbach und hat im Geburtshaus in Meinhardswinden als Hebamme gearbeitet. Aktuell ist sie in Coimbatore/Indien, um dort ein Geburtshaus aufzubauen.
Als ich in Deutschland gelebt habe, ist mir der Weltfrauentag ein Begriff gewesen, gefeiert habe ich ihn jedoch nicht bewusst. Vielleicht liegt das daran, dass ich mein Leben als Frau sehr selbstbestimmt leben konnte und keine Einschränkungen des Frau-Seins gespürt habe. Außerdem ist mein Beruf der Hebamme in der Gesellschaft sehr angesehen.
In Indien ist der Weltfrauentag sehr präsent, was ich schön finde. „Happy Women‘s Day“ heißt es vielerorts. Ich frage mich aber: „Wird das auch im Alltag umgesetzt oder ist das eine große Show?“
Meine Frage an die werdenden Eltern „Na, was denkt ihr, wird es ein Junge oder ein Mädchen?“ wird in Coimbatore schichtunabhängig meist beantwortet mit: „Wir hoffen auf einen Jungen!“ Ich habe nach der ganzen geleisteten Geburtsarbeit schon in sehr viele traurige Frauengesichter gesehen – der Grund: Sie haben ein Mädchen geboren. Als Hebamme sehe ich hier ein wichtiges Aufgabenfeld: Frauen (und deren Familien!) aufzuzeigen, wie toll ihr Körper geschaffen ist und wie stolz sie darauf sein können, neues Leben auf die Welt bringen zu können.
Carola Reiner (31) ist Landwirtschaftsmeisterin und Agrarbetriebswirtin. Sie leitet in Berglein, einem Ortsteil der Gemeinde Oberdachstetten (Landkreis Ansbach), einen Milchvieh- und Schweinebetrieb.
In der männerdominierten Landwirtschaft muss ich mich immer wieder aufs Neue beweisen und meine Frau stehen. Ich wurde für ein Ehrenamt vorgeschlagen und ein Berufskollege hat sich gegen mich ausgesprochen, weil ich eine Frau und zu jung bin und keine Kinder habe. Die wenig stichhaltigen Argumente der Kritiker waren für viele andere dann aber nicht ausschlaggebend. Ich wurde aufgrund meiner fachlichen Kompetenz kurze Zeit später in das Ehrenamt berufen. Als Bauernverbandsvertreterin kann ich mich in einer zeitgemäßen Geschlechterrolle positionieren und für die Belange des Berufsstandes eintreten.
Den Frauentag halte ich für wichtig, um darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen nicht überall auf der Welt Rechte haben und gleichberechtigt sind. Auf dem elterlichen Betrieb habe ich als als Jüngste von drei Schwestern früh gelernt, früh Verantwortung zu übernehmen: für die Tiere und die Natur. Ich war eingebunden in alle Arbeiten auf dem Hof, kann jede Maschine fahren und bedienen. In der Schule habe ich mich als Klassensprecherin und Schulsprecherin eingebracht.
Meine Zukunft sehe ich in der Landwirtschaft in einem zukunftsfähigen Betrieb. Jeden Tag wird man vor neue Herausforderungen gestellt, aber man wächst mit seinen Aufgaben.
Helga Wörrlein-Ruhl (73) aus Gollhofen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) engagiert sich seit Jahrzehnten für Frauen, Kirche und Gesellschaft.
Den Frauentag braucht es noch, weil die volle Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau noch nicht erreicht ist. Zum Beispiel bei der Bezahlung oder bei der Besetzung höherer Positionen. Seit der Jugend setze ich mich für ein gelingendes Miteinander ein. Ich habe eine Evangelische Landjugendgruppe gegründet und war auf Kreis- und Landesebene aktiv. Dabei habe ich neue Impulse bekommen und bin deshalb von der Büroarbeit auf einen sozialen Beruf umgestiegen.
Ich bin als die Älteste von zwei Geschwistern aufgewachsen. Meine Eltern hatten einen kleinen Bauernhof. Über die Landjugend habe ich meinen Mann kennengelernt und in Gollhofen eingeheiratet. Frauenthemen und Bildungsarbeit waren mir immer wichtig.
Jahrzehntelang habe ich den Dekanatsfrauentag und jetzt den 40. Weltgebetstag organisiert, wenn es auch darum geht, Frauen zu stärken. Feministische Theologie, die sich mit der Emanzipation der Frau beschäftigt, finde ich höchst spannend.
Das Buch „Ein eigener Mensch werden“ von Elisabeth Moltmann-Wendel ist mir in vielen Lebenslagen Ratgeber und Bestätigung für mein religiös orientiertes Tun, achtsam durchs Leben zu gehen.