Das Führungsduo der Bezirkskliniken Mittelfranken sieht die Krankenhäuser trotz großer Herausforderungen auf dem richtigen Weg. Deshalb wollen die Vorstände Dr. Matthias Keilen und Stinne Fronius an ihrer Strategie festhalten.
In einem Pressegespräch warfen die beiden Vorstände zunächst einen Blick zurück auf das vergangene Jahr. Damals waren die Bezirkskliniken trotz bereits zuvor ergriffener Sicherheitsmaßnahmen Opfer eines Hackerangriffs geworden. „Wir sind auf dem Weg überfallen worden”, berichtete Keilen. Der Angriff verursachte Kosten in Millionenhöhe. Der Löwenanteil floss in den Wiederaufbau der Hard- und Software. Die IT-Landschaft wurde neu strukturiert.
Nun sei man noch schlanker und sicherer aufgestellt. Es sei zum Beispiel klar geregelt, welches Protokoll welche Sicherheitsstufe hat und wer darauf Zugriff hat. Ein neu geschaffenes Security-Team zeichne rund um die Uhr verdächtige Bewegungen auf.
Sowohl digital als auch analog gebe es Redundanz, also Reservesysteme, auf die man im Notfall zurückgreifen kann. „Langfristig hilft uns die Digitalisierung dabei, effizienter zu werden”. Auch wenn zunächst Aufwand nötig ist: „Das Aufräumen der Garage ist nur einmal schmerzhaft. Wenn klar ist, was wohin gehört, geht das automatisch”, so Keilen.
In der Apotheke werden die Medikamente für Patienten individuell verpackt und dem Patienten zur Verfügung gestellt. Damit wird Irrtümern vorgebeugt. Zusätzlich gibt es Notfallrechner, um die Informationen über nötige Medikamente schnell verfügbar zu machen.
Der offene Umgang mit dem Hackerangriff sorgte für großes Interesse in der Branche, denn viele Kliniken sind Ziel krimineller Online-Aktivitäten. Daher kamen zahlreichen Anfragen, wie die Bezirkskliniken reagiert haben und welchen Maßnahmen zur Vorbeugung sie ergriffen haben.
Zur digitalen Patientenakte legte Keilen ein klares Bekenntnis ab. Sie biete „unglaubliche Vorteile”, unter anderem weil die Daten dem Hausarzt sofort zur Verfügung stehen.
„Wir werden in Zukunft keine Psychiatrie mehr in den großen Bettenburgen sehen”, wagte Keilen eine Prognose. Stattdessen werde man ambulante und teilstationäre Angebote an allen Standorten ausbauen. Dazu gehört auch die aufsuchende Behandlung im eigenen Lebensraum der Patienten. Voraussetzung dafür sei die digitale Vernetzung, um überall aktuelle Daten zu haben.
„Bei psychischen Erkrankungen gibt der Patient den Ton an”, erläuterte Matthias Keilen. Je nachdem, was der Patient aushalten kann, werden individuelle Behandlungspläne geschaffen, nach denen die verschiedenen Berufsgruppen abgestimmt mit ihm arbeiten können. Der Einsatz könne zu Hause so manchmal sogar zielgerichteter erfolgen als in der Klinik. In Notfällen zum Beispiel, wie bei Suizidgefahr, gelte dies jedoch nicht
Es sei nicht eines besser als das andere, meinte Stinne Fronius dazu. Die Versorgungsangebote greifen durchlässig ineinander. Die Patienten würden über mehrere Stadien ihrer Erkrankung begleitet, und das Angebot müsse jeweils dazu passen.
Nach dem unter anderem durch den Hackerangriff verursachten Verlust im vergangenen Jahr wird wohl auch in diesem Jahr kein positives Ergebnis erzielt werden können. Die wirtschaftliche Situation sei für alle Kliniken herausfordernd, sagte Fronius.
Kostensteigerungen würden nicht ausreichend refinanziert. Die Soforthilfe für die Krankenhäuser sei zwar ein positives Signal, aber nur ein Einmaleffekt. Das grundsätzliche Problem werde dadurch nicht gelöst.
Aber: „Wir haben sehr leistungsfähige Kliniken”, so Fronius. Die strategische Ausrichtung stimme und bei den personellen Ressourcen sei man sehr gut aufgestellt.
Für eine gute Versorgung seien Investitionen notwendig, auch in Ansbach. Hier habe man historische Gebäude in einer „wunderschönen” Anlage. Diese seien aber „instandhaltungsintensiv”.
Die Nachfrage nach psychiatrischen Behandlungen steige, während es vor allem im niedergelassenen Bereich teilweise eine fehlende Versorgung gebe. Vor allem in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gebe es Fälle, in denen Patienten aufgrund dessen in schlechtem Zustand in die Klinik kommen. „Wenn Menschen Hilfe suchen, wäre ein Angebot im ambulanten Bereich die erste Stufe”, ist Keilen überzeugt. Aber manche Erkrankte fänden keine Termine oder würden so lange warten, bis eine Behandlung durch die Bezirkskliniken erforderlich ist.
Generell versuche man, zwischen den verschiedenen Sektoren im Gesundheitsbereich und den Klinikträgern in guter Partnerschaft im Sinne einer flächendeckenden Versorgung kreative Lösungen zu finden. Wer akut gefährdet ist, finde auf jeden Fall Aufnahme. Gerade im ambulanten Bereich gebe es aber auch bei den Bezirkskliniken Wartelisten.