Die Scheinfelder Gewerbewelt befindet sich offenbar im Umbruch. Dabei steht für die Stadt bislang ein Plus im Saldo der Ab- und Zugänge. Insbesondere hat man die vielseits gewünschte Ansiedlung eines Drogeriemarkts in Aussicht. Zu den Bauplänen gab der Stadtrat am Montagabend sein Einverständnis.
Bislang handelt es sich aber erst um eine Bauvoranfrage, die die Drogeriemarkt-Kette Rossmann offenbar direkt im Landratsamt Neustadt als Genehmigungsbehörde eingereicht hat, ging aus der Erläuterung von Stadtbauamtsmitarbeiter Jonathan Scheidig hervor. Das dafür vorgesehene Gelände liegt am Südring zwischen dem Getränkeproduzenten Heim und dem Parkplatz des Edeka-Markts.
Technisch sind offenbar noch einige Details zu klären, wie etwa die Frage, ob ein oder zwei Zufahrten möglich sind. Doch genau dazu sei eine Bauvoranfrage ja da, erklärte Bürgermeister Claus Seifert auf eine Nachfrage von Annemarie Mader (ÜWG). Scheidig ergänzte, das Umfeld sei ebenfalls Gewerbe, somit fügt sich eine Drogerie dort gut ein. Und der Standort gelte noch als Innenbereich: „Grundsätzlich ist so was an der Stelle genehmigungsfähig.“
Das Ratsgremium gab das vom stellvertretenden Bürgermeister Klaus Luckert erhoffte Signal eines einstimmigen Votums für den Drogeriemarkt.
Während sich solche Einzelhändler vorzugsweise an Einfallsstraßen ansiedeln, bekam in der Altstadt jüngst die Dienstleistungsbranche gleich dreimal Zuwachs. In der Hauptstraße eröffneten in verhältnismäßig kurzem Abstand eine Fußpflege („Fußpflege bei IF“), ein Dekorationsgeschäft („die Dekorei“) und ein Gastronomiebetrieb („Holzi’s Bistro“). Das entspricht dem von Bürgermeister Seifert schon vor Jahren prognostizieren Trend zu mehr Dienstleistungen statt Handel in den Innenstädten.
Die Fußpflege nahm vorigen Sommer ihren Betrieb in Scheinfeld auf. Irina und Kirill Frank hatten zuvor ihr Geschäft in Neustadt. Allerdings hatten sie vor einiger Zeit mal für ein Jahr in Scheinfeld gewohnt und fanden es dort recht schön, erklärt Kirill Frank. Da in Neustadt die Mieten anzogen, kauften sie sich in Scheinfeld ein Haus und mieteten sich mit ihren Geschäftsräumen in der Hauptstraße ein. Der Kundenandrang ist laut dem Paar ordentlich, mit den Füßen haben die beiden alle Hände voll zu tun.
Heuer im März zog dann in die ehemaligen AOK-Geschäftsräume die Dekorei ein. Die Dekorationsfirma hat laut Geschäftsführerin Laura Knauer bislang vier Festangestellte und rund ein halbes Dutzend Aushilfskräfte am Start. Die aus dem nahen Baudenbach stammende Unternehmerin hatte die Dekorei rund anderthalb Jahre in Sugenheim betrieben und suchte neue, größere Räumlichkeiten, die sie in Scheinfeld nach eigenen Angaben eher zufällig fand. Die Dekorei kümmert sich um dekorative Ausstattungen bei Events wie Hochzeiten oder anderen großen (Familien-)Festen. Das Publikumsinteresse, so sagt Knauer, sei etwa im Zuge des Frühjahrsmarkts enorm gewesen.
Jüngste Neuerung in der Hauptstraße ist ein Bistro, das seit Ostern in Betrieb ist. In den Räumen war vormals eine Filialbäckerei mit Café und davor ein kleiner Edeka-Markt. „Holzi’s Bistro“ wird von Michael Holzwarth betrieben. Er hat drei Festangestellte und ein Dutzend Hilfskräfte und spricht von einem guten Start. Eine echte (Wieder-)Belebung der Innenstadt werde es nach seiner Ansicht aber wohl erst geben, wenn die Altstadtsanierung zumindest die Hauptstraße wieder ansehnlicher gemacht hat.
Auf der Negativseite muss man indes den Abgang des ehemaligen Getränkevertriebs Hilf verbuchen, der seit geraumer Zeit zum Coburger Unternehmen Sagasser gehörte. Wohlgemerkt: Der Getränkeeinzelhandel derselben Firma bleibt am Standort an der Nürnberger Straße erhalten, der Mietvertrag mit den Grundstücksbesitzern, der Familie Hilf, läuft jedenfalls noch ein paar Jahre.
Betroffen von dem Rückzug ist aber das Großhandels- und Liefergeschäft, das Sagasser an seinen Standort bei Würzburg-Estenfeld verlagert hat. Dem Vernehmen nach – die Firma selbst nannte dazu auf Nachfrage unserer Redaktion keine Zahlen – waren von der Schließung etwa 30 bis 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen, die (wie es hieß) fast alle neue Jobs gefunden haben, beziehungsweise am neuen Standort in Estenfeld weiterarbeiten.
Für das fast zwei Hektar große Hilf-Areal gibt es laut Daniel Hilf verschiedene Interessenten. Wie ernsthaft diese Standortneugier ist, soll in den nächsten ein, zwei Monaten ausgelotet werden. Auf dem Gelände befinden sich mehrere Hallen und ein Bürotrakt mit, verteilt auf zwei Geschosse, rund 600 Quadratmeter Nutzfläche, erläuterte Daniel Hilf bei einem Ortstermin am Montag mit dem Stadtrat. Denn auch die Stadt erwägt, das Gelände zu erwerben und ihn zum Standort für die Stadtwerke beziehungsweise den Stadtbauhof auszubauen.
Ein weiterer Umbruch steht noch bevor. Der Edeka-Markt am Südring verliert zum Jahresende seine bisherige Betreiberin Claudia Schmidt. Die vormalige Vorsitzende der Scheinfelder Werbegemeinschaft bestätigte dies auf Anfrage. Wie es mit dem Supermarkt dann weitergeht, ist noch nicht öffentlich kommuniziert.