Ab 1. Januar steigen die Pflegegeldsätze um fünf Prozent. Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie der Lichtenauer Pfarrer und Vorsitzende des Diakonievereins, Claus Ebeling, findet. Er weist auf die prekäre Situation der Diakoniestation in dem Ort im Landkreis Ansbach hin.
Um die Finanzierung der ambulanten Pflege langfristig zu sichern, öffnet sich der Diakonieverein neuerdings auch für Mitglieder, die keiner Kirche angehören. „Unser Ziel ist, möglichst viele Menschen in Lichtenau an ihre soziale Verantwortung zu erinnern. Aus jedem Haushalt sollte wenigstens eine Person dem Verein beitreten“, wünscht sich Ebeling.
In der ambulanten Pflege sei „genügend Zeit für menschliche Zuwendung“ besonders wichtig, stellt er fest. Gerade dies sei aber nicht selbstverständlich angesichts der Situation in der Pflege, die sich immer weiter verschärfe. Ein Versprechen aus der Corona-Zeit, Pflegekräfte höher zu entlohnen, sei von politischer Seite nicht erfüllt worden.
„Aus jedem Haushalt sollte wenigstens eine Person dem Verein beitreten.”
Das Pflegegeld dient der finanziellen Unterstützung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Damit können auch Leistungen der ambulanten Pflege eingekauft werden. 2024 werden die Pflegegeldsätze nach sieben Jahren erstmals erhöht – jedoch bleibt die Steigerung „weit hinter dem zurück, was nötig gewesen wäre“, meint Ebeling. Weder dieses Budget, das Patienten abhängig vom Pflegegrad zur Verfügung steht, noch die Vergütung für die Leistungen der Mitarbeitenden erlaubten den Diakoniestationen ein kostendeckendes Arbeiten. „Für 2023 erwarten wir für den Diakonieverein Lichtenau ein Defizit von 93.000 Euro.“
Kritik äußert Claus Ebeling auch am Diakonischen Werk Bayern, dem Dachverband. Die Verantwortlichen, welche sowohl die Lohnerhöhungen als auch die Pflegetarife aushandelten, blieben mit ihren Forderungen „regelmäßig weit unter dem, was wir bräuchten, um die tariflichen Lohnsteigerungen und steigenden Sachkosten erwirtschaften zu können“.
An einem Beispiel veranschaulicht er die Auswirkungen: Ein 83-Jähriger mit Pflegegrad drei wird seit vier Jahren von seiner 82-jährigen Frau daheim und mit Unterstützung der Diakoniestation gepflegt. Den Betrag, der ihm für die Leistungen zur Verfügung steht, schöpfte er bisher voll aus. Da die Preise aber jährlich neu ausgehandelt werden, müsste er nun etwas zuzahlen, wenn er sie in gleichem Umfang wie bisher in Anspruch nehmen will.
Weil er und seine Angehörigen das nicht wollen, verzichten sie auf eine Teilwaschung im Monat – und sparen das Geld ein. Im Endeffekt bedeutet das: Die Familie hat zwar keine Mehrkosten, „aber die Diakoniestation hat auch keine Mehreinnahmen“.
Dabei bräuchte sie diese dringend, weil wegen der Tariferhöhungen auch die Personalkosten steigen. Um die Einnahmen zu erhöhen, können auch nicht beliebig viele neue Kunden angenommen werden, da die Station auf das Gebiet der Kirchengemeinden Lichtenau und Immeldorf begrenzt ist. „Für uns in Lichtenau reichen die Rücklagen – wenn sich nichts ändert – bis maximal Mitte 2025“, resümiert Ebeling. „Wir brauchen jetzt sofort ein Hilfsprogramm, das die Defizite ausgleicht.“
Ebeling denkt an einen Fonds, aus dem jährlich 1000 Euro pro Patient als Defizitausgleich an die ambulanten Stationen gezahlt werden sollten. Der Vorsitzende des Diakonievereins fordert eine Neuregelung der Sozialgesetzgebung sowie eine jährliche Erhöhung der Pflegesätze, die sich an den Tarifabschlüssen, dem Leistungskatalog und der Inflation orientiert. „Es braucht eine Anpassung an die Realität.“
Claus Ebeling weist darauf hin, dass die Diakonie in Lichtenau alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um effizienter und sparsamer zu arbeiten. „Wer noch mehr herausholen will, kann das nur auf Kosten der Qualität der Pflege tun. Dabei machen wir nicht mit.“
Auf der Internetseite www.diakonie-lichtenau.de gibt es mehr Informationen zum Diakonieverein. Dort ist auch die Beitrittserklärung zu finden.
Im Geschäftsjahr 2022 hatte der Diakonieverein Lichtenau einen Jahresfehlbetrag von rund 30.400 Euro zu verbuchen. Für 2023 wird ein Defizit von 93.000 Euro erwartet. Die Einnahmen decken kaum noch die Kosten der Station.