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Veröffentlicht am 08.11.2024 18:10

Pflegedienste stellen sich in Neustadt neu auf

Ralph Engelbrecht und Harry Scheuenstuhl sowie Andreas Schilling (von links) sehen eine gute Zukunft für die Sozialstation nach dem Zusammenschluss ihrer Pflegedienste unter dem Dach der Caritas. (Foto: Ute Niephaus)
Ralph Engelbrecht und Harry Scheuenstuhl sowie Andreas Schilling (von links) sehen eine gute Zukunft für die Sozialstation nach dem Zusammenschluss ihrer Pflegedienste unter dem Dach der Caritas. (Foto: Ute Niephaus)
Ralph Engelbrecht und Harry Scheuenstuhl sowie Andreas Schilling (von links) sehen eine gute Zukunft für die Sozialstation nach dem Zusammenschluss ihrer Pflegedienste unter dem Dach der Caritas. (Foto: Ute Niephaus)

Die Pflegedienste des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und des Caritasverbandes Scheinfeld und Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim schließen sich in Neustadt zusammen – unter dem Dach der Caritas. Die gemeinsame Sozialstation findet sich an der Ansbacher Straße.

Die Caritas übernimmt alle Mitarbeitenden, die bisher für das BRK im Einsatz waren, sowie die von ihnen betreuten Kundinnen und Kunden, sofern diese das möchten. „Die 15 Beschäftigen wissen Bescheid. Wir haben mit allen Einzelgespräche geführt, die positiv verliefen“, sagt Caritas-Geschäftsführer Andreas Schilling.

Es wird tendenziell teurer

Das BRK wird die rund 70 Kunden noch um Zustimmung bitten, ihre Daten an die Caritas weitergeben zu dürfen. Liegen diese vor, bespricht man seitens der Caritas mit jedem Einzelnen, welche Leistungen sie möchten, und macht ihnen dann einen Kostenvoranschlag, da sich die Preise ändern werden. Für die Klienten wird es tendenziell teurer. Grund: „Wir rechnen mit den von uns mit den Pflegekassen verhandelten Sätzen ab und die weichen von denen des BRK ab“, erläutert Andreas Schilling.

Kommt es zum Vertrag, geht die Versorgung nahtlos weiter. Das ist allen Beteiligten wichtig, sind die Menschen doch auf die Unterstützung durch den ambulanten Dienst angewiesen, unterstreichen BRK-Geschäftsführer Ralph Engelbrecht, Harry Scheuenstuhl, Vorsitzender des hiesigen BRK-Kreisverbandes, und Andreas Schilling.

Die Effizienz kann gesteigert werden

Was hatte die beiden Sozialverbände zu diesem Zusammenschluss bewogen? Eine fusionierte Sozialstation könne durch ihre Größe und ihr Ressourcenpotenzial besser im Wettbewerb agieren, was wiederum langfristig zu einer stabileren Beschäftigungssituation für die Mitarbeitenden führen kann, betont das Trio. Verwaltungsstrukturen können zudem optimiert und die Effizienz kann gesteigert werden. Zuversichtlich ist man ferner, dass die bisher zwei zusammengeführten Sozialstationen besser aufgestellt sind, um Fördermittel, Zuschüsse und andere finanzielle Unterstützungen zu erhalten.

Dies ist wichtig. Denn: „Die ambulante Pflege ist unterfinanziert“, erklärt Engelbrecht. Durch eine bestimmte Größe und einen entsprechenden Kundenstamm könne man versuchen, dies abzupuffern. „Die Größe haben wir aber nicht erreicht.“ Es haperte am Fachpersonal, das man nicht in der Zahl bekam, um neue Kunden hätte betreuen zu können, schildert der BRKler die Situation. Zuletzt versorgten 15 Mitarbeitende, zumeist auf Teilzeitbasis, rund 70 Kundinnen und Kunden.

Verluste wuchsen in den Vorjahren

In den vergangenen 25 Jahren, seit es den BRK-Pflegedienst gibt, wurde viel Herzblut in die Arbeit investiert. Allerdings nahmen in den vergangenen Jahren die Verluste stetig zu. im Jahr 2023 hatten sich diese, wie Harry Scheuenstuhl ausführte, auf rund 160.000 Euro belaufen.

Wieso entschied sich das BRK für eine Kooperation mit dem Caritasverband? Dessen rund 32 Mitarbeitende im ambulanten Pflegedienst betreuen rund 130 Klienten. Zwischen beiden Anbietern gebe es viele Gemeinsamkeiten – angefangen beim Einzugsgebiet. Beide Dienste versorgen im Bereich Neustadt, Emskirchen, Diespeck und Markt Erlbach Kunden. „So kamen wir ins Gespräch.“ Die Caritas hat darüber hinaus noch andere Gebiete, beispielsweise Scheinfeld.

Neue Perspektiven und innovative Ansätze

Das Zusammenlegen der beiden Sozialstationen und deren Teams kann neue Perspektiven und innovative Ansätze in der Pflege mit sich bringen. Das fördert die Entwicklung kreativer Lösungen und das Meistern von Herausforderungen, betonte man beim Gespräch mit unserer Zeitung. Fachkräfte, Fachwissen und Material könnten dadurch effizienter genutzt werden. So wird man künftig etwa auch nur noch eine Rufbereitschaft brauchen.

„Die Mitarbeitenden können von einem breiten Pool an Erfahrungen und Fähigkeiten profitieren. Eine größere Organisation hat möglicherweise bessere Möglichkeiten zur Weiterbildung und Qualifikation“, sagen Engelbrecht und Schilling.

Viel Herzblut investiert

Sie freuen sich, dass eine Mitarbeiterin, die den ambulanten Dienst beim BRK mit aufbaute, zum neuen Arbeitgeber wechselt. „Sie hat viel Herzblut in den Pflegedienst investiert.“ Die BRK-Pflegedienstleitung macht ebenfalls bei der Caritas weiter. Dies sei ideal, sagt Schilling, da die Caritas-Pflegedienstleitung schon bald in den Ruhestand gehen wird.

Profitieren können jedoch auch die Klienten, ist man sich sicher: Eine größere Sozialstation vermag flexibler auf deren Bedürfnisse einzugehen und ein umfassendes Dienstleistungsangebot aus einer Hand zu schaffen.

Entscheidung fiel nicht leicht

Einfach fällt es den BRK-Vertretern Ralph Engelbrecht und Harry Scheuenstuhl aber nicht, sich von ihrer Sozialstation zu verabschieden. Das merkt man auch im Gespräch. „Es war ein sehr emotionales Thema.“ Einfach abzusperren, ohne eine Chance, dass es weitergeht, war für sie keine Option.

Für das Duo ist es wichtig, zu wissen, dass die oftmals betagten Kundinnen und Kunden auch weiterhin gut versorgt sind. Das sei nun der Fall. Der Hausnotruf und „Essen auf Rädern“ bietet das BRK aber weiter an, wird betont. Auf diese Angebote sollen die Kunden hinweisen, betont Schilling. Jetzt beginnt der neue Weg: Die Fusion soll wirtschaftliche Sicherheit, Effizienz und einen Mehrwert für Mitarbeitende und Kunden bringen.

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