Große Teile der Holzverarbeitung der insolventen Ziegler Group aus der Oberpfalz mit Hunderten Mitarbeitern sind gerettet. Der fränkische Holzkonzern Rettenmeier mit Sitz in Wilburgstetten (Landkreis Ansbach) übernimmt das Geschäft und etwa 650 Mitarbeiter, wie Insolvenzverwalter Volker Böhm von Schultze & Braun mitteilte.
Nun haben auch die zuständigen Kartellbehörden die Freigabe erteilt, wie das Unternehmen am 5. März bekanntgab. Die Unternehmen werden künftig unter Rettenmeier Holzindustrie Plößberg GmbH firmieren. Ausgenommen sind hiervon die Prechtl GmbH Anlagen- und Maschinenbau sowie die Ruhland Druckluft & Systemtechnik GmbH, die ihre Firmierung beibehalten. .
Mit insgesamt 2300 Mitarbeitern in Deutschland, Lettland und der Slowakei gehört die Firma aus Wilburgstetten zu den drei größten holzbearbeitenden Unternehmen Europas. Das Sägewerk in Plößberg, das künftig unter dem Namen Rettenmeier geführt wird, ist mit einer Einschnittskapazität von 2,4 Millionen Festmeter der größte Sägewerksstandort Europas. Mit der Übernahme erhöht sich die Einschnittkapazität der Rettenmeier-Gruppe insgesamt nach ihren Angaben auf 6,2 Millionen Festmeter. Die Pelletkapazität steigt auf 465.000 Tonnen.
Dr. Stephan Lang, CEO der Rettenmeier Holding AG, erklärte dazu: „Ich freue mich auf die Übernahme des bisherigen Sägewerks der Ziegler Gruppe in Plößberg. Es ist ein hervorragender Standort mit sehr guten Nadelholzvorräten und vielen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern in der Umgebung, die uns zuverlässig beliefern können. Dies und die motivierten Beschäftigten des Sägewerks sind die wichtigsten Grundlagen, um das Sägewerk aus der vorläufigen Insolvenz in eine sichere Zukunft zu führen. Die Rettenmeier Holding AG ist fest entschlossen den Standort weiterzuentwickeln und das Sägewerk wieder zu einem bedeutenden Player in Europa zu machen.”
Die Ziegler Logistik konnte dagegen nicht gerettet werden. Sie stellt den Geschäftsbetrieb ein, rund 300 Mitarbeiter erhalten die Kündigung. Für weitere Bereiche läuft der Investorenprozess noch.
Rettenmeier übernimmt vier insolvente und zwei kleine nicht insolvente Geschäftsbetriebe. Alle Standorte sollen erhalten bleiben, ebenso der Großteil der Jobs. In der größten übernommenen Gesellschaft, der Ziegler Holzindustrie, sind es 516 von ursprünglich 665 Mitarbeitern.
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) begrüßte die Übernahme der Holzverarbeitung durch Rettenmeier als „gute bayerische Lösung“. Dies sei ein wichtiges Signal für tausende Waldbesitzer und das gesamte Cluster Forst & Holz. „Das Sägewerk ist ein wichtiger Abnehmer für Holz der privaten Waldbesitzer und der Bayerischen Staatsforsten. Hochwertige Holzprodukte made in Bayern sind ein wichtiges Zukunftsfeld“, betonte er. ”Die Entschlossenheit der Rettenmeier Holding AG zeigt, dass Bayern der wichtigste Produktionsstandort für hochwertige Holzprodukte in Deutschland ist”, so der Minister in einer Pressemitteilung.
Aiwanger hatte im vergangenen Sommer die Zentrale von Rettenmeier in Wilburgstetten bei Dinkelsbühl besucht. Das Unternehmen hat schon bisher insgesamt 1600 Mitarbeiter und 70 Auszubildende an sechs Standorten in Deutschland, Lettland und der Slowakei.
Der Sitz in Wilburgstetten mit knapp 500 Beschäftigten liegt an der Grenze von Bayern und Baden-Württemberg in einer Region, in der fast 50 Prozent des gesamten Nadelholzbestandes Deutschlands wachsen. Zu der Firmengruppe gehört auch ein Standort in Burgbernheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) mit rund 55 Mitarbeitern.
© dpa-infocom, dpa:250131-930-361373/1