Es ist ein altes, neues Projekt, was am Ortsrand von Herrieden umgesetzt werden soll: Für das Nahversorgungsquartier „Am Wasserturm” ist nun der symbolische Spatenstich erfolgt.
„In ein paar Monaten”, so die allgemein geäußerte Hoffnung der Projektbeteiligten, soll es dann tatsächlich losgehen mit den Bauarbeiten auf dem insgesamt rund 1,3 Hektar großen Areal. Hinter diesem Fragezeichen verstecken sich auch die Erfahrungen der Vergangenheit: Bereits 2014 hatte es für einen Standort in Mühlbruck erste Überlegungen gegeben, ein weiteres Nahversorgungszentrum zu etablieren. Der nächste Versuch zielte auf ein Gebiet in Nachbarschaft der Christuskirche ab, musste nach einem Gerichtsentscheid aber verworfen werden. „2020 haben wir uns dann gleich ans Werk gemacht, um das Projekt zu realisieren”, blickte Bürgermeisterin Dorina Jechnerer bei dem offiziellen Termin zurück.
Tatsächlich vergingen aber auch nach dem erfolgreich abgeschlossenen Ankauf der nötigen Grundstücke noch Jahre, ehe das Genehmigungsverfahren abgeschlossen war und die Planungen konkret werden konnten. „Viele Rechtsanwaltsschreiben” und Einwendungen von kommerziellen Mitanbietern galt es zudem zu moderieren. „Jetzt schlagen wir ein neues Kapitel auf”, befand Jechnerer, weil es mit der Umsetzung des Nahversorgungsquartiers auch im nordwestlichen Bereichs Herrieden eine gut erreichbare Einkaufsmöglichkeit gebe.
Entwickelt hat das Projekt die städtischen Verwaltung gemeinsam mit Ratisbona Handelsimmobilien aus Regensburg, der Kiermeier-Unternehmensgruppe aus Straubing und der Biber-Holding aus Regensburg, die auch als Bauträger fungieren. Rund 13.000 Quadratmeter ist die in weiten Teilen bereits vorbereitete Fläche groß. Das derzeit noch vorhandene Flachgebäude, in dem momentan ein Friseur und ein Automatenservice vertreten sind, wird im Zuge der Umgestaltung abgerissen.
„Bis zum vierten Quartal 2027”, so die offizielle Voraussage der beteiligten Unternehmen, soll hier ein kleines Einkaufszentrum entstehen. Geplant ist eine Verkaufsfläche von etwa 3100 Quadratmetern, den sich in der Hauptsache ein Edeka-Markt, ein Netto-Markt und ein dm-Drogeriemarkt teilen. Diesen Kern sollen ergänzende Nutzungen wie ein Friseur, ein Asia-Imbiss und eine Bäckerei komplettieren. Im Idealfall profitieren die „kleineren” Geschäfte bei diesem Branchenmix von der Kundenfrequenz der Vollsortimenter.
Die insgesamt 4900 Quadratmeter große Mietfläche wird nach den Ausführungen der Entwickler „durch eine leistungsstarke Mobilitätsinfrastruktur ergänzt”. Will heißen: 157 Stellplätze sollen für eine reibungslose Erreichbarkeit sorgen. Zudem werden Lademöglichkeiten für E-Autos und Abstellanlagen für Räder geschaffen. In einem weiteren Schritt soll auch die Situation für den fußläufigen und den Rad-Verkehr in dem Bereich verbessert werden.
Ohnehin spielte auch die optische Aufwertung des Areals eine Rolle. Für einen viel befahrenen Ortsein- und -ausgang glänzt der neben der Staatsstraße in Richtung Ansbach gelegene Bereich bislang nicht mit überbordender Attraktivität. Nach den Ausführungen der Projektentwickler vereinten die Gebäude mehrere Vorteile in sich.
Das Erscheinungsbild werde über eine Holzfassade ansprechend gestaltet, zudem werden die Immobilien mit einer ressourcenschonenden Ausstattung aus Solarenergie, Batteriespeicher und Luft-Wärmepumpen versehen. Die Gestaltung der Außenflächen soll ökoeffizient erfolgen. In dem Zusammenhang war von den nachhaltigsten Lebensmittelmärkten der Welt die Rede, Bürgermeisterin Jechnerer sprach von einem „Rundum-sorglos-Paket”.
Noch völlig offen ist allerdings, ob der vom Stadtrat einhellig gewünschte Kreisverkehr im Rahmen der Umsetzung des Versorgungsquartiers doch noch Gehör beim Staatlichen Bauamt findet. Vor Jahren lag eine Genehmigung und Zusage einer Bezuschussung bereits vor, nach aktuellem Stand sei ein Kreisverkehr an dieser Stelle aber nicht förderfähig, heißt es von Seiten der Behörde. 7600 Fahrzeuge passieren diesen Bereich in 24 Stunden, mit dem Nahversorgungszentrum dürfte der Verkehr nicht weniger werden, argumentiert die Bürgermeisterin und findet: „Da sollten wir dranbleiben.”