Es geht um einen neuen Haustarifvertrag zwischen der Firma Staedtler und der IG-Metall. Die erste Verhandlungsrunde mit der Betriebsleitung war aus Gewerkschaftssicht „mehr als enttäuschend“, sagte IG-Metall Bezirksbevollmächtigte Eva Wohlfahrt am Rande eines Warnstreiks gestern vor dem Sugenheimer Werk.
Über 60 Angestellte des Stifteherstellers hatten sich vor dem Werkstor versammelt. Etwa 90 Prozent der Mitarbeiter stünden hinter einem eventuell drohenden Streik, meinte ein Staedtler-Mitarbeiter. Er sei zwar kein Gewerkschaftsmitglied unterstütze die Forderungen der IG-Metall aber voll und ganz.
Beim ersten Verhandlungstermin mit der Betriebsleitung hatte die IG-Metall als Inflationsausgleich acht Prozent Gehaltserhöhung gefordert, mindestens aber 250 Euro mehr. Wenn möglich sollen die Auszubildenden, die die Inflation noch härter treffe, „eine Schippe mehr bekommen“, sagte Wohlfahrt.
Der Arbeitgeber habe hingegen eine Nullrunde gefordert, hieß es. Zudem sollte die ganze Belegschaft wieder zur 40-Stunden-Woche zurückkehren. Im Gegensatz zu Gerüchten, die unter der Belegschaft kursieren, steht das 13. Monatsgehalt allerdings nicht zur Debatte, sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Reitlingshöfer. Ein Zankapfel sei allerdings der Zeitausgleich: Derzeit kann ein Staedtler-Mitarbeiter wählen, ob er 13 Prozent seines Gehalts oder drei Tage frei haben möchte.
Der Warnstreik in Sugenheim bildet den Auftakt für noch folgende Kundgebungen in den Staedtler-Niederlassungen in Nürnberg und Neumarkt. Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite findet morgen statt. Zur Kundgebung in Sugenheim war unter anderem Barbara März von der katholischen Betriebsseelsorge in Bamberg gekommen.
Staedtler ist vor fünf Jahren aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen. Seitdem gibt es Haustarife. Die anderen Stiftehersteller in Deutschland seien noch im Arbeitgeberverband. Dort stehen die Tarifverhandlungen im Herbst bevor, sagte Wohlfahrt. Die Gewerkschafterin ermutigte die Arbeitnehmer: „Ihr seid nicht allein.“ Auch in anderen Gewerken werde gerade hart um den Lohn verhandelt.