Was machen die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei in Bad Windsheim eigentlich im Winter? „Unglaublich viel und auf jeden Fall keine Pause“, sagt ihr Leiter Tobias Schmidt. Kein Tag gleicht dem anderen. Weil nämlich die Arbeiten in den kalten Monaten noch sehr viel stärker von der Witterung abhängig seien als den Rest des Jahres über.
Wenn die Temperaturen sinken und es kalt wird in Bad Windsheim, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Stadtgärtnerei der Winterdienst im Kurpark. „Weil der Park zum Wasserschutzgebiet zählt, übernehmen wir dort das Räumen und verwenden zum Streuen ausschließlich Split“, sagt Schmidt.
Davon werden bis zum Ende der kalten Jahreszeit rund 40 Kubikmeter benötigt. Insgesamt sechs Mitarbeiter der Stadtgärtnerei sind für den Winterdienst vorgesehen, eingeteilt in drei Trupps mit je zwei Personen. Wenn sie morgens um 5 Uhr starten, fährt einer den Schlepper, der andere greift zur Schaufel und übernimmt das Räumen von Treppen und Stegen per Hand.
Für die Pflege und Fütterung der Goldfische gibt es ebenfalls ein festes Team. Schließlich sollen die Tiere im Frühjahr wieder gesund und munter in den Springbrunnen im Kurpark umziehen. Rund 100 kleine und zwölf große Goldfische überwintern in gut temperierten Behältern im Gewächshaus der Stadtgärtnerei. Zwei Mal in der Woche gibt es etwas zu fressen für sie, einmal in der Woche wird der Luftfilter der Pumpe getauscht. So ist ausreichend Sauerstoff garantiert.
Wenn das Wetter für Arbeiten im Freien nicht geeignet ist, gibt es in den Gewächshäusern und auf dem Areal der Stadtgärtnerei genug zu tun. „Wir versuchen, einige Pflanzen selbst zu vermehren“, sagt Schmidt. So strecken bereits zahlreiche Duftgeranien ihre Blätter empor und warten auf den Frühling.
Nebenan liegen kleine weiße Döschen mit rotem Deckel. Darin lagern Samen. Sie stammen von den Pflanzen, die im Kräutergarten gereift sind. Die Döschen stehen auf kleinen weißen Zetteln. Und auf denen wiederum ist handschriftlich vermerkt, was in ihnen steckt: Borretsch, Mönchspfeffer und Löwenschwanz.
Das Winterquartier der Palmen ist schon seit Herbst gut gefüllt. Einige von ihnen sind mittlerweile so groß, dass ihre Blätter gegen das Dach stoßen. Bei Minusgraden kann das zum Problem werden. Denn sobald die Temperaturen sinken, wird auch das Dach der Gewächshäuser eisig. Die Palmenblätter gefrieren und gehen kaputt. „Wenn die Stadtgärtnerei voraussichtlich im Herbst 2026 an ihren neuen Standort umgezogen ist, werden wir solche Probleme hoffentlich nicht mehr haben“, sagt Schmidt.
Er wird die Wintermonate auch dazu nutzen, aktiv an der Planung der neuen Stadtgärtnerei mitzuwirken, in die er als Leiter „voll einbezogen“ ist. „Das ist wichtig“, betont Schmidt. Zudem sei die kalte Jahreszeit für die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei die Zeit, um Urlaub und Überstunden abzubauen, Lehrgänge zu besuchen, oder gemeinsam mit den Auszubildenden deren Berichtshefte durchzuarbeiten. Schmidt selbst will außerdem sein Büro bis zum Frühjahr neu einrichten, das er im März von seinem Vorgänger übernommen hatte. Bislang war keine Zeit dafür und Schmidt mehr draußen unterwegs als im Büro.
Wenig Zeit bleibt unterm Jahr auch für die Wartung der Maschinen. Deswegen werden solche Arbeiten ebenfalls in die kalte Jahreszeit verlagert, genauso wie das Umtopfen der Kakteen und Lorbeeren. In einem der Gewächshäuser stehen Blumenkästen aus Holz aufgereiht. „Die werden abgeschliffen, desinfiziert, repariert, neu gestrichen und im Frühjahr neu bepflanzt“, erklärt Schmidt.
Das Meer der Weihnachtssterne steht schon seit Oktober im Warmen. „Sie werden als Rohware geliefert und reifen bei uns nach“, sagt Schmidt. Angesichts der Nachhaltigkeit bedauert er, dass die Sterne nicht mehr wie sonst in Mittelfranken produziert werden, sondern aus dem Ausland kommen. „Wegen der Energiekosten.“ Freuen dürfen sich zum Beispiel die Stadträte über einen traditionell roten Weihnachtsstern als Präsent. Und auch Mitarbeiter der Kommune werden mit dieser dekorativen Zimmerpflanze beschenkt.
Zu den typischen Aufgaben der Stadtgärtner während der Wintermonate gehört das Schneiden der Hecken und anderer Gehölze. Ab Anfang Februar werden zudem die Stauden eingekürzt. „Eigentlich macht man das erst im April, aber wir müssen anders planen und bestimmte Arbeiten zeitlich vorziehen“, erklärt Schmidt, der koordiniert, wer wann was zu erledigen hat.
Und wer glaubt, dass die Stadtgärtnerei über die Weihnachtsfeiertage und Silvester verwaist ist, der irrt gewaltig. „Jeden Tag kommt jemand vorbei und schaut nach dem Rechten.“ Dabei wird vor allem ein Blick auf die Heizung geworfen. Wenn die nämlich ausfallen sollte, könnte es für einige der in den Gewächshäusern gelagerten Pflanzen kritisch werden. Außerdem brauchen sie ausreichend Wasser, so dass derjenige, der Dienst hat, das Gießen übernimmt. Und dann sind da ja noch die Fische, die gefüttert werden müssen. „Wir kümmern uns. Und das Schöne ist: Kein Tag ist wie der andere.“