Akrobat Lukas Aue: Wie ein Stuhl vom Widersacher zum Freund wird | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 24.04.2025 14:33

Akrobat Lukas Aue: Wie ein Stuhl vom Widersacher zum Freund wird

Alle kennen den Stuhl als Sitzmöbel. Wenn Akrobat und Pantomime Lukas Aue den Stuhl in den Blick seines ersten Solo-Projektes „Entglitten“ rückt, kommen noch andere Assoziationen ins Spiel. Am Freitag startet die Performance, der am Wochenende zwei weitere Aufführungen folgen werden, im Tanthe zur Ansbach-Premiere.

Akrobatik mit Stühlen begleitet Lukas Aue schon seit zehn Jahren, etwa mit einer Passage in der Spiel.Werk-Produktion „Undinge – Rituale im digitalen Alltag“. „Ein Stuhl“, so erklärt Aue, „lädt zum Hinsetzen ein, bietet einen Ort, um zur Ruhe kommen zu können, dient als Stütze.“

In einer Welt, die immer mehr aus den Fugen gerät, ständig neue Bad News auf die Menschen einprasseln, könnte der Stuhl da nicht etwas Sicherheit vermitteln? Was aber, wenn auch der Stuhl da nicht mehr wie gewohnt funktioniert, sich abzuwenden scheint, keinen Halt mehr gibt? Für den Protagonisten der Performance heißt das, dass ihm sein Leben entgleitet, er es nicht mehr im Griff zu haben scheint.

Die Leichtigkeit der Zirkuskunst

„Der Stuhl“, beschreibt der Akrobat seine Idee, „steht sinnbildlich für etwas, das Halt verspricht. In meiner Geschichte gibt die Person aber nicht auf, versucht sich immer neu auf die herausfordernden Veränderungen einzulassen und damit umzugehen.“ Akrobatik und Pantomime sind die Ausdrucksformen, mit denen Aue dies zeigen möchte. „Ich möchte schwierige Themen mit einer Leichtigkeit präsentieren“, ergänzt er. Es solle mehr als ein reiner Theaterabend sein, mit traditioneller Zirkuskunst, etwa Akrobatik und Pantomime, eine Geschichte oder ein Thema, nach Art des Zeitgenössischen Zirkus, darstellen.

Aue beschreibt das als „artistische Arbeit in einem theatralen Raum“. Erweitert wird der künstlerische Part um Videoanimationen von Stefan Kammerer sowie um Sound- und Grafikdesign von Boris und Benjamin Laible. Regie und Produktionsleitung hat Daniela Aue.

Lukas Aue zieht alle Register

Präsentieren konnte Aue sein Projekt erstmals im März in Karlsruhe. „Aber jeder neue Raum“, sagt er, „erfordert eine neue Anpassung“. Das Tanthe kennt er aus anderen Produktionen. „Alle Register“ möchte Aue ziehen, etwa mit Luftakrobatik, Handstand-Nummern, Pantomime oder auch Sprungakrobatik, seinen Traum vom Stuhl-Solo umsetzen.

„Meine Figur macht immer weiter“, beschreibt er seine Story, „findet zunächst keinen Halt mehr, flüchtet sich in eine digitale Welt der Stühle, rutscht ab in eine Alkoholsucht, aus der sie dann gerade ein Stuhl wieder herausholt.“ Nach und nach verändert sich auch die Rolle beziehungsweise die Persönlichkeit der Stühle, wandelt sich vom Widersacher zum Spielpartner. Wie der Protagonist auch damit umgeht, die Hoffnung nicht aufgibt und immer weitermacht“, zeigt „Entglitten“ am Wochenende. Mehr verraten möchte Lukas Aue aber vorab noch nicht.

Gespielt wird „Entglitten“ am Freitag, 25., und Samstag, 26. April, jeweils um 20 Uhr, sowie am Sonntag um 16 Uhr. Kartenreservierungen sind unter der Adresse karten@spielwerk-an.de möglich.

Lukas Aue kämpft in „Entglitten“ mit einem widerborstigen Sitzmöbel, das sich später als Spielpartner entpuppt. (Foto: Boris Laible)
Lukas Aue kämpft in „Entglitten“ mit einem widerborstigen Sitzmöbel, das sich später als Spielpartner entpuppt. (Foto: Boris Laible)
Lukas Aue kämpft in „Entglitten“ mit einem widerborstigen Sitzmöbel, das sich später als Spielpartner entpuppt. (Foto: Boris Laible)

Von Elke Walter
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