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Veröffentlicht am 20.02.2025 20:13

Ansbacher Alltag vor 100 Jahren: Die erste moderne Tankstelle

In der Woche ab Montag, 9. Februar 1925, gibt die Firma Th. Breit in der Schloßstraße 1 die Eröffnung der ersten „neuzeitlichen Benzin- und Benzoltankstelle“ in Ansbach bekannt. Das Unternehmen, das eigentlich mit Metall- und Haushaltswaren handelt, erschließt sich so einen weiteren Markt.

Die Fränkische Zeitung schreibt: „Durch diese mit geeichten Meßinstrumenten ausgestattete Anlage ist es möglich, allen Kraftfahrzeugen den erforderlichen Benzin- und Benzolbedarf in kürzester Zeit zuzuführen.“ Die Musteranlage sei die erste ihrer Art in ganz Nordbayern, die „alle Gefahrenmomente ausschließt“. Der Kaufmann Breit sei gerne bereit, die Anlage Interessenten vorzuführen. In einer großen Anzeige wirbt die Firma Breit für ihr „feinstes reines Benzin, erstklassiges Motorenbenzol“ sowie „Auto- und Mischöle“.

Wachtmeister von zwei Männern angegriffen

Das Traditionsgeschäft Breit war 1868 gegründet worden und seitdem im Anwesen Schloßstraße 1 beheimatet. Im Jahr 2003 – nach 135 Jahren – schloss es für immer seine Pforten.

Unter der Überschrift „Hohes Alter“ wird der 80. Geburtstag der Schneidermeisterswitwe Babette Hübsch vermeldet. Die Jubilarin, die ihren Ehrentag im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder verbringt, habe bis zuletzt noch „mühevoll gearbeitet“, schreibt die Lokalredaktion.

Der Schreiner Simon Friedrich S. und der Hilfsarbeiter Georg S. treiben an der Unterführung der Feuchtwanger Straße „groben Unfug“, wie es im Polizeibericht heißt. Als der Wachtmeister Schlund die beiden Radaubrüder zur Ruhe auffordert, wird er zu Boden gerissen und mit Fäusten traktiert. Schlund erleidet Verletzungen am Hinterkopf, im Gesicht und am Knie. Als ihm ein Kollege der Landespolizei zur Hilfe eilt, gelingt es, einen der Täter sofort und den anderen gleich darauf zu fassen. Beide Angreifer kommen in Haft.

Spenden für die Bergarbeiter-Familien

Bei Grabarbeiten zum Umbau der Kronacherstraße kommt ein „tonnenähnliches Gefäß“ zum Vorschein. Darin finden sich mehrere Münzen vom Anfang des 18. Jahrhunderts.

In Ansbach werden Spenden für die Bergarbeiter-Familien gesammelt, die bei einem Grubenunglück auf der Zeche „Minister Stein“ bei Dortmund Angehörige verloren haben. Am Donnerstag, 12. Februar, war es in der Zeche zu einer gewaltigen Schlagwetter-Explosion gekommen, der mehr als 130 Bergleute zum Opfer fielen.

„Das schwere Unglück hat in ganz Deutschland das tiefste Mitleid mit den mitten in der gefahrvollen Arbeit aus dem Leben geschiedenen Bergleuten hervorgerufen“, schreibt die Fränkische Zeitung, „besonders aber auch mit ihren Angehörigen, die mit dem schrecklichen Ende ihrer Lieben den Ernährer der Familie verloren haben“. Die Zeitung eröffnet eine Sammlung für die Witwen und Waisen, „die Gelegenheit bietet, dem Mitgefühl mit unseren von einem rauen Schicksal so hart heimgesuchten Volksgenossen auch werktätigen Ausdruck zu verleihen“.

Biergroßhandlung wird eröffnet

Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Borkholder ruft in der Stadtratssitzung dazu auf, der bedauernswerten Opfer des Grubenunglücks zu gedenken. Das schwer geprüfte Ruhrgebiet, über das in den letzten Jahren der „feindliche Einbruch“ der Franzosen so viel bitteres Leid verhängt habe, sei nunmehr auch der Schauplatz einer der schwersten Grubenkatastrophen geworden. Borkholder hält es für selbstverständlich, „daß die Stadthauptkasse sich mit einem entsprechenden Betrag beteiligt“. Die Höhe der Spende sei noch im Rat zu beschließen, so Borkholder.

Der ehemalige Brauereibesitzer Rudolf Walch übernimmt den Vertrieb der Spalter Biere in der Region. „Den geschätzten Einwohnern Ansbachs und Umgebung bringe ich hiermit zur Kenntnis, daß ich auf meinem früheren Brauereigrundstück, Schalkhäuserstraße 2, eine Biergroßhandlung eröffnet habe“, schreibt Walch in einer Anzeige. Im Angebot sind ein dunkles Spalter Exportbier mit 12 Prozent Stammwürze, die Halbliter-Flasche zu 32 Pfennig – „ein angenehm mundendes Tafelgetränk“. Und ein dunkles Spalter Starkbier „Kraftquell“ mit 14 Prozent Stammwürze, die Halbliter-Flasche zu 37 Pfennig – „ein vorzügliches Spezialbier“.

„Faschingsrumpel“ im „Grauen Wolf“

Im Gasthof „zum Pfau“ am Bahnhofsplatz gibt es täglich „Rundfunk-Konzerte, Vorträge, neueste Presse-, Börsen-, Geschäfts- und Wetterberichte, Zeitzeichen und Sprachkurse“. Auf Wunsch kann ein Tisch reserviert werden. Andreas Walther mit Frau geben der Einwohnerschaft zur Kenntnis, dass sie die Wirtschaft „Zur Neuen Welt“ in der Crailsheimstraße 6 übernommen haben. Zur Eröffnung gibt es am Samstag eine Schlachtschüssel mit Speck- und Leberwürsten. Am Sonntag folgt die eigentliche Eröffnung mit Musik. Zum Ausschank kommt „feinstes Hürnerbräu“. Fritz Edelhäuser und Frau laden am Samstagabend zum „großen Faschingsrumpel“ in die Gaststätte „Grauer Wolf“ ein. Zur Blechmusik der Kapelle Wurzen erscheinen die Gäste maskiert, die beste Maske wird preisgekrönt.

Die Kraftfahrzeuge der Faunwerke Ansbach-Nürnberg erzielen bei der Winterfahrt des ADAC in Garmisch-Partenkirchen Erfolge. Bei den Privatfahrern belegen sie bei den Kraftwagen bis sechs PS den ersten und fünften Platz, bei den Industriefahrern siegt der Ansbacher Dr. Eimer.

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Eine Aufnahme der Schlosskreuzung aus den 1920er-Jahren. Am Geschäft für Haus- und Küchengeräte der Familie Breit hängen Schilder, die auf die Benzin- und Benzol-Tankstelle ums Eck hinweisen. (Foto: Privat)
Eine Aufnahme der Schlosskreuzung aus den 1920er-Jahren. Am Geschäft für Haus- und Küchengeräte der Familie Breit hängen Schilder, die auf die Benzin- und Benzol-Tankstelle ums Eck hinweisen. (Foto: Privat)
Eine Aufnahme der Schlosskreuzung aus den 1920er-Jahren. Am Geschäft für Haus- und Küchengeräte der Familie Breit hängen Schilder, die auf die Benzin- und Benzol-Tankstelle ums Eck hinweisen. (Foto: Privat)
Anzeige der Firma Breit für die neue Tankstelle in der Schloßstraße 1. (Repro: Winfried Vennemann)
Anzeige der Firma Breit für die neue Tankstelle in der Schloßstraße 1. (Repro: Winfried Vennemann)
Anzeige der Firma Breit für die neue Tankstelle in der Schloßstraße 1. (Repro: Winfried Vennemann)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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