Aufforstung und Trockenheit: So steht es um die Wälder in der Region | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 01.08.2024 07:00

Aufforstung und Trockenheit: So steht es um die Wälder in der Region

Schon vor dem drohenden Ausfall des Waldbestandes soll ein flächiger Unterbau dafür sorgen, dass neue und besser an den Klimawandel angepasste Bäume nachwachsen. (Foto: FBG Westmittelfranken/Martin Brunner)
Schon vor dem drohenden Ausfall des Waldbestandes soll ein flächiger Unterbau dafür sorgen, dass neue und besser an den Klimawandel angepasste Bäume nachwachsen. (Foto: FBG Westmittelfranken/Martin Brunner)
Schon vor dem drohenden Ausfall des Waldbestandes soll ein flächiger Unterbau dafür sorgen, dass neue und besser an den Klimawandel angepasste Bäume nachwachsen. (Foto: FBG Westmittelfranken/Martin Brunner)

Nach den heißen und trockenen Sommern der vergangenen Jahre hat sich der Sommer 2024 aus Sicht der Vegetation bisher von seiner besten Seite gezeigt. Die Bäume im westlichen Mittelfranken sind gut mit Wasser versorgt und lange Hitzeperioden sind ausgeblieben. Das wirkt sich positiv auf die allgemeine Vitalität der Pflanzen aus.

Die neu gepflanzten Kulturen wachsen in diesem Jahr optimal und mit wenig Ausfällen. Das erklärt die Forstbetriebsgemeinschaft Westmittelfranken in einer Pressemitteilung. Obwohl die Fangzahlen der Borkenkäfer in den Monitoring-Stationen bayernweit auf Rekordniveau sind, hält sich der Schadholzanfall sowohl in der Region als auch in ganz Süddeutschland bisher in erträglichen Grenzen.

Nichtsdestotrotz müsse unbedingt der Umbau der Wälder hin zu mehr Klimastabilität vorangetrieben werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Während bei Fichtenwäldern ein planmäßiger Umbau kaum noch möglich sei und die Waldbesitzer damit beschäftigt seien, die entstandenen Kahlflächen aufzuforsten, habe man in den Kiefernbeständen noch die Chance, durch gezielte Maßnahmen einen fließenden Umbau herbeizuführen.

Große Freiflächen mit Brombeeren vermeiden

Die Kiefer komme demnach zwar mit Trockenheit deutlich besser zurecht als die Fichte, aber auch sie sei eine Baumart der nördlichen Hemisphäre und leide sehr unter langen Hitzeperioden. Das oberste Ziel müsse es daher immer sein, große Freiflächen mit überwuchernder Brombeere zu vermeiden. Diese seien der Alptraum jedes engagierten Waldbesitzers. Eine Lösung dafür ist der rechtzeitige Umbau von reinen Kiefernbeständen in stabilere Mischbestände.

Primäres Anliegen muss es laut der Mitteilung sein, schon vor dem drohenden Ausfall des Altbestandes einen neuen, besser an die Verhältnisse angepassten Bestand zu haben. Der Laubholzanteil unter den Kiefern nutze auch den Altbäumen durch ein verbessertes Innenklima im Bestand.

Einen gesunden Mischwald kann man laut der Mitteilung auf mehreren Wegen erreichen: vorhandene Naturverjüngung nutzen und fördern, großflächige Unterpflanzung unter aufgelichtetem Schirm oder gruppenweises Einbringen von Laubbäumen in vorhandene Bestandslücken. Das natürlichste Verfahren sei, die vorhandene Naturverjüngung zu nutzen. Das funktioniere aber nur, wenn alle Rahmenbedingungen passen. Vor allem der Wildverbiss müsse auf ein Minimum reduziert werden.

Altholzeinschlag ist ein wichtiges Element

Am häufigsten angewandt wird der Unterbau auf ganzer Fläche. Diese Methode hat jedoch den Nachteil, dass kontinuierlich eine nicht unbedeutende Menge alter Bäume entnommen werden muss, um dem Jungwuchs sukzessive mehr Licht zu geben. Wird dies allerdings nicht gemacht, leidet die Vitalität und Stabilität des Jungbestandes, was im Extremfall zu einem Totalausfall führen kann. Deswegen ist es hierbei äußerst wichtig, den Altholzeinschlag als wichtiges Element nicht zu vernachlässigen.

Die meisten Baumarten, die mit dem heiß-trockenen Klima gut zurechtkommen, dazu gehören zum Beispiel Eiche, Esskastanie, Kirsche oder auch Exoten wie Nussbaum oder Speierling, benötigen sehr viel Licht.

Das gelingt in Bestandslücken leichter als unter flächigem Schirm. Ein gesunder Waldbestand bestehe fast immer aus einer Mischung mehrerer Baumarten. Die höhere Stabilität komme daher, dass weniger Konkurrenz zwischen den Bäumen entsteht, weil sie unterschiedliche Ansprüche an Boden, Wasser und Licht haben. Außerdem kann ein Schädling nicht so einfach von Baum zu Baum springen und sich kilometerweit durch den Bestand fressen.


Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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