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Veröffentlicht am 05.02.2025 08:00

„Beginn eines neuen Zeitalters”: TV-Journalist Gutjahr spricht über die KI der Zukunft

Für Richard Gutjahr ist die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz „größer als die Erfindung des Buchdrucks, der Dampfmaschine und Tiktok zusammen“. Beim Jahresempfang des Lions Clubs Christiane Charlotte sprach der bekannte TV-Journalist zum Thema „KI oder KO? Wie Künstliche Intelligenz unser Leben auf den Kopf stellen wird“.

Die Lions-Frauen hatten den richtigen Riecher, als sie vor fast einem Jahr Richard Gutjahr als Redner anfragten. Das Interesse war riesig. Die Karlshalle war nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt. Und der Redner hatte sichtlich Freude daran, sein Wissen zu teilen. Er überzog seine angesetzte Redezeit gnadenlos. Doch die Zuhörerinnen – die Männer im Saal waren an einer Hand abzuzählen – hingen gebannt an seinen Lippen. Auch nach fast zwei Stunden kam kein bisschen Unruhe auf.

Schon lange technikbegeistert

Gutjahr hat sich in den vergangenen zwei Jahren ins Thema Künstliche Intelligenz tief eingearbeitet. Er hat schon früher durch seine Technikbegeisterung auf sich aufmerksam gemacht – 2010 hatte er Stunden vor einem Apple Store in New York ausgeharrt und war weltweit der erste iPad-Käufer. Im Silicon Valley im Westen der USA, wo alle großen amerikanischen Tech-Firmen ihren Sitz haben, trifft der 51-Jährige regelmäßig die Verantwortlichen bekannter und unbekannter Unternehmen.

„Wir sind am Beginn eines neuen Zeitalters“, stellte er in der altehrwürdigen Karlshalle fest. „KI wird Sie den Rest Ihres Lebens begleiten. Das Zeug geht nicht mehr weg.“ Entsprechend sei es wichtig, sich damit zu beschäftigen. Und so gruselig und erschreckend viele Entwicklungen auch sein mögen, es sei ganz entscheidend, mit Spaß und Neugier die Möglichkeiten zu erkunden.

Gutjahr erinnerte an Meilensteine in der Entwicklung der KI. 1997 gewann erstmals ein Computer gegen den amtierenden Schachweltmeister. Schon bald waren Rechner selbst von den besten Schachspielern nicht mehr zu schlagen. Ähnliches gelang in immer mehr Feldern. Und heute, wo zum einen enorme Rechenleistung und zum anderen Unmengen Daten aus dem Internet zur Verfügung stehen, hat die Entwicklung eine unbremsbare Dynamik ausgelöst. ChatGPT war erst der Anfang.

Der geteilte Mensch

„Die Maschine beginnt uns in allen Feldern zu schlagen“, stellte Gutjahr fest. Handschrifterkennung, Spracherkennung, Bilderverständnis, das Erkennen von Inhalten. In allen Feldern hat die KI den menschlichen Verstand überholt und kann Dinge in unglaublicher Geschwindigkeit erledigen.

Die großen Tech-Giganten arbeiten an Systemen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollen. Zoom will eine Technik auf den Markt bringen, mit denen die Nutzer nicht mehr selbst in Videokonferenzen gehen müssen, plauderte Gutjahr aus dem Nähkästchen. Sie können einen Avatar schicken und so an 20 Konferenzen gleichzeitig teilnehmen. Die Zusammenfassung, was dort von den Teilnehmern und vom eigenen Avatar gesagt wurde, bereitet im Anschluss die KI für den Nutzer auf.

Jeden Fan direkt ansprechen

Meta – der Konzern hinter Facebook, Instagram und Whatsapp – will es Influencern möglich machen, jeden einzelnen Fan direkt ansprechen zu können. Man stelle sich vor: Taylor Swift ist da, um den liebeskranken Teenager zu trösten, wenn auch nur virtuell. Gutjahr: „Da können Sie als Eltern nur verlieren.“

Eine andere Idee ist schon sehr weit gediehen. Die KI übersetzt die Texte von Videos in jede beliebige Sprache auf der Welt. Aus der Aufzeichnung eines Influencers im besten Fränkisch wird lupenreines Mandarin für den chinesischen Markt. Mit der Originalstimme und lippensynchron. Eine Entwicklung, die Inhabern von Film-Synchronstudios den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Wenn man heute ein Video von Donald Trump sieht, der mit vorgehaltener Waffe einen Supermarkt überfällt, ist klar, dass es sich um eine Fälschung handelt. Doch die Qualität dieser Deep Fakes wird immer besser und schon bald wird niemand mehr erkennen können, ob ein Foto wirklich echt ist oder nicht.

Gegeneinander aufhetzen

Junge Menschen würden fast schon zwangsläufig mit einer verdrehten Wahrnehmung aufwachsen. Als logische Folge daraus, wäre es ihnen irgendwann egal, was real ist. „Jeder sieht nur noch das, was er glauben möchte.“

Das könne natürlich genutzt werden, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen. „Das ist die Zukunft, in der wir leben werden.“ Deshalb wird aus Sicht Gutjahrs der wichtigste Faktor für die Zukunft das Vertrauen sein.

Musikalische Umrahmung

„Was wir bislang kennen, ist nur die Ouvertüre“, sagte er mit Blick auf die drei jungen Musikerinnen des Gymnasiums Carolinum, die Fachbereichsleiterin Franziska Argmann dem Publikum vorstellte. Angelina Kolb (Klarinette), Saskia Windhövel (Cello) und Annemarie Betz (Querflöte) umrahmten den Jahresempfang zusammen mit Musiklehrer Adam Szmidt musikalisch.

Das Tempo der technischen Entwicklung ist so enorm, dass es schwierig ist, dranzubleiben. Richard Gutjahr warnte aber davor, alleine wegen der Gefahren das Thema KI zu ignorieren. Für ihn ein ganz großer Vorteil: „Wir können alle nochmal bei Null anfangen.“ Noch gebe es keinen nicht aufholbaren Vorsprung. Deshalb ist sein Rat an alle: „Bleiben Sie am Ball.“

Mit dem Journalisten Richard Gutjahr hat der Lions Club Christiane Charlotte einen Experten für Technik und Künstliche Intelligenz als Redner eingeladen. Präsidentin Stefanie Fechter konnte sich beim Jahresempfang über ein volles Haus freuen. (Foto: Robert Maurer)
Mit dem Journalisten Richard Gutjahr hat der Lions Club Christiane Charlotte einen Experten für Technik und Künstliche Intelligenz als Redner eingeladen. Präsidentin Stefanie Fechter konnte sich beim Jahresempfang über ein volles Haus freuen. (Foto: Robert Maurer)
Mit dem Journalisten Richard Gutjahr hat der Lions Club Christiane Charlotte einen Experten für Technik und Künstliche Intelligenz als Redner eingeladen. Präsidentin Stefanie Fechter konnte sich beim Jahresempfang über ein volles Haus freuen. (Foto: Robert Maurer)
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