Die Siebener haben abgemarkt. Und seitdem brodelt in Hohlweiler und Oberlaimbach die Gerüchteküche: Rückt uns das künftige Umspannwerk zu sehr auf die Pelle?, fragen sich die Bürgerinnen und Bürger. Am Dienstagabend trafen sie sich zu einer Besprechung.
Wenn die Feldgeschworenen tätig werden, dann ist das üblicherweise ein untrügliches Zeichen, dass ein Grundstücksgeschäft notariell abgeschlossen ist. Das mag Tennet so nicht bestätigen. Man sei immer noch in Grundstücksgesprächen, erklärt Markus Kretzler, der am Bayreuther Firmensitz des Stromübertragungskonzerns als „Koordinator Projektkommunikation Bayern” tätig ist.
Und das sei auch ein wesentlicher Grund, weshalb das Unternehmen die bereits seit Jahresende 2023 bekannten Überlegungen für ein neues Umspannwerk zwischen Markt Bibart und Scheinfeld noch nicht offensiv öffentlich kommuniziert, erläutert Kretzler unserer Redaktion. Solange noch verhandelt wird, ist es weder respekt- noch sinnvoll, öffentlich darüber zu reden.
Doch die Arbeit der Siebener bleibt in solch kleinen Dörfern wie Hohlweiler und Oberlaimbach eben nicht unbemerkt. Die Leute machen sich dann Gedanken – und fragen nach: bei den Nachbarn, bei der Stadt, beim Landratsamt, bei der Firma. Das Resultat dieser Recherchen besteht insbesondere aus einer gewissen Verunsicherung, wie sich bei der mit 60 bis 70 Bürgern rappelvollen, nur den Stadtteilbürgern vorbehaltenen Versammlung am Dienstag im alten Oberlaimbacher Schulhaus zeigte. Auf weniger als 500 Meter, so befürchtet ein Hohlweilerer, rückt die Anlage an sein Grundstück heran.
Das Umspannwerk wird stattliche Ausmaße haben. Die Bürgermeister von Scheinfeld und Markt Bibart, Claus Seifert und Klaus Nölp, sprachen von Anfang an von 20 Hektar und mehr. Tennet wollte auf unsere Anfrage keine genaue Fläche nennen, bestätigte aber eine Größenordnung von zirka 25 Hektar.
Auf einer Tennet-Skizze ist das Suchfeld des Unternehmens markiert. Die Ellipse beschreibt ein schätzungsweise gut fünfzig Hektar großes Gebiet, in dem die Anlage einmal stehen soll. Es gibt verschiedene Zwangspunkte für Tennet. Das ist etwa im Süden die Bibart und ihr Hochwasserbereich und im Westen sind das die bestehenden beiden 110- und 380-Kilovolt-Stromtrassen.
Das ist für Tennet ein Dilemma: Einerseits sind es genau diese Stromleitungen, deren Nähe man sucht. Denn eine Kernaufgabe des geplanten Netzkopplers wird sein, den Strom von der 110-Kilovolt-Leitung in die Höchstspannungsleitung mit 380 Kilovolt zu transformieren. Andererseits begrenzt die Stromtrasse auch das Gebiet, auf dem das Umspannwerk stehen kann, erklärt Kretzler.
Eine weitere, schon von Anbeginn bekannte Anforderung für das Umspannwerk ist: Die Anlage braucht eine ebene Fläche. Das wird nicht ohne Erdarbeiten zu bewerkstelligen sein; wo es allzu steil oder hügelig wird, baut Tennet nicht hin. War anfänglich die Rede davon, dass das Umspannwerk hauptsächlich auf Markt Bibarter Gebiet stehen soll, so hat sich bei der Standortsuche herauskristallisiert, dass ein Großteil der Fläche wohl auf Scheinfelder Flur sein wird.
Der Wunsch der Bürger in Oberlaimbach und Hohlweiler ist eine möglichst westliche Lage. Sie sind überzeugt, dass da noch Spielraum ist. Die Hoffnung der Bürger ist, dass man sich noch in einem frühzeitigen Planungsstadium befindet, in dem solche Wünsche aus der Bevölkerung noch berücksichtigt werden können.
Allerdings handelt es sich um ein privilegiertes Vorhaben der kritischen Infrastruktur, erläutert Scheinfelds Vizebürgermeister Klaus Luckert, der derzeit das Stadtoberhaupt Claus Seifert in dessen Urlaub vertritt. Freilich muss aber auch solch ein Projekt einige gesetzliche Vorgaben erfüllen, insbesondere braucht es ein BImSchG-Verfahren, sagt Luckert, also eine Prüfung, ob die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes erfüllt werden.
Neben der drastischen Veränderung des Landschaftsbilds gelten die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger dem Elektrosmog und den möglichen Geräuschen einer solchen Anlage. Und aufwühlend ist für die Bürgerschaft zudem die im Raume stehende Möglichkeit von Enteignungen. Das wäre für diese Art von Projekten durchaus denkbar. Voraussetzung dafür wäre ein Planfeststellungsverfahren. Das aber, so versichert Luckert, will keiner. Es wäre jedoch das letzte Mittel, das dem Unternehmen gegebenenfalls bliebe.
Der Fahrplan sieht nun vor, so wurde nach dem Bürgergespräch berichtet und von Luckert im Wesentlichen bestätigt, dass in der kommenden Woche je ein Vertreter der beiden Dörfer von den beiden stellvertretenden Bürgermeistern Scheinfelds – Luckert und Dr. Berthold Krabbe – sowie von einem Tennet-Repräsentanten aus erster Hand erfahren, was geplant ist. Zudem ist nächste Woche auch ein Gespräch mit dem derzeit ebenfalls im Urlaub weilenden Landrat Dr. Christian von Dobschütz vereinbart.
In seiner Septembersitzung will der Scheinfelder Stadtrat das Thema dann zunächst nicht-öffentlich behandeln, bestätigt Luckert ebenfalls. Zwischen Anfang und Mitte Oktober will dann Tennet eine öffentliche Informationsveranstaltung in Scheinfeld anbieten, kündigt Kretzler an.