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Veröffentlicht am 21.02.2025 19:39

Das Konzept für das Nahwärmenetz in Merkendorf steht

Werner Rück (rechts) und sein Sohn Florian werden die Energie für das Merkendorfer Nahwärmenetz liefern, wenn es realisiert werden sollte. Die Rücks zählen zu den Biogas-Pionieren in Westmittelfranken und haben drei Jahrzehnte Erfahrung. (Foto: Robert Maurer)
Werner Rück (rechts) und sein Sohn Florian werden die Energie für das Merkendorfer Nahwärmenetz liefern, wenn es realisiert werden sollte. Die Rücks zählen zu den Biogas-Pionieren in Westmittelfranken und haben drei Jahrzehnte Erfahrung. (Foto: Robert Maurer)
Werner Rück (rechts) und sein Sohn Florian werden die Energie für das Merkendorfer Nahwärmenetz liefern, wenn es realisiert werden sollte. Die Rücks zählen zu den Biogas-Pionieren in Westmittelfranken und haben drei Jahrzehnte Erfahrung. (Foto: Robert Maurer)

In der Kernstadt von Merkendorf soll ein großes Nahwärmenetz entstehen. Mehr als 200 Haushalte hatten Interesse bekundet. Nun stehen die Details fest und es soll an die Realisierung gehen. Doch es gibt noch Hürden.

Fast 250 Menschen sind am Donnerstagabend ins Bürgerzentrum gekommen, um die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu hören, die die Nürnberger Firma Energie Plus Concept zusammen mit dem Arbeitskreis erstellt hat. Seit Oktober 2022, also im Eindruck der explodierten Energiepreise, wird an der Idee eines Wärmenetzes gearbeitet. Im März 2024 holte die Stadt Prof. Dr. Volker Stockinger und sein Team von Energie Plus Concept ins Boot.

Hohe Wärmeverluste

Das Vorhaben hat einige Tücken, wie Projektingenieur Julian Horzella ausführte. Unter anderem stehen die anzuschließenden Häuser weit auseinander. Gut 7,7 Kilometer Leitungen sind erforderlich. Das macht den Bau des Netzes teuer und sorgt für hohe Wärmeverluste.

Horzella zufolge beläuft sich der Wärmebedarf zum Heizen und für warmes Wasser auf etwa 5,2 Gigawattstunden (GWh) im Jahr. Mit dem Schwerpunkt im Winter. Hinzu kommen Wärmeverluste von 1,4 GWh.

Als Wärmequellen kamen eine Biogasanlage, eine Hackschnitzelheizung und Geothermie in Frage. Bei der bodennahen Geothermie handelt es sich vereinfacht gesagt um Leitungen, die im Boden verlaufen und dort Wärme aufnehmen. Diese wird dann mit Hilfe von Wärmepumpen verstärkt. Die Voraussetzungen mit einem sandigen, feuchten Boden sind rund um Merkendorf ideal, wie Proben des Geozentrums Nordbayern zeigten. Für den kompletten Bedarf wären allerdings neun Hektar Fläche erforderlich.

Für die reine Hackschnitzel-Heizung wachsen im Stadtgebiet nicht genug Bäume. Außerdem wäre aufgrund sonst sehr komplizierter Genehmigungsverfahren die maximale Teilnehmerzahl auf 160 zu beschränken, führte Genossenschaftsvorsitzender Claus Volkersdorfer aus. Er fürchtet zudem, dass bei dieser Variante viele Interessierte wegen zu geringer Nachhaltigkeit abspringen.

Zum Spatenstich für das Nahwärmenetz in Ornbau trafen sich Mitglieder und Vorstand der Genossenschaft sowie Vertreter der verschiedenen beteiligten Firmen. (Foto: Winfried Walter)
Zum Spatenstich für das Nahwärmenetz in Ornbau trafen sich Mitglieder und Vorstand der Genossenschaft sowie Vertreter der verschiedenen beteiligten Firmen. (Foto: Winfried Walter)

Startschuss für ein Nahwärmenetz in Ornbau

Bis zur Heizsaison 2025/2026 soll das neue Netz alle Mitglieder versorgen können. Auch die Hausanschlüsse werden saniert und Internetleitungen verlegt.

Es kristallisierte sich in der Untersuchung heraus, dass keine der Quellen allein genug Energie liefern kann, deshalb kalkulierte Horzella mit Mischvarianten. Bei der Kombination aus Biogasanlage und Geothermie kommt er auf Investitionskosten von 10,8 Millionen Euro (davon 3,4 Millionen Euro Förderung), bei Biogas und Hackschnitzelheizung sind es 8,2 Millionen Euro (2,4 Millionen Euro Förderung).

Wer sich anschließen lassen will, muss sich für 2000 Euro einen Genossenschaftsanteil kaufen. Hinzu kommt der Hausanschluss, der bei Gebäuden mit weniger als 25 Kilowatt Wärmebedarf 23.800 Euro kosten soll, sonst sind 41.650 Euro fällig. Die meisten Haushalte können mit einem Zuschuss von 50 Prozent durch die KfW rechnen, Geringverdiener sogar mit bis zu 70 Prozent, führte Energieberater Günther Simon aus. Der Förderrechner des Öko-Zentrums NRW helfe, den exakten Zuschuss zu berechnen.

Bei der Gründungsversammlung der Nahwärme Weidenbach sind bereits 55 Mitglieder der Genossenschaft beigetreten. (Foto: Marktgemeinde Weidenbach)
Bei der Gründungsversammlung der Nahwärme Weidenbach sind bereits 55 Mitglieder der Genossenschaft beigetreten. (Foto: Marktgemeinde Weidenbach)

Die Nahwärme-Genossenschaft Weidenbach ist gegründet

Stand jetzt sind 86 Anschlüsse an das neue Netz im Kernort der Marktgemeinde geplant. In Teilbereich der Triesdorfer Straße soll auch erschlossen werden.

Entscheidend ist freilich die Fragen nach den laufenden Kosten. In der Variante mit Geothermie haben die Planer 14,9 Cent je Kilowattstunde errechnet, bei Hackschnitzeln sind es 11,8 Cent. Preisvergleich: Die Stadtwerke Ansbach senken den Erdgaspreis je Kilowattstunde ab April auf rund 16 Cent.

Großer Nachteil beider Varianten: Die Genossenschaft müsste alles selbst machen. Ehrenamtlich sei das nicht zu schaffen, gab Volkersdorfer zu bedenken. Deshalb favorisiert der Arbeitskreis die Idee, die Energieerzeugung auszulagern. Die Familie Rück aus dem Ortsteil Gerbersdorf hat viel Erfahrung. Sie betreibt seit 30 Jahren Biogasanlagen und ist an Windkraftanlagen beteiligt.

180 müssen mitmachen

Werner Rück erklärte im Gespräch mit der FLZ, dass er die Wärme vor allem mit seinen Biogasanlagen erzeugen will. Die Abwärme hat genau die Temperatur, die fürs Nahwärmenetz gebraucht wird. Die Rücks wollen zudem schrittweise Geothermie ausbauen. Über neue Pufferspeicher wollen sie die Versorgung sicherstellen. Sie garantieren, dass sie zu 100 Prozent Wärme aus erneuerbaren Energien liefern können. Der Preis: 13,0 Cent je Kilowattstunde.

Günther Simon erinnerte, dass nach derzeitiger Gesetzeslage ab 2028 bei einem Heizungstausch 65 Prozent der genutzten Energie aus erneuerbaren Quellen kommen müssen. Außerdem fielen Kosten für Wartung, Kaminkehrer und Reparaturen mit einem Anschluss ans Wärmenetz weg.

Maximal 14 Cent für die Kilowattstunde

Nun wird es konkret. Bis Mitte März müssen die Merkendorfer eine Absichtserklärung abgeben. Mindestens 180 Haushalte müssen für einen wirtschaftlichen Betrieb mitmachen, erklärte Stockinger. Volkersdorfer kündigte an: „Wir werden bis maximal 14 Cent für die Kilowattstunde gehen. Sonst ist das Projekt gestorben.“

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